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Veröffentlicht: 15.03.2017, 11:15 Uhr

Switch von Nintendo im Test Murmeln im Rasierer

Die Spielekonsole Switch ist für unterwegs oder den heimischen Fernseher. Geht Nintendos Konzept auf? Das kann die neue Spielkonsole.

von Julian Freitag
© Nina Hewelt, F.A.Z. Die Nintendo Switch im Kurztest

Seine Zukunft sucht Nintendo in der Vergangenheit: Denn die neue Spielkonsole Switch wirkt wie ein Hybride aus den Klassikern Gameboy, Wii und Gamecube: Zum Mitnehmen und zugleich für den Fernseher geeignet soll sie sein, akkubetrieben und dennoch leistungsstark, mit klassischer Konsolenbedienung, Bewegungssteuerung und Touchscreen. Herausgekommen ist ein unscheinbares, kompaktes Tablet – der Bildschirm misst nur 6,2 Zoll. Der Name Switch steht im Englischen für wechseln und soll das Prinzip unterstreichen: ein schnelles Umstellen zwischen verschiedenen Spielmodi. Über eine mitgelieferte Dockingstation kann die Switch mit dem Fernseher verbunden und geladen werden. Nimmt man sie aus der Station heraus, wechselt das Spiel auf den internen Bildschirm. In unserem Test klappte das reibungslos und schnell.

Auch die mitgelieferten Controller sind flexibel. Man kann sie entweder direkt am Tablet befestigen oder in eine beigelegte Halterung schieben, die sie dann zu einem großen Gamepad verwandelt. Das alles funktioniert gut, aber man fummelt mit den Handgelenkschlaufen herum.

Die Materialwahl ist typisch Nintendo, viel Plastik. Der ausklappbare Ständer auf der Rückseite hat einen zu geringen Neigungswinkel, und die Konsole wackelt, wenn man die auf der Oberseite sitzenden Knöpfe für die Lautstärke und das Anschalten drückt. Die beiden Analogsticks, das sind die schwarzen „Knüppel“ auf den Controllern, wirken nur mittelmäßig stabil und sind etwas zu leichtgängig. Wirklich geizig war Nintendo beim internen Speicher. Lediglich 32 Gigabyte besitzt die Switch. Da Spiele nicht nur auf kleinen Chips, sondern auch online gekauft werden können, dürfte der Speicher schnell voll sein. Per Micro-SD-Karte können Nutzer allerdings aufrüsten.

Controller haben eine Vibrationsfunktion

Als Spiele testeten wir „The Legend of Zelda: Breath of the Wild“ und „1-2-Switch“. Sie zeigen gut die Bandbreite der Anwendungen, die sich Nintendo für seine Konsole vorstellt. Zelda ist ein Actionabenteuer mit Rollenspielansätzen. Hier bewegt man den Protagonisten durch das Phantasie-Königreich Hyrule, muss verschiedene Rätsel lösen und sich gegen feindliche Kreaturen wehren. Die Controller benutzt man hier wie bei einer Heimkonsole. „1-2-Switch“ hat einen ganz anderen Ansatz. Zwei Spieler treten in 28 verschiedenen Miniwettbewerben gegeneinander an, beispielsweise in einem Luftboxkampf. Der Fokus liegt auf der gut funktionierenden Bewegungssteuerung. Außerdem hat Nintendo in den Controllern eine Vibrationsfunktion verbaut, die beispielsweise rollende Murmeln oder einen Rasierer imitieren kann. Das gelingt verhältnismäßig realistisch, wenngleich das Gehäuse etwas scheppert. Schade ist, dass derzeit kaum Spiele erhältlich sind. Das Rennspiel „Mario Kart 8 Deluxe“ erscheint Ende April, der erste richtige Mario-Titel erst zur Weihnachtszeit.

Beim Spielen wird das Tablet warm, aber nicht zu heiß. Während das integrierte Display nur mit 1280 × 720 Pixel auflöst, spielt das Tablet Inhalte auf den Fernseher mit Full-HD (1920 × 1080 Pixel) aus. Jedem Käufer sollte aber klar sein, dass die Switch als kleines Tablet bei der Grafikleistung nicht mit stationären Konsolen wie Sonys Playstation 4 oder Microsofts Xbox One mithalten kann. Wer denkt, weil die Switch ein Tablet sei, könne man sie auch für Multimedia nutzen, liegt falsch. Derzeit laufen lediglich Videospiele darauf. Auf Anfrage teilt der Konzern jedoch mit, dass man Videostreaming und einen Internetbrowser theoretisch über ein zukünftiges Update werde nachrüsten können.

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Der Touchscreen reagiert zügig und genau, jedoch scheint es noch kein einheitliches Konzept zu geben. Die Fingerbedienung in den Menüs von Zelda funktioniert nicht. Die Schrift auf dem internen Bildschirm ist in manchen Fällen zu klein. Die Displayoberfläche spiegelt. Im Freien kann man bei Sonnenschein selbst mit höchster Helligkeitsstufe fast nichts erkennen. Wie lange der Akku hält, hängt vom gewählten Spiel und der Displayhelligkeit ab. Beim aufwendigen Zelda auf mittlerer Helligkeitsstufe hatte unser Gerät nach rund eineinhalb Stunden die Hälfte der Akkuleistung aufgebraucht.

Nintendo punktet mit der Tragbarkeit seiner Konsole, einer gut funktionierenden Bewegungssteuerung und exklusiven Spielen. Gravierende Schwächen leistet sich die Switch nicht, jedoch trüben die mäßige Verarbeitung, die recht kurze Akkulaufzeit, der viel zu kleine Speicherplatz und die geringe Auswahl an Spielen zum Marktstart das Bild. Für einen Ladenpreis von rund 340 Euro ist die Switch definitiv kein Schnäppchen. Sonys Playstation und Mircosofts Xbox sind schon für rund 250 Euro zu haben und bieten neben einer besseren Leistung vor allem eine wesentlich größere Auswahl an Spielen. Dennoch könnte Nintendos Konzept aufgehen, denn in ihrer Form ist die Switch einzigartig auf dem Konsolenmarkt und bietet einen Mehrwert zur Konkurrenz.

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Von Holger Appel

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