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Microsofts Neustart mit Windows 7 Schwere Patzer hatten das Image ramponiert

08.10.2009 ·  Für Microsoft ist Windows 7 die wichtigste Produkteinführung des Jahres. Vorstandsvorsitzender Steve Ballmer rührt schon in dieser Woche die Werbetrommel in Europa. In einem Punkt kann das Unternehmen schon einmal aufatmen.

Von Roland Lindner, New York
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Es war eine symbolträchtige Schlappe: Als der weltgrößte Softwarekonzern Microsoft vor rund drei Jahren die neue Version seines Betriebssystems Windows mit dem Namen Vista auf den Markt brachte, bekam das Unternehmen von einem seiner wichtigsten Partner eine Abfuhr. Der Mikrochiphersteller Intel verzichtete darauf, Vista auf den Computern seiner eigenen Mitarbeiter installieren zu lassen – und blieb lieber bei der Vorgängerversion Windows XP. Dabei pflegen die beiden Unternehmen traditionell eine fast symbiotische Beziehung. Der Begriff „Wintel“ steht in der Branche für die enge Verbundenheit des Windows-Betriebssystems und der Intel-Prozessoren, den zwei marktbeherrschenden Produkten für Personal Computer. Kritiker werteten die Entscheidung von Intel als schlechtes Omen für Vista und fragten: Wenn Microsoft nicht einmal seinen Partner von den Vorzügen von Vista überzeugen kann, warum sollten dann andere Unternehmen anbeißen? Tatsächlich gilt Vista heute als einer der größten Flops, die sich Microsoft in den vergangenen Jahren geleistet hat. Viele Unternehmen folgten dem Beispiel von Intel und sparten sich den Übergang ihrer Computersysteme zu Vista.

Am 22. Oktober bringt Microsoft jetzt den Vista-Nachfolger Windows 7 auf den Markt, und zumindest in einem Punkt kann das Unternehmen schon einmal aufatmen: Diesmal ist Intel an Bord. Vor wenigen Wochen teilte der Chiphersteller mit, Windows 7 habe sich in internen Tests gut geschlagen. Anfang nächsten Jahres will Intel nun damit beginnen, die 100.000 Personal Computer seiner Mitarbeiter auf Windows 7 umzustellen.

Ballmer rührt schon in dieser Woche die Werbetrommel in Europa

Für Microsoft ist Windows 7 die wichtigste Produkteinführung des Jahres. Vorstandsvorsitzender Steve Ballmer rührt schon in dieser Woche die Werbetrommel in Europa, und er will seine Kampagne am Startdatum 22. Oktober mit einer Veranstaltung in New York krönen. Das Geschäft mit dem Betriebssystem Windows für Personal Computer ist traditionell einer der größten und stabilsten Umsatz- und Gewinnbringer für Microsoft. Im vergangenen Geschäftsjahr 2008/2009 (30. Juni) steuerte Windows mehr als 25 Prozent zum Konzernumsatz und sogar mehr als 50 Prozent zum Betriebsgewinn bei. Windows ist so etwas wie das Rückgrat des Rechners und steuert seinen Betrieb mit einer Reihe von Anwendungen. Ob Dell oder Hewlett-Packard: Die meisten Computerhersteller installieren Windows als Standard auf ihren Rechnern. Die Software findet sich noch immer auf mehr als 90 Prozent aller Personal Computer in der Welt, auch wenn der Rivale Apple mit seinem hauseigenen Betriebssystem in den vergangenen Jahren Boden gutgemacht hat.

Angesichts der Bedeutung von Windows waren die Patzer bei Vista verheerend. Vista kam zunächst mit mehrjähriger Verzögerung auf den Markt und stieß dann auf unterkühlte Resonanz. Nutzer beschwerten sich, Vista sei zu langsam und zu kompliziert, und sie beklagten Kompatibilitätsprobleme mit anderen Programmen. Zwar hat Microsoft im Laufe der Zeit viele Schwachpunkte von Vista ausgemerzt. Aber selbst Steve Ballmer hat zugegeben, dass sich das Unternehmen von dem entstandenen Imageschaden nicht erholt hat.

