02.09.2008 · Microsoft hat den Zugang ins Internet lange beherrscht, ist aber träge geworden. Firefox hat dies zuerst ausgenutzt. Nun kontert auch Google und bringt mit seinem Internetbrowser Chrome Bewegung in den Markt.
Von Roland Lindner und Stephan FinsterbuschDas Internetunternehmen Google bringt mit seinem Internetbrowser Chrome Bewegung in einen Markt, der eine sehr wechselvolle Geschichte hat: In den neunziger Jahren dominierte zunächst ein Anbieter mit dem Namen Netscape, der vom Softwarekonzern Microsoft mit seinem Programm Explorer im sogenannten „Browser-Krieg“ geschlagen worden ist. Darauf folgte eine lange Phase, in der Microsoft das Geschäft mit diesen Zugangsprogrammen für das Internet klar beherrschte und zwischenzeitlich auf einen Marktanteil von mehr als 90 Prozent kam.
Erst seit wenigen Jahren hat Microsoft wieder stärkere Konkurrenz: Das Programm Firefox der gemeinnützigen Mozilla-Stiftung, die aus den Überresten von Netscape hervorgegangen war, ist zu einer beliebten Alternative geworden. Daneben gewinnt auch der Computerkonzern Apple mit seinem eigenen Browser Safari Marktanteile. Nach jüngsten Zahlen des Marktforschungsinstituts Net Applications hat Microsoft mit dem Explorer noch einen weltweiten Browsermarktanteil von 72 Prozent. Firefox liegt bei knapp 20 Prozent, Safari bei mehr als 6 Prozent.
Die Verknüpfungsstrategie von Microsoft
Die Dominanz des Internet Explorer von Microsoft gründet nicht zuletzt darauf, dass das Programm auf neuen Personalcomputern, die mit dem Betriebssystem Windows arbeiten, vorab installiert wird. Windows-Computer stehen für mehr als 90 Prozent des Gesamtmarkts. Wer als Nutzer eines Windows-Rechners eine Alternative wie Firefox will, muss sich das Programm dagegen aus dem Internet herunterladen. Ähnlich wird es zunächst auch beim Google-Browser Chrome sein. Allerdings ist denkbar, dass auch Google in der Zukunft Vereinbarungen mit Computerherstellern schließt, um Chrome von Anfang an auf Rechnern unterzubringen.
Die Verknüpfung des Explorers mit Windows hat Microsoft in den neunziger Jahren dabei geholfen, Netscape aus dem Markt zu drängen. Diese Verknüpfungsstrategie im „Browser-Krieg“ mit Netscape war auch Gegenstand eines langjährigen Kartellverfahrens der amerikanischen Regierung gegen Microsoft, in dem zwischenzeitlich sogar eine Zerschlagung des Softwarekonzerns diskutiert wurde. Am Ende gab es in dem Verfahren einen Vergleich, der Microsoft einige Auflagen für seine Geschäftspraktiken brachte, aber keine schwerwiegenden Behinderungen. Der Softwarekonzern durfte den Explorer weiterhin mit Windows verbinden.
Die Mozilla-Google Allianz
Microsoft hatte mit dem Explorer zwar lange Zeit eine marktbeherrschende Position, musste aber auch viele Kritik an dem Programm einstecken, unter anderem wegen dessen Anfälligkeit für Sicherheitslücken. Viele Beobachter meinten, Microsoft gebe sich mangels Konkurrenz zu wenig Mühe, den Explorer zu verbessern. Die Unzufriedenheit öffnete schließlich die Tür für neue Wettbewerber wie Firefox, der nach seiner Einführung stetig Marktanteile hinzu gewann.
Google hat in den vergangenen Jahren zuerst auf indirektem Weg versucht, mit dem Explorer zu konkurrieren, und ging hierzu eine Partnerschaft mit dem Firefox von Mozilla ein. So ist zum Beispiel das Feld für die Internetsuche bei Firefox auf Google voreingestellt. Mozilla bekommt durch diese Allianz Geld von Google. Obwohl Google nun mit einem eigenen Browser in das Geschäft eingreift und damit auch Wettbewerber von Firefox wird, hat das Unternehmen diese Partnerschaft vor wenigen Tagen bis zum Jahr 2011 verlängert. Ebenso wie Firefox ist auch der Google-Browser Chrome für Programmierer frei zugänglich und soll die Nutzung von Internetdiensten beschleunigen und sicherer machen. Er greift in Bedienung und Design auf Elemente sowohl von Firefox als auch von Safari zurück. Auch Microsoft ist nicht untätig und hat vor wenigen Tagen die neue Version seines Internet Explorer vorgestellt.