19.03.2010 · Der Werbeflyer „Mobiles Internet mit Aldi“ zeigt eine fröhliche Familie vor ihrem Netbook und groß die Preise für die Flatrates. Sehr klein hingegen werden die Leistungen beschrieben. Und dort warten einige Überraschungen.
Von Hans-Heinrich PardeyDieser Bericht kann leider keine Kaufempfehlung sein. Nicht etwa, weil die Offerte „Mobiles Internet“ von Aldi Süd rundweg abzulehnen wäre, sondern weil der in den Filialen des Discounters angebotene Zehn-Zoll-Netbook Medion Akoya E1222 wie gewöhnlich längst ausverkauft ist. Aber das soll nicht hindern, ein Ensemble aus diesem Computerchen, dem Medion Mobile UMTS-Stick und der dazu gehörenden Prepaid-SIM-Karte von Aldi Talk / Medion Mobile (worunter E-Plus als Provider zu verstehen ist) näher in Augenschein zu nehmen.
Zunächst das, was Aldi-Kunden vorrangig interessiert - der Preis: 299 Euro hat der Netbook gekostet, der so oder so ähnlich auch wieder mal ins Angebot kommen dürfte. 49,99 Euro kostet der UMTS-Stick, der mit jedem Note- und Netbook arbeitet, und 12,99 Euro sind für das „Aldi-Talk Starter-Set“, die Prepaid-Karte zu berappen, wovon 10 Euro Erstguthaben werden. Stick und SIM-Karte gibt es nach wie vor an der Kasse der Filiale.
Die nächste Frage: Ist solch ein Netbook eine besonders preisgünstige Möglichkeit, dem Enkelchen einen Rechner zu verschaffen, auf dem er seine Schlachten mit „World of Warcraft“ schlagen kann? Antwort: Freilich nicht, dafür taugt der mit „Windows 7 Starter“ und Office-Anwendungen genug beschäftigte Intel Atom N450 (1,66 Gigahertz, integrierter Grafikchip) wirklich nicht. Ein Netbook mit diesem Prozessor, nur einem Gigabyte RAM und einer 250-GB-Festplatte ist aktuell einfach die notdürftigste Windows-PC-Ausstattung für unterwegs in besonders handlichem Format - und im Falle des Aldi-Rechnerchens in einem durchaus ansprechenden Outfit. Die Tastatur ist positiv hervorzuheben, das Display spiegelt genauso wie bei Netbooks mit 2 GB RAM für 100 Euro mehr. Entschlossene Schrauber mit Interesse an einer RAM-Aufrüstung finden einen E1222-Striptease bei ndevil.com im Netz. Die Operation am offenen Herzen des Netbook macht dem Benutzer klar, wieso das Gehäuse so unangenehm warm wird.
Auf die Geschwindigkeit kommt es an
Der Werbeflyer „Mobiles Internet mit Aldi“ zeigt eine fröhliche Familie vor ihrem Netbook und groß die Preise für die Flatrates (24 Stunden 1,99 Euro und 30 Tage 14,99 Euro). Auf den Seiten 2, 3 und 4 enthält das Werbeblatt dann so viel mit Fußnoten gespicktes Leistungsbeschreibendes, genauer gesagt Leistungen Präzisierendes und nicht selten dabei deutlich Einschränkendes im Kleinstdruck, dass es in einer jedem Rentner zugänglichen Schriftgröße kaum auf dieser Zeitungsseite abzudrucken wäre.
Internet ist ja nicht Internet, auf die Geschwindigkeit kommt es an. Schnell hieße UMTS mit HSDPA wie High Speed Downlink - wenn E-Plus mit dem Ausbau nur schneller vorankäme. EDGE wie Enhanced Data Rates for GSM ist nervtötend schleppend. Was auf uns zukam, haben wir einer Übersichtskarte der Netzversorgung von Medion Mobile auch bei starker Vergrößerung nicht entnehmen können. Ein blaues Licht statt grün wie EDGE am funkenden Stick sagt einfach: Glück gehabt, wir surfen mit UMTS.
Antwort: „No response“
Wie eine gebuchte Flatrate ausgebremst wird, liest sich im Kleingedruckten so: Ab einem Datenvolumen von 1 GB je 24 Stunden (oder 5 GB je Kalendermonat) „steht GPRS-Bandbreite (maximal 56 Kilobit je Sekunde) zur Verfügung.“ Wie es mit dem „Verbindungsassistent“ gelang, überhaupt eine Flatrate zu buchen, bleibt schleierhaft: Die diese Buchung bestätigende SMS traf nie ein. Guthabenabfragen beantwortet unser neuer Lieblingsfeind lakonisch mit „No response“.
Richtig ärgerlich wird es, wenn eine Aufladung schiefgeht, weil mittendrin die schwache Verbindung zusammenbricht. Dann bekommt man es mit der „Persönlichen Kundenbetreuung von Aldi Talk mit Medion Mobile“ zu tun - Vertröstungen und falsche Auskünfte aus einem gelangweilten Callcenter vom Allerfeinsten. „72 Stunden Bearbeitungszeit“ dehnten sich zu einem vagen „in den nächsten Tagen“.