11.09.2009 · Das Nokia E51 haben wir vor zwei Jahren als „bestes Handy des Jahres“ bezeichnet. Nun ist der Nachfolger E52 auf dem Markt. Ein Rückschritt ist das neue Symbian-Betriebssystem. Es ist unübersichtlich, unfreundlich und unbequem.
Von Michael SpehrDas kompakte Nokia E51 haben wir vor 24 Monaten als „bestes Handy des Jahres“ bezeichnet. Wir waren von ihm angetan, haben es gleich gekauft und für den geschäftlichen Einsatz empfohlen. Bis heute ist das gute Stück in Betrieb. Abgesehen von einigen Kratzern und dem Nokia-Problem des sich schnell unter dem Display sammelnden Staubs, erfüllt es nach wie vor seine Pflicht. Nun ist der Nachfolger E52 auf dem Markt. Ein erster Blick zeigt, dass es in die Breite gegangen, aber flacher geworden ist. Es passt nach wie vor prima in die Hosentasche (11,6 × 4,9 × 1,0 Zentimeter, 98 Gramm). Statt der alten Nokia-Anschlüsse übernimmt nun Micro-SD den Anschluss des Lade- und des USB-Kabels zum Datentransport. Eine 3,5-Millimeter-Klinkenbuchse erlaubt den Einsatz eines Standard-Ohrhörers, wie gehabt lässt sich die Speicherkarte (ein Gigabyte im Lieferumfang) nur nach dem Lösen des Akku-Deckels entnehmen.
Der größte Unterschied zwischen Alt und Neu ist indes die Verarbeitung. Bot das E51 an der Oberseite einen robusten Metallrahmen, besteht das E52 durchgängig aus Plastik - mit Ausnahme einer hauchdünnen Edelstahlabdeckung für den Akku. Die Tastatur, deren hellgraue Beschriftung auf dunkelgrauem Hintergrund schlechter lesbar ist, ist ebenso wie die 4-Wege-Wippe unterhalb der Anzeige von minderer Qualität, und bei den Schnellzugriffstasten wurde die für Kontakte eingespart. Die Löschtaste ist so unglücklich angeordnet, dass man sie immer wieder versehentlich betätigt. Alles in allem wirkt das E51 (Straßenpreis derzeit rund 150 Euro) deutlich solider und besser verarbeitet als das doppelt so teure E52. Die Kamerataste unseres Testgeräts war übrigens von Anfang an defekt.
Keineswegs ein besser auflösendes Display
Für den deutlich höheren Preis erhält man keineswegs ein besser auflösendes Display. Die mickrige Darstellung von 320 × 240 Pixel war schon vor zwei Jahren nicht mehr zeitgemäß. Beim Stöbern im Internet oder Lesen von E-Mail sieht man kaum etwas, ständig ist man mit der Cursorsteuerung beschäftigt. Nokia hat indes zu einem Taschenspielertrick gegriffen und die Displayfläche vergrößert, aber das ändert nichts. Die Fortschritte sollen vielmehr in dem eingebauten GPS-Empfänger und der von 2 auf 3,2 Megapixel erhöhten Auflösung der Kamera liegen. In der Tat gelingen etwas bessere Fotos, zumindest draußen, aber das Gebotene bleibt insgesamt unbefriedigend. GPS wiederum lässt sich mit dem mitgelieferten Nokia Maps 3.0 zur Auto-Navigation nutzen, allerdings ist das Modul deutlich weniger empfindlich als beim Nokia E71 und arbeitet nur direkt unter der Windschutzscheibe halbwegs zufriedenstellend.
