Home
http://www.faz.net/-gyc-btj
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Neuer Milliardenmarkt Smartphones überholen die Personalcomputer

11.02.2011 ·  Nokia und Microsoft wissen, dass es um viel geht. Mittlerweile werden mehr Smartphones verkauft als Computer. Damit ist der wohl größte Umbruch in der Computerwelt vollbracht. Schon ist die nächste große Welle in Bewegung gekommen. Eine Analyse.

Von Holger Schmidt
Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (3)

„Mobile first“ lautete die Devise, die der Google-Chef Eric Schmidt vor genau einem Jahr auf dem „Mobile World Congress“ in Barcelona ausgab. Zum diesjährigen Treffen der Mobilfunkwelt, das am Sonntag beginnt, ist das Ziel erreicht: Erstmals werden mehr internetfähige Handys (Smartphones) als Personalcomputer verkauft, hat das Marktforschungsunternehmen IDC errechnet. Rund 100 Millionen Smartphones gingen im vierten Quartal 2010 über die Ladentheken, aber nur 92 Millionen Personalcomputer. Damit ist der wohl größte Umbruch in der Computerwelt vollbracht: die Verlagerung des Computers vom Schreibtisch in die Hand der Verbraucher.

Entsprechend kraftvoll kämpfen die Unternehmen um den neuen Milliarden-Markt, was zu erheblichen Verschiebungen in den Marktanteilen führt. Nach Berechnungen des Marktforschungsunternehmens Gartner hat sich der Anteil des Nokia-Betriebssystems Symbian seit Erscheinen des iPhones von Apple im Jahr 2007 auf 32,6 Prozent halbiert. Aber erst mit dem Aufstieg des Google-Betriebssystems Android im Jahr 2010 hat die Talfahrt von Nokia richtig Schwung bekommen. Symbian liegt nur deshalb noch knapp vor Android an der Spitze des Weltmarktes, weil auch kleinere Hersteller wie Fujitsu und Sharp noch auf das kaum mehr konkurrenzfähige Symbian setzen.

„Android ist im vergangenen Jahr um 888 Prozent gewachsen und hat im vierten Quartal einen Marktanteil von 30,8 Prozent erreicht. Im vierten Quartal wurden erstmals mehr Android-Geräte als Nokia-Smartphones mit Symbian verkauft“, sagt Gartner-Analystin Carolina Milanesi. Der Marktanteil von Apple stagniert seit eineinhalb Jahren bei 16 Prozent, was Apple aber reicht, um etwa die Hälfte des Gewinns am Handymarkt zu erzielen. Während die anderen Betriebssysteme inzwischen auf Smartphones aller Preisklassen installiert werden, gibt es Apples iOS eben nur auf dem hochpreisigen iPhones.

Schon ist die nächste große Welle in Bewegung gekommen

Nokia kommt aber nicht nur am oberen Ende unter Druck. Im Billigsegment nehmen viele chinesische Produzenten den Finnen ebenfalls Marktanteile ab, vor allem in den Massenmärkten China und Indien. Wird der gesamte Handy-Markt betrachtet, hat nicht nur Nokia kräftig verloren, sondern auch andere große Hersteller wie Samsung, LG Electronics, Sony Ericsson oder Motorola. Die Gewinner sind meist im Westen unbekannte Chinesen, die – zusammengefasst unter der Rubrik „Andere“ – ihren Marktanteil im vergangenen Jahr von 16 auf fast 31 Prozent erhöht haben. Im vierten Quartal hat sich diese Entwicklung noch einmal beschleunigt: Zwischen Oktober und Dezember entfielen auf die Rubrik „Andere“ schon 33,6 Prozent des gesamten Handy-Marktes.

Noch ist der Smartphone-Markt nicht verteilt, da ist schon die nächste große Welle in Bewegung gekommen: Tablet-Computer werden das nächste große Geschäft. Die Spieler sind fast identisch: Apple hat das System erfunden, Google hat das Betriebssystem am schnellsten kopiert und die Hersteller wie Samsung, Motorola oder LG Electronics jagen dem Marktführer Apple nun hinterher. Noch hat Apple gut 80 Prozent des Marktes inne, wird diesen Vorsprung in diesem Jahr aber schnell verlieren. Nur europäische Hersteller spielen in diesem Markt faktisch keine Rolle.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Mit Mazda ein Romeo

Von Wolfgang Peters

Wenn sich zwei leidlich gesunde Automarken, ohne eine Hochzeit im Himmel zu zelebrieren, miteinander ins Bett legen, dann kommt ein Roadster dabei heraus. Alfa Romeo und Mazda haben genau diese Autoform im Sinn. Mehr