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Nintendo Wii Es darf und soll geschwitzt werden

29.03.2010 ·  Keine Chance für Eigenbrötler: Die Wii-Spielekonsole könnte auch im Fitness-Studio stehen. Wir haben die Wii-Welt einige Zeit ausprobiert - und hatten damit viel Freude. Hinsichtlich der Grafik ist sie eine Rückkehr in die Vergangenheit.

Von Michael Spehr
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Es wird gejubelt, getobt, und nach einer Stunde sind alle außer Atem: Für die schweißtreibenden Aktivitäten im Wohnzimmer zeichnet eine Spielekonsole verantwortlich, die alles andere als neu ist, aber das Spielen zu Hause in neue Bahnen lenkt: Seit 2006 ist die Wii von Nintendo auf dem Markt. Sie richtet sich nicht an den Eigenbrötler, der bei heruntergelassenen Rollläden stundenlang auf seinen Bildschirm starrt. Es geht vielmehr um Mitmachspaß und Sport für die ganze Familie. Wir haben die Wii-Welt einige Zeit ausprobiert – und hatten damit viel Freude. Sie ist hinsichtlich der Grafik eine Rückkehr der Vergangenheit, und sie ist zugleich die Zukunft für Spiele, die vor allem der körperlichen Ertüchtigung dienen.

Simulierte das erste Bildschirmspiel „Pong“ 1972 ein Tennismatch durch zwei vertikal bewegliche Linien an den Bildschirmrändern, die als virtueller Schläger von jeweils einem Spieler bewegt wurden, besteht die Idee der Wii darin, dass die Konsole reale Bewegungen vor dem Fernsehbildschirm erfasst und in das Spiel integriert. Dazu fuchtelt man mit einem Controller in der Luft herum und spielt beispielsweise Tennis, Golf, Kegeln oder boxt mit einem virtuellen Gegner auf dem Bildschirm. Die Wii-Fernbedienung fungiert quasi als Erweiterung des Körpers.

Zum Startpaket der Wii (für rund 190 Euro) gehören die Konsole mitsamt einer Fernbedienung (auch „Wiimote“ genannt) sowie ein weiterer Controller für die zweite Hand („Nunchuk“), der etwa beim Boxen zum Einsatz kommt. Die Technik dahinter ist einfach: Die Fernbedienung der Wii nutzt einen Sensor, der Bewegungen und Drehungen um zwei Achsen registriert. Ein zweiter Sensor erfasst die Signale eines ebenfalls mitgelieferten Infrarot-Moduls, das vor oder auf dem Fernsehgerät plaziert wird. So lässt sich die Position und Lage der Wiimote im Raum ermitteln. Die weitere Kommunikation zwischen Fernbedienung und Konsole erfolgt per Bluetooth. Der Nunchuk mit analogem Joystick wird bei Bedarf an die Wiimote gesteckt. Mit dem beiliegenden Spiel Wii Sports kann man gleich loslegen, die Wii ist schnell in Betrieb genommen.

Nicht wie die Playstation 3 von Sony oder Microsofts Xbox 360

Zugegeben: Die Bildschirmausgabe unterstützt nur den älteren SD-Modus, Hochauflösendes à la HDTV darf man nicht erwarten. Zwar gibt die Wii auch Bilder von einer Speicherkarte wieder, aber sie ist keine hochgerüstete Multimedia-Maschine wie die Playstation 3 von Sony oder Microsofts Xbox 360. Der Charme der Wii speist sich aus den putzig gezeichneten Spielfigürchen, die ein wenig an übergroße Lego-Männchen erinnern. Die witzigen Zeichnungen und Animationen sind der große Pluspunkt, und der Spaß beginnt schon mit dem Design des persönlichen Avatars, des Mii, den man wie bei den „Sims“ aus einzelnen Bildelementen für Augen, Nase und Frisur erstellt. Das Figürchen, das ein wenig an die japanischen Kokeshi-Puppen erinnert, begleitet den Spieler durch alle Abenteuer, man sammelt Punkte für Fähigkeiten und Fertigkeiten und kann seinen Mii auf dem Controller speichern, um ihn bei Freunden und Bekannten einzusetzen.

Die Technik der Konsole ist eher schlicht gehalten: Mit dem optischen Laufwerk lassen sich nicht einmal DVDs wiedergeben, und der Hauptprozessor arbeitet nur mit 730 Megahertz. Aber der Stromverbrauch der Wii ist äußerst bescheiden (rund 18 Watt), und der Apparat macht keinen Lärm. Immerhin ist Wireless-Lan vorhanden. Wenn das Drahtlos-Netz bis ins Wohnzimmer reicht, kann man über den Wii-Shop neue Spiele kaufen oder Nachrichten am Fernsehbildschirm lesen.

