Home
http://www.faz.net/-gyc-10e8d
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Neue PC-Tastaturen Für Desktopper und Couch Potatoes

15.09.2008 ·  Die PC-Tastatur verändert sich. Die Bedienung der neuen Tastenfelder kann gewöhnungsbedürftig sein. Früher ein reines Schreibgerät, wird sie nun zur Steuerungszentrale für den Multimedia-Rechner im Wohnzimmer.

Von Raymond Wiseman
Artikel Bilder (3) Lesermeinungen (5)

Tastaturen gibt es - angefangen bei den mitgelieferten Keyboards bis hin zu hochpreisigen Tastenwerken - in mancherlei Variation und Ausführung. Höhe und Stärke des Druckpunkts, Elastizität und Gliederung des Tastenfelds, manches, was einst durch Mechanik vorgegeben oder einfach als Standard definiert war, ist heute variabel und somit Geschmacksfrage. Gerade, dass sich der Tipper aufs Qwertz-Layout verlassen mag, also auf die Tastenanordnung, bei der das „Z“ an sechster Stelle der ersten Buchstabenreihe liegt und das „Y“ dem kleinen Finger der linken Hand gehört. So weit zum Standard, doch daneben präsentieren sich viele Tastaturen mit Zusatztasten für die Mediensteuerung, den Internetzugriff und den Programmstart auf Knopfdruck und über alternative Optionen für die Maussteuerung.

Ein gelungenes Beispiel für die Steuerung mit Fingerspitzengefühl stellt Logitechs Spitzentastatur diNovo Edge da. Die ausgesprochen flache Tastatur hat rechts des numerischen Tastenfelds zwei Touchfelder, über deren Berührung sich Lautstärke und Mausposition steuern lassen. Die runde „Touchdisc“ für die Maus bietet zudem eine sehr angenehme Variation des Bildlaufs: Statt an der Maus das Rad zu drehen, streicht der Finger einfach kreisförmig rund um die Touchdisc. Das Bedienkonzept überzeugt, allerdings verzichtet Logitech zugunsten der Touch-Felder auf einen numerischen Tastenblock, den wir bei der täglichen Arbeit vermissten. Die Lösung wäre einfach: Wären die innovativen Zusatzelemente auf der linken Tastaturseite angeordnet, bliebe einerseits Platz fürs numerische Tastenfeld, und andererseits ließe sich die Touchdisc auf dem Schreibtisch als perfekte Ergänzung parallel zur Maus einsetzen. Wer die Tastatur aber auf dem Schoß hat, wird - zumindest als Rechtshänder - die vorliegende Variante schätzen.

Die Tastatur als Schmuckstück

Die Ausgabe von 200 Euro, die Logitech als Kaufpreis der diNovo Edge veranschlagt, lohnen sich somit nur, wenn keine Maus auf dem Tisch liegen soll, die konsequent auch nicht zum Lieferumfang gehört. Dafür erhält der Käufer dann eine wiederaufladbare Tastatur mit eleganter Ladestation, die das Keyboard ähnlich einem Briefhalter senkrecht stehend aufnimmt. So fügt sie sich denn auch ins moderne Wohnambiente ein. Dass sich die diNovo Edge als Schmuckstück versteht, zeigt sich an feinen Details, wie runden Zoomtasten oder auf- und abdimmenden Symbolen, die bei Verwendung von Touchpad, Lautstärkeregler oder Funktionsumschalter die Elemente orange illuminieren. Leider glänzt die diNovo Edge nicht nur mit niedrigem, doch hochwertigem Tastenhub und präzisem Druckpunkt, sondern auch mit einer empfindlichen schwarzen Acrylglasoberfläche, zu deren Reinigung ein Mikrofasertuch beiliegt: Staub und Fingerabdrücke legen seinen regelmäßigen Gebrauch nahe.

Verbindung zum PC nimmt Logitechs Funktastatur mit Bluetooth auf, allerdings versteht sich der beiliegende USB-Empfänger ausschließlich mit der diNovo Edge, nicht aber mit anderen Bluetooth-Geräten wie Headsets oder Smartphones. Dies hingegen können die Wireless Entertainment Desktops von Microsoft, die ebenfalls mit Bluetooth funken.

Bedienkomfort in zwei Varianten

Microsofts Bluetooth-Kombination aus Tastatur und Maus gibt es in zwei verschiedenen Ausführungen: Der Wireless Entertainment Desktop 8000 erreicht mit 300 Euro schon die Preisklasse günstiger PC-Komplettsysteme. Dafür erhält der Käufer dann wiederaufladbare Tastatur und Maus im Alu-Finish samt passender Ladestation. Wer sich stattdessen mit der Kunststoffvariante begnügt, bereit ist, Batterien einzusetzen, und auf die automatische Beleuchtung des Tastenfelds verzichtet, kommt mit dem Wireless Entertainment Desktop 7000 für 160 Euro zum Zug.