Der zweite Fortschritt soll das neue Betriebssystem Symbian S60 V3 mit dem „Feature Pack 2“ sein, es ist aber ein Rückschritt: Nicht nur weil uns das E52 jeden Tag mehrmals abstürzte, sondern weil es unübersichtlich, unfreundlich und unbequem ist. Dafür einige Beispiele: Während jedes Windows-Handy, jedes Android-Gerät und jedes iPhone problemlos ohne Benutzereingriff bei Datenverbindungen automatisch zwischen Wireless-Lan und Mobilfunk umschaltet, fummelt man hier endlos mit „Zielen“ und „Zugangspunktgruppen“ herum, um dann nach mehrstündigen Experimenten wieder festzustellen, dass beispielsweise bei der E-Mail doch nur einer der beiden Wege funktioniert. Beim alten E51 konnte man das Problem mit der Gratis-Zusatzsoftware Smartconnect in den Griff bekommen, hier nicht. Die falschen Symbole in den Anruflisten bringen einen zur Raserei, weil man nicht sieht, wer einen von welchem Anschluss angerufen hat, stets ist nur ein Handy-Symbol in der Liste zu sehen.
Es ist langsamer geworden und reagiert träge
Das neue Nokia Messaging ersetzt den bewährten E-Mail-Client, es ist langsamer geworden und reagiert träge wie ein Java-Programm. Nicht nur, dass man insgesamt wenig sieht und HTML-Nachrichten in einem zweiten Schritt nachladen muss. Der Stein des Anstoßes für alle, die um den Datenschutz besorgt sind, besteht darin, dass im Unterschied zu anderen Handys beim E52 eine direkte Datenverbindung vom Handy über das Mobilfunknetz hin zum Mailbox-Server nicht mehr möglich ist. Vielmehr quetscht sich das Nokia-System dazwischen. Man muss sein Kennwort also den Finnen anvertrauen, und die übernehmen dann als „Mann in der Mitte“ den Datenaustausch zwischen Handy und Mailbox. Mit der Blockade einer direkten E-Mail-Kommunikation und der Einrichtung einer zwischengeschalteten Instanz will Nokia langfristig den E-Mail-Abruf auf dem Handy kostenpflichtig machen, derzeit läuft das Ganze im Testbetrieb. Würde Microsoft so etwas in Outlook einbauen und damit die Kontrolle über den E-Mail-Verkehr übernehmen, wäre das Geschrei groß. Hier ahnt nur bislang niemand, was dahintersteckt. Kurioserweise kann man mit Messaging keine E-Mail-Konten im Funkloch anlegen, es braucht stets den Kontakt nach Finnland.
Weitere Minuspunkte ließen sich hier in epischer Breite aufzählen. Nokia kennt sie, und es wundert kaum, dass ja schon die ersten Geräte mit Linux- statt mit Symbian-Betriebssystem angekündigt sind. Aber es seien auch einige Pluspunkte genannt, die wir bislang bei Symbian S60 V3 nicht gesehen haben: Der Reklame-Müll im Lesezeichenfenster des Browsers wurde beseitigt. Konnte ein Normalsterblicher beim E75 die Internettelefonie nicht einrichten, gelingt dies nun mit einem halben Dutzend Anbieter reibungslos (wenn man das betreffende Menü gefunden hat). Zudem gibt es jetzt ein funktionierendes Chat-System (für Google Talk). Aber alles in allem macht das den Kohl nicht fett: Das alte E51 ist nach unserer Einschätzung insgesamt besser, ausgereifter und robuster als diese Neuerscheinung. Wer angesichts der spektakulären Ankündigung einer Bereitschaftszeit von 29 Tagen (!) mit dem E52 geliebäugelt haben sollte, wird hier zum Schluss abermals auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt: Der Akku hält genauso lange wie beim E51, nämlich rund vier Tage.
Produktpalette von Nokia
Michael Meier (never1)
- 11.09.2009, 18:03 Uhr
kostenloses iSync Plugin
Dr. Andreas Frick (Hephaistos)
- 11.09.2009, 18:27 Uhr
FAZ lässt sich kaufen
perry hagedorn (perryhagedorn)
- 11.09.2009, 19:54 Uhr
harter tobak...aber richtig....
Peter Gaul (bocadillo70)
- 12.09.2009, 09:37 Uhr
Danke
Thomas Müller (tmueller73)
- 12.09.2009, 11:37 Uhr