11.03.2006 · „Prosumer“ heißt eine neue Gruppe von Nutzern, die berufliche (“professionals“) und private (“consumers“) Ansprüche an Multimedia-Produkte stellt. Integrierte Dienste versuchen dem zunehmend gerecht zu werden.
Von Andy WilliamsSie steht vor der Tür, die konvergente Welt der Netze, und mit ihr eine Revolution in der Telekommunikation. Service Provider suchen neue Dienste, die auf die Lebensstile ihrer Kunden zugeschnitten, also personalisiert sind. Diese sollen jederzeit, auf jede Weise und mit jeder gewünschten Person kommunizieren können - und zwar unabhängig vom verwendeten Endgerät. Von solchen Angeboten versprechen sich Service Provider höhere Umsätze und ein schärferes Profil.
Tatsächlich wächst das Interesse an diesen neuen Diensten, da immer mehr Menschen ihre Arbeit zu Hause, in anderen Büros als an ihrem Dienstsitz oder von unterwegs erledigen. Die Grenze zwischen beruflichen und privaten Verbrauchern fällt. Anwender, die beides sind - private („consumers“) und berufliche Nutzer („professionals“) - werden als „Prosumer“ bezeichnet. Sie erwarten von der modernen Kommunikationstechnik die Integration von Sprache, Datenaustausch, Video- und Multimedia-Anwendungen über verschiedenste Endgeräte hinweg.
Konferenz am Mittag, Fußball am Abend
Was sind nun integrierte, personalisierte Dienste? Einige Charakteristika zeichnen sie aus: Unterschiedliche Anwendungen nutzen gemeinsam ein Telefon- und Adreßverzeichnis; verschiedene Anwendungen nutzen auch dieselben Präsenz-, Verfügbarkeits- und Standortdaten sowie im Netz hinterlegte Regeln. Laufende Sitzungen, beispielsweise Telefonkonferenzen, können durch Videokommunikation oder Instant Messaging erweitert werden. Der Kunde identifiziert sich nur einmal im Netz und erhält eine Rechnung für alle Dienste. Alle Daten sind im Netz sicher hinterlegt. Die Dienste werden für den jeweiligen Kunden angepaßt - also personalisiert - und für das jeweils verfügbare Endgerät optimiert. Für alle „Prosumer“, die auch außerhalb der Arbeitszeit und des Büros professionelle Kommunikationsmöglichkeiten nutzen wollen, sind personalisierte Lifestyle-Dienste die Lösung.
Beispielsweise möchten sie geschäftliche Telefonanrufe auch im Home Office annehmen können. Dabei sollen sich geschäftliche von privaten Gesprächen durch unterschiedliche Klingeltöne unterscheiden. Am besten sollten diese Gespräche verschieden bearbeitet werden können, beispielsweise durch die Weiterleitung von geschäftlichen Anrufen zu bestimmten Tageszeiten auf eine Mailbox. Gleichzeitig könnte der Zugriff auf Präsenzinformationen über Instant Messaging während der Arbeitszeit ausschließlich Kollegen ermöglicht werden. Nach Feierabend wiederum sollten diese Informationen nur Freunden und Familienangehörigen zur Verfügung stehen. Weiterhin wollen „Prosumer“ vielleicht die neuesten Sportergebnisse abfragen und nach Feierabend per Streaming-Videoclip das Match des Tages anschauen. Aber diese Informationen wollen sie keinesfalls während einer geschäftlichen Besprechung erhalten. All dies ermöglichen neue Dienste mit einer leistungsfähigen Netz-Infrastruktur im Hintergrund.
Dienste bieten personalisierte Servicepakete an
Unternehmen profitieren von den neuen Diensten durch eine höhere Produktivität. Denn damit lassen sich Außendienstmitarbeiter in unmittelbarer Nähe eines Notfalls lokalisieren und schnell erreichen und koordinieren. Die Folge: Der Kundendienst ist schneller vor Ort, die Kundenzufriedenheit steigt. Auch Privatanwender nutzen mit den Diensten der Zukunft ihre Zeit effizienter, indem sie Personen, Veranstaltungen und interessante Orte schnell und einfach auffinden. Die Frage, wo sich Familienmitglieder während des Tages gerade aufhalten, ist schnell beantwortet, und Freunde können untereinander einfach Kontakt halten.
Um den Bedürfnissen des wachsenden „Prosumer“-Segments sowie der traditionellen Segmente der Privat- und Firmenkunden nachzukommen, müssen sich viele einzelne Dienste zu einem neuen, personalisierten Servicepaket kombinieren lassen. Dafür brauchen Service Provider einen technologischen Schlüssel: IMS (IP Multimedia Subsystem). Mit IMS als Dienstplattform lassen sich beispielsweise bestehende Dienste wie Instant Messaging mit neuen Funktionen kombinieren und neue Dienstangebote ermöglichen. Möglich sind dann zum Beispiel Videokonferenzen mit mobilen Teilnehmern, die abhängig von ihrem Aufenthaltsort und ihrer Verfügbarkeit zugeschaltet werden. Gemeinsames Websurfen während eines Telefonats ist ein anderes Beispiel. Dafür interagieren verschiedene Komponenten miteinander und nutzen gemeinsame Informationen wie Teilnehmerprofile, Präsenz- und Standortdaten oder „Buddy“-Listen.
Software wahrt Privatsphäre
Lucent arbeitet ständig an der Weiterentwicklung des bestehenden IMS-Standards. Zahlreiche Innovationen aus den Bell Labs sind in Lucents Lösung eingeflossen. Dazu zählen das „Active PhoneBook“, ein einheitliches elektronisches Adreßverzeichnis für alle Netze, und der „iLocator“, ein personalisierter Standortdienst. Außerdem entwickeln die Bell Labs Software für die Wahrung der Privatsphäre: Präsenz- und Standortinformationen werden anderen Personen zum Beispiel nur dann angezeigt, wenn der Teilnehmer dies erlaubt - den dazu berechtigten Personenkreis definiert er selbst. „Prosumer“-Dienste werden nicht lange auf dieses Kundensegment begrenzt bleiben. Wie bei vielen Trends wird auch nach ihnen schon bald eine allgemeine Nachfrage einsetzen. Aufgabe der Netzbetreiber ist es, rechtzeitig die technologischen Voraussetzungen für neue Wege in der Kommunikation zu schaffen.