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Lenovo Thinkpad Tablet 2 Tablet-PC oder modulares Notebook mit Windows 8?

 ·  Microsoft Surface liegt wie Blei in den Regalen. Jetzt kommt eine Alternative. Mit „richtigem“ Windows 8 und Stiftbedienung. Aber nicht von Microsoft.

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© Wille Was man kritzelt, wird sehr ordentlich umgesetzt

Alles kam anders. In den Wochen vor Weihnachten brachte Microsoft sein erstes Surface-Tablet auf den Markt. Damit wollte man Apple, Google und Samsung Paroli bieten. Das Gerät ist jedoch ein Flop. Es ist zu groß, es ist zu schwer. Es bietet kaum Sofa-Surf-Spaß, und im geschäftlichen Einsatz scheitert es an fehlender Software. Denn die Maschine läuft mit Windows RT für ARM-Prozessoren. Dieses Betriebssystem scheint zwar Windows 8 wie aus dem Gesicht geschnitten zu sein. Aber es ist nicht kompatibel. Nun startet Microsoft den nächsten Anlauf: Surface Pro kommt mit einem vollwertigen Windows 8 - inklusive Stiftbedienung, Core-i5-Prozessor und 4 Gigabyte Arbeitsspeicher. Allerdings wiegt der Bolide dann 900 Gramm und kostet in Amerika 900 Dollar. Am 9. Februar ist es so weit. Jedoch wird das Surface Pro vorerst auf dem deutschen Markt nicht verfügbar sein.

Nun kommt alles anders: Lenovo ist schon da. Der Kandidat heißt Thinkpad Tablet 2 und ist in Europa lieferbar. Zugegeben: Hinsichtlich Prozessorleistung und Bildschirmauflösung kann der Rivale aus China nicht mit dem jüngsten amerikanischen Tablet mithalten. Statt in HD-Auflösung mit 1920 × 1080 Pixel aufzutrumpfen, orientiert sich das Thinkpad am ersten Surface und bleibt bei 1366 × 768 Pixel. Aber für das Lenovo mit einer 64-Gigabyte-Festplatte werden weniger als 700 Euro aufgerufen, es wiegt nur 555 Gramm und bietet mit Windows 8 Pro ebenfalls vollen Zugriff auf die Microsoft-Welt. Also eine ideale Maschine, um das junge Windows auf einem Tablet auszuprobieren.

Das Thinkpad ist mit Maßen von 26 × 16 × 1 Zentimeter einige Millimeter kleiner als das Microsoft Surface und 125 Gramm leichter. Es ist zudem an allen vier Seiten reichlich mit Schnittstellen ausgerüstet: USB (leider nur 2.0), Mini-HDMI zur Bildausgabe, ferner ein Micro-SD-Kartenslot, und unser Gerät hatte sogar einen Sim-Kartenschacht für die Mobilfunkanbindung. An der Unterseite befindet sich der Anschluss für eine Dockingstation, die nicht nur zum Halten und Laden des Apparates dient, sondern drei weitere USB-2.0-Ports bereitstellt. Eine Bluetooth-Tastatur mit mechanischer Haltevorrichtung gehört ebenso wie ein VGA-Adapter (für den Beamer) zur aufpreispflichtigen Sonderausstattung. Oben links findet der Stift bei Nichtgebrauch sein Zuhause. Zwei Kameras sind eingebaut: 8 Megapixel bietet die rückseitige, und die über dem Display liegende vorn hat 2 Megapixel. Das Gehäuse ist gut verarbeitet und wirkt sehr verwindungssteif, die Anzeige spiegelt. Die Akkulaufzeit gibt Lenovo mit zehn Stunden an, ein durchaus realistischer Wert, und wie bei einem Smartphone werden E-Mails und andere Daten auch im Schlummermodus aktualisiert.

