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Mini-Notebooks von HP und Dell Noch kleiner geht es nicht

20.10.2008 ·  Zwei Mini-Notebooks von HP und Dell mit hoher Verarbeitungsqualität im Test: Beide Zwergrechner sind faszinierend und ein Fortschritt gegenüber den schlechter verarbeiteten Modellen der asiatischen Konkurrenz.

Von Michael Spehr
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Sie werden immer beliebter und reißen die ganze Branche mit nach vorn: Die hier schon mehrfach vorgestellten kleinen, günstigen Subnotebooks in der Preisklasse von 300 bis 500 Euro, die man auch Netbooks nennt. Während der Verkauf stationärer PCs in Deutschland bei rund 4,5 Millionen Einheiten im Jahr stagniert, wächst der Absatz der tragbaren Rechner nach einer Prognose des Bitkom um fast 30 Prozent auf 7,2 Millionen. Die Netbooks bewähren sich als schicke Reisebegleiter, aber auch als Zweitgerät fürs Sofa-Surfen. Klar ist natürlich, dass man im unteren Preissegment nur bescheidene Rechenleistungen erwarten darf.

Nun stehen zwei Kandidaten parat, die bei den Netbooks neue Maßstäbe setzen sollen. Sie sind das erste Zwergnotebook des jeweiligen Herstellers. Dell prescht mit dem Inspiron Mini 9 für 400 Euro vor. Mit Ubuntu- statt Windows-Betriebssystem kostet er 50 Euro weniger. Hewlett-Packard schickte uns den HP Compaq 2133 Mini-Note, der von 600 Euro an zu haben ist. Die Gemeinsamkeiten sind schnell aufgezählt: eine Bildschirmdiagonale von 22,5 Zentimeter mit lästig spiegelndem Display, robuste Scharniere, ein Touchpad mit zwei Tasten, ein analoger Monitorausgang, Wireless-Lan, aber kein eingebautes optisches Laufwerk, eine sehr ordentliche Verarbeitungsqualität und eine Webcam am oberen Bildschirmrand.

Der HP wirkt unglaublich edel und schick

Der Dell ist der kleinere und leichtere Kandidat (23 × 1,7-3,2 × 17 Zentimeter, ein Kilogramm), der HP hingegen ist ein gutes Stück breiter (27 × 3,3-5 × 16,5 Zentimeter, 1,3 Kilo), und vor allem ragt hier der rückseitig angesteckte Akku als Standfuß aus dem Gerät hervor und stellt damit die Tastatur schräg nach oben. Für das Verstauen im Reisegepäck ist dieses Bürzel allerdings ebenso hinderlich wie beim Sofa-Surfen mit dem Mini auf den Oberschenkeln. Mit seiner Aluminiumeinfassung wirkt der HP unglaublich edel und schick, und wenn man den Bildschirm aufklappt, erscheint eine Tastatur in nahezu Normalgröße. Der Trick dabei: Die einzelnen Tasten reichen bis an den Gehäuserand, die gesamte Breite des Geräts wird voll ausgenutzt. So wundert kaum, dass man von dem Mini-Note erst einmal begeistert ist.

Beim kleineren Dell hingegen kommt Plastik zum Einsatz, zwar mit guter Anmutung, aber der obere glänzende Gehäusedeckel nimmt Fingerabdrücke sofort auf. Zugeklappt ist er hingegen der ideale Unterwegsrechner, da ragt nichts heraus. Auf identischer Bildschirmfläche schafft der HP eine Auflösung von 1280 × 768 Pixel, beim Dell sind es nur 1024 × 600. Der Unterschied ist durchaus zu bemerken, weniger beim Surfen im Internet, wohl aber bei Text, Tabellen und E-Mail. Da fehlen dem Dell etliche Zeilen. Die Tastatur des kleineren Geräts ist durchdacht und ordentlich. Wer indes mit zehn Fingern schreibt, wird sich über die viel zu kleine rechte Umschalttaste ärgern. Man braucht doch längere Zeit der Gewöhnung.

