23.06.2009 · Es kommt nicht nur auf die Rechenleistung an: MSI kommt mit dem Fliegengewicht X340. Das elegante Gerät nimmt nur die Fläche eines DIN-A4-Blatts ein, bleibt mit 1,3 Kilogramm angenehm leicht und bietet trotzdem eine hohe Display-Auflösung.
Von Michael SpehrDer Erfolg der kleinen Netbooks wirbelt den gesamten PC-Markt durcheinander. Das kuriose Ergebnis: Es kommt nicht mehr auf die Rechenleistung an, sondern auf die besonders kompakten Maße und das geringe Gewicht. Windows XP erlebt einen zweiten Frühling des Alters, und darüber ist Microsoft überhaupt nicht glücklich. So schnuckelig die Netbooks in der Preisklasse von rund 400 Euro auch sein mögen: Ihre geringe Bildschirmauflösung von meist 1024 × 600 Pixel ist im Alltagseinsatz ein gravierender Nachteil. Man sieht beim Bearbeiten der E-Mail oder Surfen im Internet viel zu wenig.
So wundert es kaum, dass nun die Hersteller darangehen, den klassischen Netbook etwas größer zu machen, und dabei kommt dann so etwas wie eine Kopie des Mac Book Air von Apple heraus: Der X340 von MSI ist flach wie eine Flunder, und zur Vorderseite hin verjüngt sich das Chassis. Das elegante Gerät nimmt nur die Fläche eines DIN-A4-Blatts ein (26 × 18 × 2 Zentimeter), bleibt mit 1,3 Kilogramm angenehm leicht und bietet trotzdem eine Display-Auflösung von 1366 × 768 Pixel.
Störende Reflexionen bei normaler Bürobeleuchtung
Damit lässt sich sehr ordentlich arbeiten, obwohl man bei dieser Gelegenheit durchaus die Frage stellen darf, warum die Bildschirme – wie bei den Navi-Systemen – stets in die Breite wachsen und nicht in die Höhe. Denn die Informationen im Internet, in der E-Mail oder auf einer Word-Seite fließen ja nach unten und nicht nach rechts. Konsultiert man dazu einen Marketing-Manager, kommt die kuriose Antwort, man orientiere sich eben am aktuellen und modernen Breitbild-Format der Fernsehgeräte. Auch für das extrem spiegelnde Display des MSI X340 gibt es keine nachvollziehbare Begründung, und man kann nur hoffen, dass diese Marotte möglichst rasch ein Ende findet. Schon bei normaler Bürobeleuchtung sieht man störende Reflexionen. Helle Hemden sind überhaupt nicht angesagt, Fenster im Rücken des Benutzers der reine Horror, und die Klavierlack-Optik rund um die Anzeige stört und spiegelt zusätzlich.
Ungeachtet der kompakten Maße sind die wichtigsten Schnittstellen an Bord: zweimal USB, einmal Ethernet, ein SD-Speicherkarten-Leser, ein analoger Monitorausgang und als hübsches Extra sogar ein HDMI-Ausgang für digitale Bildschirme. Wireless-Lan und Bluetooth sind vorhanden, eine Modellvariante des X340 ist sogar mit einem UMTS-Modul lieferbar. Ein optisches Laufwerk ist wie bei allen Netbooks nicht eingebaut. Schade eigentlich, denn die integrierte Grafikkarte von Intel (GMA 4500) erlaubt die Wiedergabe von HD-Filmen über die HDMI-Schnittstelle, ist aber für aktuelle Spiele zu langsam.
Der Lüfter ist ein zweiter Minuspunkt
Der X340 kommt mit einer Kunststoffeinfassung in mittelmäßiger Verarbeitungsqualität. Die Tastatur entspricht in der Größe nahezu dem, was man am Desktop-PC vorfindet, sie erlaubt flinke Eingaben, federt jedoch beim Betätigen der Tasten stark und wirkt zu schwammig. Neben dem Spiegeldisplay ist der Lüfter ein zweiter Minuspunkt. Er setzt laut rauschend sofort nach dem Hochfahren ein, und man fragt sich, was da eigentlich ständig gekühlt werden muss. Denn der verwendete Einkern-Prozessor Intel Core 2 Solo SU 3500 mit 1,4 Gigahertz ist nur ein bisschen schneller als die üblicherweise bei Netbooks eingesetzten Atom-Modelle, die wiederum kaum Lüftung benötigen.
Mit zwei Gigabyte Arbeitsspeicher (maximale Bestückung) und einer 320-Gigabyte-Festplatte ausgerüstet kommt der X340 mit Windows Vista ins Haus, und das ist natürlich angesichts der bescheidenen Rechenleistung wenig sinnvoll. Wer dieses Gerät jetzt kauft, sollte darauf achten, dass er eine Update-Option für Windows 7 bekommt. Das neue Windows wird im Oktober ausgeliefert und läuft auf schwächeren Rechnern deutlich besser.
Im Akku dann ein weiterer Malus
Vista hat hier jedenfalls keinen Sinn, wir spielten letztlich Linux auf und waren dann mit dem Arbeitstempo überaus zufrieden. Im mobilen Einsatz, und dafür ist ja ein besonders kleiner und leichter Laptop in erster Linie gedacht, zeigt sich dann ein weiterer Malus: Der Vier-Zellen-Akku des MSI hält selbst bei moderater Beanspruchung kaum zwei Stunden durch. Zum Vergleich: Bei den Samsung-Netbooks NC 10 und NC 20 (F.A.Z. vom 1. März) kamen wir auf fünf bis sechs Stunden, der Mac Book Air liegt bei vier bis fünf Stunden.
Alles in allem bleiben also einige klare Vorzüge, nämlich schlankes Gehäuse, großes Display und geringes Gewicht. Mit einem Preis von 700 bis 900 Euro, je nach Modellvariante und Händler, ist der MSI nur halb so teuer wie das Design-Vorbild Mac Book Air. Aber hinsichtlich Verarbeitungsqualität, Rechenleistung, Tastatur, Spiegeldisplay und Akku-Laufzeit muss man doch einige Kompromisse eingehen.