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Multimedia-Handys Der Foto-Weblog-MP3-Alleskönner

14.08.2006 ·  Moderne Mobiletelefone sind wahre Alleskönner. Wer etwa das Sony Ericsson K800i besitzt, braucht weder eine Digitalkamera, noch einen MP3-Spieler oder einen Kamkorder. Und mit der Blog-Funktion lassen sich die Schnappschüsse direkt ins Netz stellen.

Von Michael Spehr
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Handy, Kamera, Kamkorder oder MP3-Spieler? Das moderne Mobiltelefon wird zum Alleskönner mit ungezählten Talenten. Daß dabei manches Detail auf der Strecke bleibt, zeigt erst der zweite Blick. Da paßt nicht einmal ein vollständiges Musikalbum in den internen Speicher des Geräts, und der Klang von MP3 läßt zu wünschen übrig. Auch der Fotoapparat im Handy war bislang eher schnappschußtauglich und keine Alternative zur eigenen Kamera, wenn es um das Festhalten schöner Momente ging.

Nun ist das anders. Mit dem Sony Ericsson K800i gelingen Fotos in einer Auflösung von bis zu 3,2 Megapixel, die für den privaten Bedarf vollkommen ausreichend sind. Das K800i für rund 400 Euro ohne Kartenvertrag ist die Weiterentwicklung des K750i, das bereits verflixt gute Bilder schoß. Jetzt haben die Leute von Sony Ericsson die Auflösung erhöht, die Optik und den Autofokus verbessert, ihm ein Hilfslicht für dunkle Umgebung spendiert, viele Motivprogramme dazugepackt, ferner einen halbwegs brauchbaren Blitz und etliche Details eingebaut, die man sonst nur bei "richtigen" Kameras findet. Etwa einen Selbstauslöser, die Einstellung des Weißabgleichs, einen Makromodus und zwei Meßmethoden für die Belichtung.

Manuelle Vorgabe von Blende und Belichtungszeit fehlt

Was man vergeblich sucht, ist die manuelle Vorgabe von Blende und Belichtungszeit sowie ISO-Empfindlichkeit. Aber das können viele Digitalos aus der Einsteigerklasse auch nicht. Die Bildqualität ist nicht nur bei Außenaufnahmen gut. In geschlossenen Räumen bekommt man ebenfalls ordentliche Resultate, sogar ohne Blitz, wenn man den Nachtmodus aktiviert. Für sich bewegende Motive gibt es eine Best-Pic-Funktion, die neun Aufnahmen in Serie schießt, die beste läßt sich speichern. Das alles überzeugt.

Kleiner Wermutstropfen: Der Autofokus ist langsam, auch das Speichern eines Fotos erfolgt gemächlicher als mit einer handelsüblichen Digitalkamera. Weiterhin muß man eine Speicherkarte dazukaufen, und man hat sich dafür wieder einmal ein ganz neues Format ausgedacht, das nun Memorystick Micro heißt. Karten sind derzeit bis maximal 1 Gigabyte für rund 70 Euro erhältlich.

Verknüpfung von Mobilfunk und Fotofunktion

Fotohandy bedeutet nicht nur, daß man sich den Kauf einer einfachen Digitalkamera sparen kann und immer einen Fotoapparat dabeihat. Aus der Verknüpfung mit dem Mobilfunk entstehen ganz neue Perspektiven, vor allem hinsichtlich des mobilen Bloggens. Weblogger stellen ihre Texte ins Internet, und mit der Blog-Funktion des K800i landen noch während der Party die besten Fotos im Netz. Dazu werden die Aufnahmen klein gerechnet (bleiben aber in ursprünglicher Auflösung im Gerät erhalten) und via GSM oder UMTS versandt. Selbst im GSM-Netz dauert das nur ein paar Sekunden. Man kann mit der Tastatur kurze Texte zusätzlich verfassen, und das alles klappt prima, macht süchtig.

Auch hier gibt es jedoch einen Haken: Das Blog muß bei blogger.com liegen, einer Tochter von Google, oder bei einem der Netzbetreiber. Es lassen sich keine anderen Blogs auswählen. Wählt man das Blog an, zeigen sich die Fotos in einer heruntergerechneten Auflösung von 300 x 225 Pixel, ein Klick darauf vergrößert die Anzeige auf 800 x 600 Pixel mit einer typischen Dateigröße von 100 Kilobyte.

Bewährte Tradition des K750i

Was die übrige Handy-Ausstattung betrifft, folgt das K800i der bewährten Tradition des K750i: Es ist vollständig ausgestattet, mit E-Mail-Software, Internet-Browser, Bluetooth und MP3-Wiedergabe. Musik wird über das mitgelieferte Headset in fantastischer Qualität abgespielt. Dank UMTS gelingt der Abruf neuer Nachrichten etwas schneller. Wer ein E-Mail-Konto mit Imap hat (etwa bei AOL), kann das Gerät so einrichten, daß neue Nachrichten automatisch im Handy landen. Was noch fehlt, sind ein Leseprogramm für Word- oder Excel-Dateien, eine Sprachwahl ohne vorheriges Anlernen und ein W-Lan-Modul. Neu dazugekommen ist ein RSS-Reader, der unterwegs das Lesen von Schlagzeilen oder Weblogs erleichtert.

Wer das Vorgängermodell kennt, kommt mit der Bedienung schnell zurecht, und das Display mit einer Auflösung von 240 x 320 Pixel begeistert. Daß das Neue nun etwas größer (105 x 47 x 22 Millimeter) und schwerer geworden ist (115 Gramm), sind kleine Zugeständnisse an den technischen Fortschritt. Auch muß man sich daran gewöhnen, daß der Akku bei intensiver Nutzung schon nach zwei, drei Tagen erschöpft ist. Aber alles in allem ist das K800i ein Meilenstein bei den Fotohandys. Kein anderes Gerät liefert so gute Bilder und ist im Alltagsgebrauch so ausgereift und zuverlässig.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 13.08.2006, Nr. 32 / Seite V12
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