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Microsoft Surface Pro im Test Dann lieber ein kleines Notebook

 ·  Microsoft hat sein Surface Pro sehr üppig ausgestattet. Das Tablet kann es locker mit einem Notebook aufnehmen. Doch wer braucht ein Tablet für rund 1000 Euro?

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© Hersteller Vergrößern Wären Klappständer und Stift nicht sichtbar, sähe das Surface Pro aus wie ein Notebook

„Ist das ein Notebook?“, fragt der Sitznachbar im Zug, der gerade sein eigenes Gerät vor sich aufklappt. „Nein, sieht nur so aus. Es ist das neue Tablet von Microsoft.“ So wird es vermutlich vielen Menschen gehen, wenn sie demnächst das Surface Pro sehen oder gar nutzen. Und genau da liegt das Problem.

Zunächst muss man aber das Unternehmen loben. Microsoft hat alles gegeben. Das Surface Pro läuft mit Windows 8 Pro, wird von einem Core-i5-Prozessor von Intel angetrieben und hat in dieser Variante 128 Gigabyte Speicher. Es lässt sich über eine USB-3.0-Schnittstelle ebenso mit Daten füttern wie mit einer Micro-SD-Karte. Kabellos holt sich das Tablet via W-Lan, Bluetooth 4.0 und auch NFC die Daten. Und das Surface Pro nimmt auf vier Arten Kommandos entgegen: über den berührungsempfindlichen Bildschirm, die als Schutzhülle getarnte Tastatur, das dort integrierte Touchpad und den Stift. All das bekommt man seit Ende voriger Woche für etwa 1100 Euro.

Der Preis deutet es schon an - was hier von Microsoft verkauft und stark beworben wird, ist eigentlich kein Tablet, sondern ein abgespecktes Notebook, also ein Ultrabook. Der Käufer wird das bei fortwährender Nutzung spüren. Das Surface Pro verhält sich am Anfang noch unauffällig. Nach dem Einschalten schlägt Windows 8 mit seinen bunten Kacheln auf. Mit dem Outlook-Konto meldet man sich einmalig an. Beim nächsten Start ist das Gerät nach etwa zehn Sekunden einsatzbereit. Programme wie Browser, Mail oder Kalender sind nur einen Fingertipp entfernt und lassen sich flink auf dem HD-Bildschirm (1920 × 1080 Pixel) steuern. Dies funktioniert prima, solange man nur konsumiert.

Wie grundsätzlich bei allen Tablets nervt beim Schreiben längerer Texte die virtuelle Tastatur. Microsoft hatte deshalb die nette Idee, eine Schutzhülle, wie man sie etwa vom iPad kennt, zu entwerfen, deren Innenseite eine vollwertige Tastatur ist - sofern man sich für das Type-Cover (130 Euro) entscheidet. Die türkisfarbene Variante, das Touch-Cover (120 Euro), ist zwar wesentlich dünner, hat dafür aber keine druckempfindlichen Tasten. Wer das Zehnfingersystem beherrscht, wird auf ihr kaum schneller schreiben als auf der virtuellen Tastatur. Also ist das Type-Cover für Vielschreiber zu empfehlen. Allerdings nur eingeschränkt: Es ist immer noch schlechter als viele Notebook-Tastaturen, weil es klappert und laut ist.

Schleppt man nun Microsofts Tablet durch die Gegend, addiert sich die Höhe auf knapp zwei Zentimeter und das Gewicht auf 1150 Gramm. Wenn man schon so viel Gepäck in der Tasche hat, kann man gleich noch den Stift mitnehmen, der beiliegt. Der Nutzer könne, meint Microsoft, damit schnell zwischen Stift- und Fingereingabe wechseln. Selbst wenn es schnell ginge, was nicht der Fall ist, weil man den Stift nicht ständig in der Hand halten will, bleibt die Frage: Warum sollte man überhaupt den Stift nehmen? Die Antwort findet man beim Wechsel in die Desktop-Ansicht, also hin zur Windows-7-Oberfläche. Dort trifft der Finger nämlich nicht mehr alles, was man möchte. Aufgrund der Auflösung erscheinen die Symbole, Wörter und Kreuze so winzig, dass man zwangsweise zum Stift greift. „Texte und weitere Elemente“ lassen sich zwar in der Systemsteuerung vergrößern. Doch dies hilft nur bedingt, weil die programminternen Elemente weiterhin klein bleiben.

Also zielen wir doch einfach mit dem Touchpad, das in der Type-Cover-Tastatur integriert ist. Spätestens an dieser Stelle fragt man sich, warum man nicht gleich ein Ultrabook kaufen sollte. Denn je länger man das Surface nutzt, desto mehr mutiert es zu einem kleinen Notebook. Geräte in dieser Kategorie kosten mit i5-Prozessor, 128 Gigabyte SSD-Festplatte und 11-Zoll-Bildschirm jedoch weniger, auch sind Maß und Gewicht meist geringer. Selbst der Preis des Macbook Air von Apple in ähnlicher Ausstattung ist mit 1100 Euro nahezu gleich. Die Tastatur dieses und anderer Ultrabooks ist in der Regel komfortabler und die mitunter lästige Frage, ob man das Type-Cover nun mitnimmt oder nicht, erübrigt sich. Zudem hält der Akku eines leichten Notebooks länger als beim Surface Pro. Denn bei ordentlicher Belastung leert sich die Batterie schon nach vier Stunden, sodass auch hier das Netzteil auf jede Reise mit muss.

Ist das Surface Pro nun ein Tablet oder ein Notebook? Beides ein bisschen. Das Gerät könnte somit interessant sein für jemanden, der weder das eine noch das andere hat. Er muss sich aber auch im Klaren sein, dass das Surface Pro als Tablet recht schwer und damit unhandlich ist. Und wenn er daraus ein Ultrabook macht, geht ihm die Kompaktheit dieser Geräteklasse verloren und er tippt auf einer wenig hochwertigen Tastatur.

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