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Niedergang der Computermessen Die geschrumpften Technikspektakel

26.12.2008 ·  Das neue Jahr beginnt in der amerikanischen Technologiebranche immer mit einem zweifachen Paukenschlag: Mit der Elektronikmesse CES und der Macworld von Apple. Doch die legendären Eröffnungsreden von Bill Gates und Steve Jobs sind Geschichte.

Von Roland Lindner und Johannes Winkelhage
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Es ist eine doppelte Zäsur: Das neue Jahr beginnt in der amerikanischen Technologiebranche immer mit einem zweifachen Paukenschlag. Direkt hintereinander finden die Elektronikmesse Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas und die rund um den Computer- und Elektronikkonzern Apple angelegte Macworld in San Francisco statt. An jedem der Schauplätze konzentrierte sich die öffentliche Aufmerksamkeit in der Vergangenheit vor allem auf eine Person: Bei der CES war es Bill Gates, der Mitgründer des Softwarekonzerns Microsoft, der die traditionelle Eröffnungsrede hielt. Bei der Macworld war es Mitgründer und Vorstandschef Steve Jobs, der bei pompös inszenierten Präsentationen neue Produkte seines Unternehmens vorstellte.

Doch diesmal müssen die beiden Messen ohne ihre Superstars auskommen. Bill Gates hat sich vor einigen Monaten aus dem Tagesgeschäft bei Microsoft verabschiedet, die Eröffnungsrede kommt vom Vorstandsvorsitzenden Steve Ballmer. Apple hat vor wenigen Tagen überraschend angekündigt, dass die Hauptrede bei der Macworld nicht von Steve Jobs, sondern von Marketingchef Phil Schiller gehalten wird. Damit haben nun beide Veranstaltungen von einem Jahr auf das nächste ihre Zugpferde eingebüßt.

Prominente Unternehmen bleiben weg

Die Sorgen der Messeveranstalter gehen aber über diese symbolträchtigen Einschnitte hinaus: Etliche prominente Unternehmen schrauben ihre Präsenz zurück oder bleiben ganz fern. Der Internetkonzern Yahoo, der auf der CES 2008 noch mit einem großen Zelt vor den Messehallen vertreten war, wird diesmal keinen Stand haben. Der Netzwerkausrüster Cisco hat seine Pläne für einen Stand aus Kostengründen gekippt und bucht stattdessen Besprechungszimmer in einem Hotel für kleinere Präsentationen. Auch der Elektronikkonzern Philips, der Festplattenhersteller Seagate und der Computerzubehörspezialist Logitech verzichten auf Stände. Die Macworld muss ohne den Softwarehersteller Adobe auskommen. Und der größte Schlag steht der Veranstaltung noch bevor: Denn der zentrale Aussteller Apple kündigte an, dass die nächste Macworld seine letzte sein wird.

Die Serie von Absagen kratzt am Ruf der Messen: Die CES ist in den vergangenen Jahren zu einem zentralen Treffen der Technologiewelt geworden, das man nicht verpassen durfte. Das galt umso mehr, nachdem im Jahr 2004 die konkurrierende Messe Comdex verschwunden ist. Die Macworld war allein wegen der Reden von Steve Jobs ein Spektakel. Trotzdem fragen sich viele Unternehmen seit langem, ob es nicht billigere Plattformen gibt, Aufmerksamkeit zu erhalten. Die Wirtschaftskrise hat solche Überlegungen verstärkt und jetzt viele Unternehmen zum Rückzug bewegt. Dass sich der Andrang diesmal in Grenzen halten wird, erkennt man auch daran, dass die Hotels in Las Vegas mit Preisnachlässen während der CES werben.

Hoffen auf Ballmers Eröffnungsrede

Aus diesem Grund dürften die CES-Veranstalter umso mehr darauf hoffen, dass Steve Ballmer mit seiner Eröffnungsrede am 7. Januar Akzente setzt und damit das Gewicht der Messe unterstreicht. In der Branche wird erwartet, dass Ballmer sich auf die nächste Version des Microsoft-Betriebssystems Windows konzentrieren wird. „Windows 7“ wird für Microsoft von gewaltiger Bedeutung sein: Windows ist das Kernprodukt des Unternehmens, und die aktuelle Version „Vista“ hat große Mühe, sich zu etablieren. Einige Fachleute rechnen damit, dass Microsoft das neue Betriebssystem Windows 7 schon im Weihnachtsgeschäft 2009 und damit früher als zunächst geplant auf den Markt bringt. Windows 7 soll schneller und einfacher zu bedienen sein als Vista. Außerdem soll das neue Betriebssystem stärker auf die Nutzung von berührungsempfindlichen Bildschirmen ausgelegt sein. Dadurch soll auch die Verzahnung mit dem Handy-Betriebssystem Windows Mobile besser gelingen. Auch bei dieser Software dürfte Microsoft entweder zur CES oder zur Mobilfunkmesse in Barcelona im Februar Neuheiten präsentieren.

Einige Trends der vergangenen Jahre dürften sich auch auf der kommenden CES fortsetzen: Dazu gehört die Entwicklung zu immer stromsparenderen und damit umweltfreundlicheren Lösungen. So sorgen in einigen Fernsehgeräten von Samsung zum Beispiel künftig LEDs für die Hintergrundbeleuchtung. Diese können zielgerichteter ausgeschaltet werden und verbrauchen daher weniger Strom.

Wirkliche Neuerungen werden nicht erwartet

Auch das hochauflösende Fernsehen (High Definition, HD) dürfte eine große Rolle spielen. Wirkliche Neuerungen werden hier allerdings nicht erwartet – außer, dass die Geräte abermals deutlich preiswerter werden. Der japanische Hersteller Sharp hat angekündigt, einen HD-Fernseher mit integriertem Bluray-Spieler zu präsentieren. In der Branche wird erwartet, dass viele Elektronikhersteller neue Bluray-Produkte vorstellen, um dem Segment einen Impuls zu geben. Vor fast genau einem Jahr hat sich Bluray als neuer Standard für DVDs der nächsten Generation durchgesetzt, mit dem Filme in hoher Auflösung gezeigt werden können. Die Verbreitung von Bluray-Spielern und zugehörigen Discs ging aber seither viel schleppender voran als von der Branche erhofft.

Interessant wird bei den Messen auch sein, welche Anbieter auf den Zug der Netbooks aufspringen – also der kleinen, preiswerten und sehr leichten Laptops. Unter anderem haben Asus, Hewlett-Packard, MSI, Lenovo und Dell die Geräte schon im Programm. Es wird immer wieder gemunkelt, dass auch Apple einsteigen will. Mit Spannung wird die Branche auf den krisengeschüttelten Taschencomputer- und Handyhersteller Palm blicken, der zuletzt im Wettbewerb mit dem iPhone von Apple oder dem Blackberry von Research immer mehr an Boden verloren hat. Palm will in Las Vegas offenbar ein neues Betriebssystem mit dem Codenamen Nova vorstellen.

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Jahrgang 1970, Wirtschaftskorrespondent in New York.

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