08.12.2006 · Sie sind schick, schlank und flimmerfrei: Flachbildschirme haben den Röhrenmonitor längst abgelöst. Und sie werden immer billiger und besser. Dennoch lohnt es sich, 15 Monitormodelle im Test miteinander zu vergleichen.
Stiftung Warentest hat 15 Flachbildschirme mit 19 Zoll, also 48 Zentimeter Bildschirmdiagonale, getestet. Die ausgewählten Modelle kosten zwischen 199 und 335 Euro. In ihrer Untersuchung haben die Verbraucherschützer darauf geachtet: Welches Modell ist schnell genug für Spiele? Auf welchem Monitor kommen die Farben natürlich und hell? Sind breite Bildschirme besser? Und welches Display ist auch von der Seite gut lesbar?
Ein guter Bildschirm muß schnell reagieren, gleichmäßig helle Bilder liefern und auch von der Seite noch gut lesbar sein. Testsieger ist der Scaleoview H19-1 von Fujitsu Siemens. Er baut das Bild besonders schnell auf. Reaktionszeit im Test: nur 4 Millisekunden. Erste Wahl für Video- und Spielefans. Auch im Sehtest ist der Scaleoview oben auf. Er liefert klare, gleichmäßig helle Bilder und ist auch von der Seite gut lesbar. Die Experten der Stiftung Warentest vergaben durchweg gute Noten. Testurteil insgesamt: gut, Note 2,0. Mit Abstand vorn.
In der Werbung vier Mal schneller
Ebenfalls gut sind die geprüften Bildschirme von Dell, Medion und Philips. Bemerkenswert: der Medion MD 30919 kostet nur 199 Euro. Kauftip für Sparfüchse. Leider ist dieser Monitor inzwischen wohl nicht mehr im Handel. Auch der Medion MD 32119 - ein identischer Bildschirm - war nur für kurze Zeit erhältlich. Beim Bildaufbau sind die Modelle von Dell, Medion und Philips allerdings langsamer als der Testsieger von Siemens. Reaktionszeit bis zu 9 Millisekunden. Am schnellsten ist noch der Philips mit 6 Millisekunden. Das reicht zur Not auch für schnelle Spiele. Reaktionszeiten über 10 Millisekunden sind für Spieler dagegen ein Grauen.
Schnelle Bewegungen ziehen auf langsamen Bildschirmen oft sichtbare Schlieren. Besonders kritisch sind der Benq FP92E und der Samsung SyncMaster 940BW. Der BenQ braucht im Test 32 Millisekunden für einen Bildwechsel von schwarz auf weiß und zurück. Der Anbieter nennt nur 8 Millisekunden. Zwischen Anspruch und Wirklichkeit liegt hier der Faktor vier. Noch extremer wird's beim Samsung SyncMaster. Samsung nennt eine Reaktionszeit von nur 4 Millisekunden. Tatsächlich braucht der Bildschirm 27 Millisekunden für einen anspruchsvollen Bildwechsel.
Keine verbindliche Norm
Hintergrund des Zahlenwirrwarrs: Er gibt keine verbindliche Norm. Die Reaktionszeit lässt sich für verschiedene Schaltvorgänge ermitteln. Auch für den Farbwechsel von grau auf grau. Die Anbieter nennen gern den schnellsten Wert, den sie messen können. Die Stiftung Warentest prüft dagegen alle wichtigen Schaltvorgänge von weiß auf schwarz und grau auf grau. Ein Sehtest komplettiert die Messwerte. Maßstab für den Vergleich ist der Wechsel von schwarz-weiß-schwarz. Auch die bisher übliche ISO-Norm 13406-2 sieht diesen Test vor. Solange es keine verbindliche Norm gibt, ist Vorsicht angebracht. Spielefreaks sind gut beraten, wenn sie den Bildschirm im Laden testen und nicht blind auf die Werte der Anbieter vertrauen.
Ähnliches gilt für breite Bildschirme im 16:10-Format. In der Werbung werden sie oft dick aufgemacht. Als Multimedia-Erlebnis im Zukunftsformat. Zwiespältig. Kein Wort davon, daß die breiten Bildschirme weniger Bildinhalt zeigen. Die Darstellungsfläche ist etwa acht Prozent kleiner als beim Standardmonitor. Probleme gibt das mitunter bei kleinen Schriften. Für die meisten Anwendungen ist das klassische 5:4-Format die bessere Wahl. Perfekt sind die Breitbildschirme dagegen für Videos und Spiele im 16:10-Format. Schriftsteller und Bücherwürmer lieben wiederum Bildschirme, die ganze Textseiten zeigen. Ideal für sie: der Dell 1907FP. Er lässt sich hochkant drehen und zeigt so DIN A4-Seiten im Originalformat. Gute Idee.