Kritiken von Fachleuten sind bislang sehr positiv

Die Ausgangslage für Windows 7 scheint nun aber um einiges besser zu sein. Die Kritiken von Fachleuten aus der Technologieszene, die das Programm schon nutzen, sind bislang sehr positiv. Sie beschreiben Windows 7 als schneller und einfacher in der Bedienung. Hervorgehoben werden zum Beispiel die verfeinerte Suchfunktion, bessere Möglichkeiten zur Vernetzung mit anderen Computern sowie weniger aufdringliche Sicherheitshinweise. Beifall bekommt auch die übersichtlicher gestaltete Taskleiste mit den Symbolen für verschiedene Programme, die etwas an Apple erinnert. Microsoft hat sich auch einige Spielereien ausgedacht, etwa eine Funktion, mit der zwei Fenster schnell nebeneinandergestellt werden können, so dass sie jeweils eine Bildschirmhälfte einnehmen. Oder eine Art Schütteleffekt, mit dem beim Hin-und-her-Bewegen der Maus auf einem Fenster alle anderen offenen Fenster verschwinden. Windows 7 ist außerdem auf Rechner abgestimmt, die einen berührungsempfindlichen Bildschirm (Touchscreen) haben.

Intel zeigte sich in seinen Tests angetan: Windows 7 sei leistungsstärker und stabiler als XP, verkündete der Chiphersteller. Das Betriebssystem lasse eine höhere Produktivität der Mitarbeiter sowie niedrigere Wartungskosten erwarten. Intel rechnet nach eigener Aussage damit, durch die Umrüstung auf Windows 7 innerhalb von drei Jahren 11 Millionen Dollar zu sparen.

Solcher Beifall ist für Microsoft selten

Microsoft findet sich nun in der ungewohnten Lage wieder, mit Windows 7 zum wiederholten Mal in diesem Jahr gute Kritiken für ein neues Produkt zu bekommen. Im Frühjahr stieß die neue Microsoft-Suchmaschine Bing auf ein unerwartet positives Echo. Bing hat seither in dem von Google dominierten Geschäft seinen Marktanteil etwas ausgebaut. Aufhorchen ließ Microsoft vor einigen Monaten auch mit dem „Projekt Natal“ für seine Spielkonsole Xbox. Die Technologie erlaubt die Steuerung von Videospielen mit Bewegungen und Stimme, Bediengeräte sind also nicht nötig. Solcher Beifall ist für Microsoft selten: Kritiker haben dem Unternehmen immer wieder einen Mangel an Innovationskraft vorgeworfen. Sie argumentierten, der Konzern verdanke seine sprudelnden Gewinne allein seinen lange etablierten Produkten wie Windows oder der Bürosoftware Office.

Dieser neu erlangte Respekt kommt aber nun ausgerechnet in einer Zeit, in der die Ergebnisse nicht mehr so glänzend sind. Microsoft musste im vergangenen Geschäftsjahr zum ersten Mal in seiner Geschichte einen Umsatzrückgang hinnehmen und sah sich zum ersten Mal zu einem breit angelegten Entlassungsprogramm gezwungen. Gerade beim einstigen Vorzeigeprodukt Windows war die Lage miserabel, und der Umsatz stürzte im Schlussquartal um 29 Prozent ab. Microsoft bekommt hier die Wirtschaftskrise zu spüren, muss aber auch für die eigenen Fehler mit Vista büßen.

Bescheidene Belebung im Endverbrauchermarkt

Beim Start von Windows 7 sieht sich Microsoft einem lahmenden Computermarkt gegenüber. Das Marktforschungsinstitut Gartner hat zwar kürzlich seine Prognosen für dieses Jahr etwas aufgehellt und sagt nun nur noch einen Absatzrückgang um 2 Prozent anstatt der zunächst erwarteten 6 Prozent voraus. Gartner dämpft aber die Erwartungen, dass Windows 7 vom Start weg dem Markt einen großen Schub gibt. Das Programm werde in den Schlussmonaten des Jahres vielleicht für eine bescheidene Belebung im Endverbrauchermarkt sorgen. Gerade bei großen Unternehmenskunden erwartet Gartner eine verstärkte Nachfrage aber erst von Ende nächsten Jahres an.

Microsoft muss sich bei seinem bislang marktbeherrschenden Betriebssystem auch mit immer mehr Konkurrenz auseinandersetzen. Der Internetkonzern Google hat unlängst angekündigt, im nächsten Jahr ein eigenes Betriebssystem mit dem Namen „Chrome OS“ auf den Markt bringen zu wollen, das zunächst vor allem auf Mini-Laptops oder Netbooks zum Einsatz kommen soll. Google verspricht ein schlankes Betriebssystem, mit dem die meisten Aktivitäten des Nutzers ins Internet verlagert werden – und weniger auf die Festplatte des Computers zurückgreifen, wie dies traditionell bei Windows der Fall ist. Google sparte bei der Ankündigung nicht mit vollmundigen Versprechungen: „Es ist unser Versuch, neu zu durchdenken, was ein Betriebssystem sein sollte.“

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Jahrgang 1970, Wirtschaftskorrespondent in New York.

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