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„Mobile Navigator“ von Navigon So wird das iPhone zum Kopiloten

09.10.2009 ·  Der „Mobile Navigator“ von Navigon aus Apples App-Store macht aus dem iPhone einen Kopiloten im Großstadtdschungel. Aber kleine Mängel des Apple-Handys machen der tollen Software zu schaffen.

Von Michael Spehr
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Fahrzeugnavigation mit dem Handy ist im Kommen. Warum ein teures Nachrüst-Navi kaufen, wenn das Mobiltelefon ohnehin einen GPS-Empfänger eingebaut hat? Fast alle Oberklasse-Geräte bringen dieses winzige Modul heutzutage mit. Nur hapert es an verlässlicher Software, der Empfindlichkeit des GPS-Moduls für den Einsatz im Straßenverkehr und an der Stromversorgung. Der Kontakt mit den Satelliten saugt jeden Handy-Akku in wenigen Stunden leer, zumal, wenn das Display durchgehend eingeschaltet bleibt. Ältere Empfänger bieten zwar eine verlässliche Ortung in wenigen Minuten, was für die Wanderung ausreicht. Aber beim Einsatz im Auto mit höheren Geschwindigkeiten, schnellen Richtungswechseln und im Schatten des Fahrzeugdachs zeigen sich dann GPS-Ausfälle mit kuriosen Folgen: etwa ein „Bitte wenden“ auf der Autobahn. So waren wir gespannt, wie sich das erste Navi-System für das iPhone im Praxiseinsatz bewährt, es ist die Software der Hamburger Nachrüst-Spezialisten Navigon.

Den „Mobile Navigator“ findet man im „App Store“ von Apple. Als wir ihn im vergangenen Monat kauften, bekamen wir die kleine Variante in der Version 1.2 mit dem Kartenmaterial für Deutschland, Österreich und die Schweiz für 50 Euro, die größere mit Karten für ganz Europa kostete 100 Euro. Letzteres ist ein sehr üppiges Paket, das 1,8 Gigabyte verschlingt und beim Laden selbst an einem sehr schnellen DSL-Anschluss die Geduld strapaziert. Da das iPhone zum Leidwesen seiner stolzen Besitzer keinen Speicherkarten-Leser hat, kommt man um diese Strapaze nicht herum. Wir wählten deshalb das kleinere Paket mit 500 Megabyte.

Reine „Onboard“-Navigation

Der Mobile Navigator arbeitet als reine „Onboard“-Navigation, sämtliches Kartenmaterial ist an Bord des Handys, während ein „Offboard“-System die erforderlichen Daten mit einer Mobilfunkverbindung für jede Route von einem Server abruft. Beide Systeme haben Vor- und Nachteile: Onboard deckt mit dem Kauf alle Kosten ab, beim Verlassen der geplanten Route wird ohne Zeitverzug eine neue Strecke gewählt, und bei der Navigation im Ausland fallen keine zusätzlichen Roaminggebühren an. Offboard bietet meist frischeres Kartenmaterial, es kann ja tagesaktuell auf dem Server aktualisiert werden, und der Handy-Speicher bleibt frei.

Nach dem Laden des Mobile Navigator ist das System sofort einsatzbereit. Die Software wird wie jedes andere Apple-Programm mit großen Schaltflächen und der Bildschirm-Tastatur gesteuert. Das alles ist kinderleicht, man kommt sofort zurecht. Eine automatische Buchstabenausblendung fehlt, aber man kann neben der Hausnummer auch Kreuzungen eingeben, und es gibt eine Sonderzielsuche mit vielen Kategorien (in einem Ort, im ganzen Land, in der Nähe). In der unteren Menüleiste lassen sich Ziele als Favoriten ablegen oder Adressen aus der Kontaktverwaltung übernehmen (was nicht immer klappt). In den Optionen bietet der Mobile Navigator ein auf das Wesentliche reduziertes Menü, nämlich die Wahl zwischen der zwei- oder dreidimensionalen Kartendarstellung, vier Routenkriterien (schnell, optimal, kurz, schön), die Parameter für die Warnungen bei Überschreitung des Tempolimits (frei programmierbar, etwa außerorts bei 20 km/h über dem Limit) und die Einstellungen für Hinweise auf unfallträchtige Gefahrenstellen.

