09.09.2004 · Es klingt nach Service-Paradies: Microsoft bietet Aktualisierungen seiner Software über kostenlose Downloads aus dem Netz an. Die Wirklichkeit ist der Computer-Gau, bei dem nachher nichts mehr so ist wie vorher.
Von Fritz JörnDaß die Fahrsicherheit unserer PCs darunter leiden kann, wenn wir dessen Software nicht laufend instand halten, hat sich herumgesprochen. Die nicht enden wollenden "Lücken" etwa im Microsoft Explorer stellen wir uns vor wie Risse in Reißverschlüssen weltraumwandelnder Forscher, denen dann die Luft wegbleibt. Wie oft oder wie leicht in unser "Fenster" Modell XP wirklich Malware eindringen kann, wer weiß das schon? Malware sind ja nicht Pinsel und Palette, nein, das sind "mal"iziöse Schädlinge wie Viren und Trojaner, neudeutsch. Jedenfalls daten, sprich däten, wir brav up, sprich app.
Jüngst wollte Office 2003 ein "Service Pack" zur Auffrischung seiner Softwaregeister aus dem Internet ziehen. Es gibt zwei Varianten, eine mit 74 Megabyte und eine mit 25 Megabyte. Die kleinere wird angeboten, wenn man sein System vom Softwarehersteller online-ferndiagnostizieren läßt, also zogen wir diese aus dem Netz. Mit einem normalen Modem müßte das so eindreiviertel Stunden dauern. Nach dem Download wird die Sache - immer noch online - mit blauen Wartebalken ins System geschoben. Zum Schluß stand da, rot: "Die Installation ist fehlgeschlagen." Mit Rufzeichen davor, sonst nichts.
Dann paßt gar nichts mehr zusammen
Nach dem üblichen, fruchtlosen Wiederholungsversuch haben wir beim freundlichen Support angerufen, Dirk Gottfried. Fast eine Doppel-Online-Stunde später hatten wir ein weiteres Mal die 25 Megabyte heruntergeladen - wir genießen DSL - und wußten jetzt, daß ihm eine Datei MT561408.cab fehlte. Dieses Kabinettstück lag friedlich auf der eingelegten alten Office-CD, wo es der Reformprozeß (wir dürfen den Murks doch so nennen?) aber nicht gefunden hatte. Wir haben die Datei dann von Hand in den allein-servicepack-seligmachenden Ordner geschoben, nach90000407-6000-11D3-8CFE-0150048383C9. Der Name ist Programm!
Zurückgepilgert, starteten wir das Update erneut. Der alte Prozeß lief ein Stück weiter, bis ihm das Kabinett O1561412.cab fehlte. So etwas kann ja öfter passieren, auf einem Bein ist schlecht stehen. Zurück also und wieder frisch umkopiert. Jetzt ging's. Nach Stunden Gewerkel hatten wir nun ein innerlich wohl stolzgeblähtes Office und noch mehr Holz in der Hütte. Ende gut? Nie! Wir werden jetzt bei jedem Aufruf von Word belehrt, daß ihm unser bis dato fehlerloser PDF-Maker nicht paßt und beim Hersteller Adobe "aktualisiert" werden sollte. Davon aber weiß unser Acrobat 5.0, selbst nach einem von uns für ihn eigens anberaumten Besuch im Netz, nichts.
Jetzt „trotzdem fortfahren“
"Weitere Informationen" aus der Fehlermeldung von Microsoft führen allerdings auf eine Seite, die das Problem zu lösen vorgibt. Mehr dazu soll bei Adobe stehen. Auch das ist dann direkt zu finden, sagt einem aber nur, daß es dann bei installiertem Norton Antivirus etwa nicht klappen soll. Aha. Norton meint wiederum: "Um dieses Problem zu lösen, wurde eine Programmaktualisierung für NAV veröffentlicht." NAV, das fanden wir gerade noch heraus, ist keine verdrehte NVA mit Sicherheitslücke, sondern, als ließe sich's bei Norton nicht ausschreiben, Norton Antivirus.
Grau geworden wandten wir uns wieder Word zu, dies zu schreiben, Zorn und Verzweiflung im Sinn, Frust in den Fingern. Word und PDF, Acrobat und Virenscanner laufen übrigens genauso wie früher. Man muß in der Word-Warnung jetzt nur "trotzdem fortfahren" wählen. Wir tun's, fortan.