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Nokia 1661 Zwei Wochen ohne Ladekabel

31.07.2009 ·  Das Nokia-Handy 1661 ist einfach nur ein Handy, ein Sprechapparat für Leute, die lediglich telefonieren wollen, und die soll es ja auch noch geben. Aus dieser Reduzierung auf das Wesentliche resultiert ein geradezu einzigartiger Charme.

Von Michael Spehr
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300 Stunden Bereitschaftszeit sind für ein aktuelles Handy der Oberklasse gar kein Problem - wenn man den technischen Daten der Hersteller oder den kleinen Fachzeitschriften glaubt, die einfach nur abschreiben. In der Praxis kann man schon zufrieden sein, wenn ein 600-Euro-Gerät nach zehnstündigem Büroschlaf auf dem Schreibtisch abends noch ein 15-Minuten-Telefonat im Auto schafft. Aber spätestens dann muss es an die Steckdose. Die durchweg unrealistischen Angaben von Stand-by-Zeiten bei allen prominenten Herstellern sind ein Missstand ohnegleichen. Wenn die Autoindustrie so tricksen würde, käme ein Fahrzeug mit drei Tropfen Benzin 100 Kilometer weit.

Doch nun gibt es das Nokia 1661. Es ist ein Meilenstein. Denn es bietet eine Akkulaufzeit wie die Handys vor ungefähr zehn Jahren und war bei uns mit gelegentlichen Telefonaten sage und schreibe zwei Wochen im Einsatz, bis der Kraftspender um frischen Strom bettelte. Der kleine Finne bietet zudem einige Funktionen, die nicht einmal Apples iPhone beherrscht: Er wartet mit einer praktischen Taschenlampe auf, hat ein UKW-Radio eingebaut und Situationsprofile wie „Leise“ oder „Privat“, und die wiederum sind sogar zeitgesteuert programmierbar. Das sehr kleine und leichte Handy (10,8 × 4,5 × 1,3 Zentimeter, 82 Gramm) passt prima in die Hosentasche - und man kann mit ihm telefonieren. Darüber hinaus bietet es so gut wie nichts, also kein Bluetooth, kein UMTS, kein Wireless-Lan, keine Kamera, keine E-Mail und kein GPS.

Die Tastatur reagiert alles andere als präzise auf Eingaben

Es ist einfach nur ein Handy, ein Sprechapparat für Leute, die lediglich telefonieren wollen, und die soll es ja auch noch geben. Aus dieser Reduzierung auf das Wesentliche resultiert ein geradezu einzigartiger Charme. Man muss sich nicht, wie bei anderen Nokias, stundenlang mit der Einrichtung und Konfiguration beschäftigen, es verlangt weder einen W-Lan-Schlüssel noch die Definition von Zugangspunktgruppen für den Gang ins Internet. Man legt einfach die Sim-Karte ein, und das ist schon alles. Gestressten Managern, die alle paar Minuten nervös auf ihren Blackberry gucken, können wir ein solches Gerät nur empfehlen. Ohne ständige E-Mail-Erreichbarkeit wird das Leben leichter.

Das kleine Nokia hat indes zwei Nachteile: So robust es auch wirken mag, die Tastatur reagiert alles andere als präzise auf Eingaben. Man muss schon sehr genau auf die einzelnen Drücker zielen. Und zweitens irritiert einen immer wieder, dass die große Taste in der Mitte der 4-Wege-Wippe weder ins Menü führt noch Eingaben bestätigt, wie man das rein intuitiv zu wissen glaubt, sondern für das Einschalten der Taschenlampe zuständig ist. Als Bestätigungstaste dient der linke Softkey unterhalb der Anzeige, daran gewöhnt man sich nur schwer. Aber alles andere stimmt, und so ist das 1661 für einen Preis zwischen 30 und 40 Euro ein tolles Produkt ohne Schnickschnack und ein optimales Zweithandy, wenn eine lange Ausdauer ganz oben auf der Prioritätenliste steht.

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Jahrgang 1964, Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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