Tips für den Monitorkauf
Anschluß. Verbinden Sie den Bildschirm am besten via DVI mit Ihrem Rechner. Die digitale Verbindung (Digital Visual Interface) liefert automatisch gute Bilder. Ist am Rechner kein DVI-Anschluß vorhanden, hilft die analoge Verbindung über VGA. Stellen Sie den Bildschirm dann über das Auto-Setup ein, damit Sie optimale Bilder bekommen. Gut, wenn der Bildschirm beide Eingänge hat. Beim Anschluß über die DVI-I-Buchse akzeptiert der Monitor sowohl analoge als auch digitale Signale.
Reflexionen. Glänzende Bildschirme sind unpraktisch. Sie wirken zwar edel, spiegeln aber. Auf dunkleren Bildschirmseiten sieht sich der Betrachter selbst. Das kann extrem nerven. Wählen Sie besser einen Bildschirm mit matter Frontscheibe. Die Modelle im Test sind alle matt. Sie spiegeln nicht.
Helligkeit. Klare Bilder gibt's, wenn der Bildschirm hell und gleichmäßig leuchtet. Die Anbieter nennen die maximale Helligkeit in Candela pro Quadratmeter. Oft mit Traumwerten. Die werden unter extremen Bedingungen gemessen. Die Zahlenprotzerei ist allerdings übertrieben. Ein Bildschirm ist keine Schreibtischbeleuchtung. Monitore, die besonders grell leuchten, stören sogar. Kontrollieren Sie selbst: Ist das Bild gleichmäßig hell - in der Mitte und an den Rändern? Ist ein weißer Bildschirm richtig weiß und ein schwarzer richtig schwarz oder wirkt das Bild eher grau?
Kontrast. Auch hier lassen die Anbieter ihre Muskeln spielen. Sie nennen Kontrastwerte von 500 bis 1000 zu 1. Dahinter steht das Verhältnis vom besten Weißwert zum besten Schwarzwert. Meßbar ist das sogar. Hilft aber wenig. Das maximale Kontrastverhältnis spielt im Alltag kaum eine Rolle. Wichtig ist der Kontrast bei optimaler Einstellung des Monitors. Probieren Sie den Bildschirm also aus und lassen Sie sich nicht von Zahlen blenden.
Reaktionszeit. Wichtig für Spiele und schnelle Videos. Der Bildschirm muß das Bild blitzschnell aufbauen. Auch schnelle Bewegungen dürfen keine Schlieren ziehen. Wählen Sie einen Monitor mit extrem kurzer Reaktionszeit, wenn Sie gerne spielen. Faustregel: 5 bis 6 Millisekunden oder weniger. Auf die Angaben des Anbieters ist leider kein Verlaß. Probieren Sie besser ein Computerspiel im Laden.
Blickwinkel. Die besten Bilder zeigen Flachbildschirme von vorn. Schauen Sie den Bildschirm im Laden auch von der Seite und von oben und unten an. Verändern sich die Farben? Können Sie Bilder und Texte noch gut erkennen? Wählen Sie einen Monitor mit großem Betrachtungswinkel, wenn Sie oft gemeinsam mit anderen vor dem Bildschirm sitzen.
Auflösung. Die Anzahl der Bildpunkte in horizontaler und vertikaler Richtung. Je mehr Bildpunkte, desto detailreicher das Bild. Die optimale Auflösung für einen 19-Zoll-Bildschirm beträgt 1.280 x 1.024 Punkte im Standardformat (5:4) und 1.440 x 900 im Breitbildformat (16:10). Die Auflösung läßt sich zwar unter Windows ändern: Start/Systemsteuerung/Anzeige/Einstellungen. Im Allgemeinen gilt jedoch: Die Standardauflösung ist erste Wahl. Ändern Sie statt dessen besser die Größe der Schriftarten, wenn Ihnen die Menüs am Bildschirm zu klein erscheinen. Wählen Sie dazu die Option „Große Schriftarten“ oder „Sehr große Schriftarten“ unter Start/Systemsteuerung/Anzeige/Darstellung.
Bildfehler. Bildfehler sind tote Punkte auf dem Bildschirm, die nicht mehr angesteuert werden. Sie erscheinen als kleine schwarze Punkte auf weißem Schirm. Fehlerhaft sind auch Bildpunkte, die dauernd leuchten. Sie erscheinen als weiße oder farbige Punkte bei dunklem Schirm. Vor wenigen Jahren waren solche Bildfehler ein ernstes Problem. Vor allem bei billigen Bildschirmen. Heute sind Bildfehler kaum noch ein Thema. Die Anbieter prüfen die Geräte über 24 Stunden und mustern fehlerhafte Bildschirme aus. Wenn Sie ganz sichergehen wollen, testen Sie den Bildschirm vor dem Kauf.
Ergonomie. Stellen Sie den Monitor so auf, daß Sie direkt draufschauen können. Die Oberkante des Monitors gehört etwa auf Augenhöhe. Sie sollten beim Blick auf den Bildschirm leicht nach unten sehen. Abstand zwischen Auge und Monitor etwa 60 bis 90 Zentimeter. Schalten Sie den Bildschirm nicht zu hell.
Plädoyer für die Röhre
Nathalie Neumann (NathiNeu)
- 11.12.2006, 11:51 Uhr