Genauso schnell wie bei einem Nachrüst-Navi

Die Routenberechnung ist genauso schnell wie bei einem Nachrüst-Navi. Nach wenigen Sekunden legt der Kopilot los, und was auf dem Display geboten wird, ist begeisternd: Man sieht genau das, was auch die großen Nachrüst-Systeme von Navigon zeigen, die Darstellung ist klar, präzise, und im Wirrwarr der fremden Großstadt findet man sich gut zurecht. Weder fehlen die eingeblendeten Tempo-Hinweise noch die Fahrspurassistenten, und kleine Pfeile unten links weisen dezent auf das nächste Abbiegemanöver hin. Ferner sind Sonderziele in der Umgebung eingeblendet und Angaben zur verbleibenden Strecke sowie die errechnete Ankunftszeit. Es fehlt im Vergleich mit den Nachrüst-Kopiloten allein der kleine Balken, der die Annäherung an einen Abbiegepunkt visualisiert. Wird das iPhone im Querformat in einer Halterung befestigt, bietet es eine breite und sehr übersichtliche Panoramadarstellung.

Die akustischen Ansagen kommen punktgenau. So geht man hier kaum Kompromisse ein, zumal der Bildschirm mancher günstiger Nachrüst-Navis auch nicht viel größer ist. Stets merkt man: In dieser Software steckt das geballte Knowhow des führenden Anbieters, alles ist durchdacht und darauf ausgerichtet, dass man mit möglichst wenig Ablenkung sicher zum Ziel kommt. Und die Musikabteilung des iPhone lässt sich bei laufender Routenführung mit einem Fingerstreich ebenfalls en passant aufrufen.

Kein echtes Multitasking

Aber einige Nachteile wiegen schwer. Da das iPhone kein echtes Multitasking beherrscht, pausiert die Navigation bei einem eingehenden oder abgehenden Anruf. In dieser Zeit wird das Telefonmenü auf dem Display angezeigt. Das liegt nicht an Navigon, sondern an Apple. Zum Glück nimmt der Kopilot seine Tätigkeit nach Gesprächsende automatisch wieder auf. Dennoch: Wer in der Stadt mit dicht aufeinanderfolgenden Abbiegestellen unterwegs ist, wird sich daran stören. Zweitens fehlen derzeit Verkehrsinformationen à la TMC, die in jedem besseren Nachrüst-Navi zur Standardausstattung gehören. Hier wird Navigon noch im Oktober nachbessern und „Traffic Live“ anbieten, nämlich Staudaten, die besser als TMC sein sollen. Die Funktion kostet einmalig 25 Euro, die Verkehrsinformationen kommen via Mobilfunk ins iPhone.

Der dritte Minuspunkt ist die Empfindlichkeit des GPS-Empfängers im iPhone. Wir sind rund 1000 Kilometer in verschiedenen Fahrzeugen gefahren. Die Eindrücke waren sehr unterschiedlich. Was gar nicht funktioniert, ist die Routenführung mit dem iPhone in der Hemdentasche (die Ansagen sind so gut und laut, dass man den Blick aufs Display eigentlich nicht braucht). Eine Halterung, die das iPhone dicht unter die Windschutzscheibe bringt, ist unabdingbar. Dann funktioniert der Betrieb in der Regel einwandfrei. Aber es gibt immer wieder kurze Aussetzer, meist nur wenige Sekunden lang. Ein entsprechender Hinweis erscheint auf dem Display, und in dieser Zeit können kuriose Fahrempfehlungen die Folge sein. Manchmal kamen die Aussetzer im Turnus von 20 Minuten, bisweilen aber - bei einer mehrstündigen Autobahnfahrt - gar nicht.

Der Hersteller Tom Tom bringt in den nächsten Wochen eine Aktivhalterung mit eingebautem GPS-Empfänger für 100 Euro in den Handel, und wir werden berichten, ob die mit dem Mobile Navigator zusammenarbeitet. Insgesamt meinen wir, dass die Navigon-Software fürs iPhone ungeachtet der kleinen Mängel ein großer Wurf ist. In zwei, drei Jahren wird die Handy-Navigation so selbstverständlich sein wie jetzt das Nachrüstsystem unter der Windschutzscheibe.

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Jahrgang 1964, Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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