Hinnehmbar ist hingegen, dass die Reihe mit den Funktionstasten fehlt, man muss hier „Fn“ und eine Buchstabentaste gleichzeitig drücken. Der Dell wiederum bietet das deutlich bessere Display: hell, kontrastreich, angenehm. Beim HP ist die Anzeige mangelhaft: zu dunkel, wie mit einem Grauschleier überzogen, man muss sehr konzentriert und genau hinsehen. Als wir dem Hersteller unsere Kritik vortrugen, hieß es, wir seien der erste und einzige Tester mit diesem Urteil. Nun hat sich die Fachzeitschrift „Chip“ das Gerät vorgenommen und kam zu dem Ergebnis der „zweitschlechtesten Bewertung“ aller bislang getesteten Mini-Notebooks.

Akku hält etwas länger als drei Stunden durch

Beide Geräte sind auch hinsichtlich der technischen Daten ungleiche Brüder. Dem Dell wurde das mitgegeben, was bei einem Netbook sinnvoll und angesagt ist: eine kleine 16-Gigabyte-SSD-Festplatte ohne bewegliche Teile mit zehn Gigabyte freiem Speicherplatz, ein Atom-N270-Prozessor von Intel mit 1,6 Gigahertz, ein Ethernet-Anschluss, drei USB-Schnittstellen, Bluetooth sowie ein Steckplatz für Speicherkarten. Das überzeugendste Detail ist neben Windows XP als Betriebssystem, dass der Inspiron Mini 9 ohne Lüfter auskommt und deshalb nahezu lautlos bleibt. Er wird auch nicht besonders heiß. Der Akku hält etwas länger als drei Stunden durch, und wir arbeiteten ohne Probleme mit gängiger Standardsoftware. Ein UMTS-Modem im USB-Stick ließ sich mühelos in Betrieb nehmen. So ist der Inspiron ein idealer Begleiter für unterwegs. Das Gerätchen ist ausgewogen konstruiert, ein ehrlicher Kerl, der einem sofort sympathisch ist. Hier bleiben nur zwei Wünsche offen: eine breitere Umschalttaste und die etwas höhere Bildschirmauflösung des HP oder zumindest ein virtueller Desktop, der leider nicht zum Lieferumfang gehört.

Der 2133 Mini-Note will indes unter den kleinen Netbooks der Größte sein. Es ist ein besonders ambitioniertes Gerät. Zur Ausstattung gehört ein 1,6-Gigahertz-Prozessor von Via, der nicht so leistungsfähig und energieeffizient arbeitet wie die Atom-Reihe von Intel. Zwei Gigabyte Arbeitsspeicher sind an Bord, ferner eine „richtige“ 120-Gigabyte-Festplatte, Bluetooth, zweimal USB, Ethernet, ein Speicherkarten-Slot und der für Geschäftsreisende wichtige Express-Card-Slot, der ein UMTS-Modem aufnimmt. HP will also der Netbook-Welt zeigen, was man aus diesen Minis herausholen kann, wenn man nur will.

Dieser hohe Anspruch drückt sich auch im Preis aus. Allerdings hat der Mini-Note einen gewaltigen Haken, und der heißt Windows Vista. Das Microsoft-Dickschiff hat naturgemäß auf einem Kleinstrechner wenig Sinn. So auch hier: Der HP bemüht sich redlich, aber man merkt ihm die Anstrengung an, der Lüfter läuft ständig, und er braucht - wenn beide von lästiger Reklame-Software befreit sind - doppelt so lange zum Hochfahren wie der Dell. In Sachen Akkulaufzeit liegt er jedoch gleichauf. Das Vista-Problem hat HP mittlerweile erkannt und liefert Windows XP für ein „Downgrade“ mit, was ein Aufstieg ist. Allerdings braucht man dafür ein optisches Laufwerk und viel Zeit für die vollständige Neuinstallation des besseren Betriebssystems. Beide Zwergrechner sind faszinierend und ein Fortschritt gegenüber den schlechter verarbeiteten Modellen der asiatischen Konkurrenz. Man sollte sie in Augenschein nehmen und vor allem das Gerät der Wahl vorab ausprobieren.

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Jahrgang 1964, Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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