Die etwas teurere Variante Wii Sports Resort

Wer mit mehreren Partnern spielt, sollte über die Anschaffung eines zweiten Controllers nachdenken, der mit ungefähr 30 Euro zu Buche schlägt. Oder man nimmt gleich die etwas teurere Variante Wii Sports Resort, die den Controller und Wii Motion Plus enthält. Letzterer ist ein kleiner Dongle, den man unten auf die Wiimote steckt. Mit ihm werden die Bewegungen des Spielers, etwa Drehungen des Handgelenks, präziser erkannt. Das funktioniert aber nur mit aktuellen Spielen, Wii Motion Plus gibt es seit dem Sommer vergangenen Jahres. Zu Sports Resort gehören ein Dutzend Spiele, darunter einige aus Sports (Bowling, Golf), aber auch ganz neue Abenteuer wie Schwertkampf, Kanufahren oder Bogenschießen.

Geht es weniger um Action, ist das Balance Board mitsamt Wii Fit Plus eine nette Ergänzung der Konsole (100 Euro). Die Hardware ist ein Brett mit zwei Waagen, die feinste Bewegungen erfassen. Mit verschiedenen Übungen der zugehörigen Software werden zunächst die motorischen Fähigkeiten des Spielers beurteilt, es wird der Gleichgewichtssinn gemessen und der Body-Mass-Index berechnet. In den anschließenden Übungen geht es um eine gute Körperhaltung, vieles davon kennt man von Yoga. Es gibt steigende Schwierigkeitsgrade, und manchen Level muss man erst „freispielen“. Mit Liegestützen, Ausfallschritten und Aerobic kommt man schnell ins Schwitzen, beim Jogging läuft man auf der Stelle, und beim Hula-Hoop werden einem virtuelle Reifen zugeworfen, die man um die Hüfte kreisen lassen muss. Ferner kann man eigene Trainingsprogramme erstellen.

In der Packung findet man zwei Pedometer, Schrittzähler...

Wer sich passend zum Frühlingsbeginn in erster Linie draußen austoben will, sollte einen Blick auf Laufrhythmus DS (25 Euro) werfen. In der Packung findet man zwei Pedometer, Schrittzähler, die man tagsüber in der Hosentasche mitnimmt. Was der kleine Chip gespeichert hat, überträgt man abends mit dem eingebauten Infrarot-Sender an die Nintendo-DS-Handheldkonsole, die mit einem Stift auf dem berührungsempfindlichen Display bedient wird (130 Euro). Man sieht genau, wann und wie lange man unterwegs war, dem Schrittzähler entgeht nichts. Das motiviert ungemein, man läuft gern manche Extrarunde. Auch hier wird man mit einem Mii-Avatar durchs Menü geführt, kann mit anderen in Konkurrenz und Wettbewerb treten, diverse Statistiken aufrufen und sein „Tagesziel“ programmieren. Dieses wird im Pedometer gespeichert, und mit dem Erreichen von – sagen wir 5000 Schritten – blinkt eine LED. Auch eine Joggingrunde wird automatisch erkannt.

Ein nettes Detail am Rande: Mit dem Balance Board kann man das Gewicht seiner Haustiere erfassen (und statistisch auswerten), und Laufrhythmus DS hat einen Modus für Hunde, damit der beste Freund ebenfalls fit bleibt. Wie bei den Wii-Konsolenspielen ist also möglichst viel Bewegung angesagt, das ist der große Pluspunkt dieser Spieleabenteuer. Man ist aktiv, am besten zusammen mit der ganzen Familie. Ob die Wii ein richtiges Sportprogramm ersetzt: das wagen wir zu bezweifeln. Schon reden einige Mediziner von „Wii-Verletzungen“, nämlich verstauchten Knöcheln und Schmerzen in den Gelenken, weil es ungeübte Nutzer vor dem Bildschirm zu gut meinen.

Indes schreibt Nintendos Wii-System seit Jahren eine Erfolgsgeschichte ohnegleichen. Mehr als 70 Millionen Konsolen wurden seit 2006 verkauft, doppelt so viele wie Sonys Playstation 3, die zur gleichen Zeit auf den Markt kam. So wundert kaum, dass die Idee der Bewegungserkennung ihre Nachahmer findet. Microsoft will mit dem „Projekt Natal“ Bewegungen und Stimmen so präzise identifizieren, dass sich Spiele ohne jede Hardware steuern lassen. Für ein Autorennen soll man ein fiktives Lenkrad umfassen und mit dem Fuß das ebenfalls virtuelle Gaspedal treten. Das alles soll eine Kamera und die zugehörige Software für die Konsole Xbox 360 erlauben. Sony wiederum bringt noch in diesem Jahr „Playstation Move“ mit Kamera und Controller. Letzterer sieht aus wie bei der Wii, hat jedoch eine Farbkugel an der Spitze, mit deren Hilfe die Kamera am Fernsehgerät den Abstand zum Controller misst. Zusammen mit einem Gyroskop, einem Beschleunigungs- und einem Erdmagnetfeldsensor soll das System alle nur denkbaren Bewegungen erkennen.

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Jahrgang 1964, Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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