Das Einrichten des Geräts wirft keine Fragen auf, wenn man bereits erste Erfahrungen mit Windows 8 gesammelt hat. Man benötigt ein Microsoft-Konto, das quasi als Schaltzentrale für E-Mail, Kontakte, Kalender, Facebook und Twitter dient sowie den Zugang zum Windows-8-App-Store herstellt. Wie bei Windows 8 auf dem Notebook oder Desktop-Rechner gibt es einerseits den gewohnten Desktop mit seinen überlappenden Fenstern (aber ohne Startmenü), andererseits die großen Kacheln als zweite Bedienebene, deren Kontextmenüs sich rechts und unten auf dem Monitor befinden. Dieses Janusgesicht wird häufig kritisiert. Was unter Windows 8 läuft, lässt sich auch auf dem Thinkpad installieren, sei es über den App-Store, aus dem Internet, über ein USB-Gerät oder die Freigabe eines CD-Laufwerks anderer PCs. Von den 64 Gigabyte der Festplatte stehen noch rund 33 Gigabyte für eigene Daten und Dateien zur Verfügung.

Wir haben das Thinkpad Tablet 2 überwiegend ohne Tastatur und Maus erkundet, schon mit dem Finger geht das ordentlich, zumindest, so lange man auf der Windows-8-Oberfläche mit ihren großen Schaltflächen bleibt. Bei kleinteiligen Elementen kommt der Stift zum Einsatz, der zudem eine „Maustaste“ mitbringt, sie sitzt leider viel zu hoch. Spaß macht die Bedienung mit Finger und Stift jedoch nicht. Alles ist langwieriger und mühseliger, schon die Eingabe einer Adresszeile im Browser. Wer mit dem Thinkpad liebäugelt, um abends auf dem Sofa mal eben im Internet zu surfen oder den E-Mail-Posteingang zu bearbeiten, erhält bei weitem nicht die Raffinesse und Leichtigkeit eines iPad oder Android-Tablet-PC. Denn die Apps eines herkömmlichen Tablet sind deutlich besser auf die Fingerbedienung zugeschnitten, ein klarer Sieg der proprietären Lösungen.

Der Vorzug von Windows 8 ist natürlich ebenfalls sofort zu sehen: Man arbeitet mit seinem gewohnten Outlook, Excel oder Word, es gibt keine Konvertierungsprobleme, und man kann auf alle gewohnten Dienste und Programme uneingeschränkt zugreifen. Auf Reisen lässt man die Tastatur daheim und hat nur den leichten Tablet im Gepäck. Wir installierten problemlos Truecrypt, den Chrome-Browser und Open Office, und wer beruflich seine Spezialsoftware aus dem Büro benötigt, kommt ebenfalls zum Zug. Gegebenenfalls nur etwas langsam. Denn der Intel-Prozessor Atom Z2760 mit 1,8 Gigahertz, ein Arbeitsspeicher von 2 Gigabyte in Verbindung mit der integrierten Grafikeinheit Power VR SGX 545 ziehen die Wurst nicht vom Brot. Die Rechenleistung liegt bestenfalls auf dem Niveau anderer Atom-Zweikernprozessoren, und mit diesem „System on a Chip“ werden nur 32-Bit-Betriebssysteme unterstützt.

Anders ausgedrückt: Wer mit dem Gedanken liebäugelt, das Thinkpad Tablet 2 als modulares Notebook einzusetzen, mal mit, mal ohne Tastatur, muss sich mit der mäßigen Performance bescheiden. Für das gleiche Geld erhält man einen weitaus leistungsstärkere Ultrabook, und die wiederum sind ja auch nicht mehr so groß und sperrig wie früher. Die Entscheidung für den Lenovo will also gut überlegt sein.

Ein interessantes Detail ist die Handschrifterkennung, die sich in Windows 8 anstelle der virtuellen Tastatur nutzen lässt. Wählt man diese Eingabemethode, öffnen sich zwei Zeilen, auf denen man mit dem Stift loslegen kann. Selbst eine sehr individuelle Handschrift wird ordentlich erkannt, es gibt einige Stiftkommandos zur Korrektur, und das Erkannte wird mit einem Wörterbuch abgeglichen. Eine Handballenerkennung sorgt dafür, dass der Druck desselben auf die Schreibfläche folgenlos bleibt. Das ist schon faszinierend. Aber im Wechselspiel von Schreiben und Erkennen bleibt man langsamer als mit Notizblock und Kugelschreiber. Das Erkannte lässt sich übrigens in jede Anwendung einfügen.

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Jahrgang 1964, Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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