Die Tastenanordnung ist bei beiden Varianten identisch, wenn auch nicht gerade übersichtlich. Eine Fünf-Wege-Navigation integriert bei Microsoft die Maussteuerung in die rechte Seite der Tastatur, so dass sie sich auch für die freihändige Bedienung des Media Centers vom Sofa aus eignet. Auf diese Funktionalität sind auch der Knopf darunter für den Direktstart des Windows Media Centers und linker Hand zahlreiche Media-Tasten ausgerichtet. Die geschwungene Form des Korpus und die Griffmulden an der Unterseite lassen die Tastatur zwar gut in der Hand liegen, doch irritierte, dass die Tasten des leicht gebogenen alphanumerischen Felds unterschiedliche Größen haben, ein numerischer Block fehlt und die Funktionstasten lediglich als Sensorfelder ausgeführt sind.

Eine Funktastatur, die statt mit Bluetooth einfach im 2,4-Gigahertz-Netz funkt, dafür aber in Verarbeitung und Tastenführung überzeugte, fanden wir beim deutschen Hersteller Cherry. In der Evolution-Serie testeten wir den Marlin Smart Desktop, der für 80 Euro samt Maus, nicht aber mit integrierter Maussteuerung ausgeliefert wird. Cherrys Keyboard, ebenfalls superflach, überzeugte durch gute Tastenführung und einen schönen Druckpunkt, klare Gliederung des Tastenfeldes samt abgesetztem numerischen Block und sparsamen Sondertasten für den Direktstart von Anwendungen. Dass die Steuerungen für Lautstärke und Medienwiedergabe in der Mulde hinter der Handauflage angeordnet sind, ist ungewöhnlich, störte aber beim Gebrauch nicht. Allerdings erschien uns die Position der Stand-by-Taste - oben rechts - nicht ganz glücklich, stießen wir sie doch beim Griff zur Maus mitunter an und schickten en passant unseren Rechner in den Schlaf.

Tastenfeld ist gewöhnungsbedürftig

An der gleichen Stelle hat auch die Genius Ergomedia R800 die Schlaftaste, allerdings eingelassen in die Oberfläche, so dass sie nicht versehentlich gedrückt wird. Wie der Beiname „Ergomedia“ schon sagt, hat sich Genius bei der rund 60 Euro teuren 2,4-Gigahertz-Kombination - eine Maus gehört zum Lieferumfang - viele ergonomische Gedanken gemacht. Allerdings ist das geschwungene Tastenfeld mit seinen verschiedenen Tastengrößen ähnlich Microsofts Entertainment Desktop gewöhnungsbedürftig.

Die mittig geteilte Leertaste konnte uns hierbei nicht begeistern. Wer ein üppig mit programmierbaren Sondertasten bestücktes Keyboard sucht, der kann sich bei der R800 austoben und braucht auch nicht auf den Nummernblock zu verzichten. Ergänzt wird die Tastenvielfalt durch Wippschalter für Medien-, Lautstärken- und Dokumentsteuerung. Ein Drehrad, mit dem sich rasch durch Fensterinhalte rollen lässt, ist auf der linken Seite plaziert, kann also als Ergänzung zur Maus am rechten Platz genutzt werden.

Selbstverständlichkeit im Gebrauch zeichnet gute Tastatur aus

Wer noch preiswerter zu einer Funktastatur kommen will, sollte einen Blick auf das Hama Wireless Keyboard 2,4G werfen. Zwar merkt man der Haptik der Tastenführung den ausgesprochen günstigen Preis von 20 Euro an, doch wurden ein numerischer Block integriert und alle Zusatztasten sinnvoll angeordnet. Die Steuerungstasten für Medien sind in die seitlichen Griffwulste integriert, was der Bedienung ohne Auflage entgegenkommt.

Auch wenn wir die universelle Tastaturkombination für Schreib- und Sofatisch nicht gefunden haben, so doch die Erkenntnis, dass es sich durchaus lohnt, im Mittelfeld die Augen offen zu halten. Die Spitzengruppe glänzt zwar in feinem Design, lässt aber im Alltag Wünsche offen. Und im Endeffekt ist es nicht die Vielfalt der Sondertasten und Funktionen, die begeistert, sondern die Selbstverständlichkeit im Gebrauch. So ist die beste Tastatur letztlich die, die beinahe unbemerkt unter unseren Fingern verschwindet, während wir uns auf Arbeit oder Unterhaltung konzentrieren.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Mit Mazda ein Romeo

Von Wolfgang Peters

Wenn sich zwei leidlich gesunde Automarken, ohne eine Hochzeit im Himmel zu zelebrieren, miteinander ins Bett legen, dann kommt ein Roadster dabei heraus. Alfa Romeo und Mazda haben genau diese Autoform im Sinn. Mehr