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Kopierschutz Wegen Hollywood bleibt der Bildschirm schwarz

10.10.2007 ·  Wer sich mit HD-Technik beschäftigt, stößt gleich an die Grenzen der digitalen Rechteverwaltung (DRM). Für Kopierschutzkapriolen am PC können Kabel eine Lösung sein - solange sie nur passen. Ansonsten laufen die Lötkolben heiß.

Von Michael Spehr
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Heute stöhnt ja schon mancher, wenn er eine neue Grafikkarte in seinen Computer einsetzen soll. Als ob das besonders aufwendig oder kompliziert wäre. Früher war doch alles viel schlimmer: Wie viel Zeit, Geld und Nerven wurden vor 25 Jahren in die ersten Personal Computer investiert. Etwa in den IBM PC aus den frühen achtziger Jahren. Mit einem Intel-8088- Prozessor und einer Taktfrequenz von 4,77 Megahertz ausgestattet, mit anfangs 16 Kilobyte Arbeitsspeicher, später dann bis zu 640 Kilobyte. „Das ist wirklich genug für jeden“, sagte Bill Gates 1981 zu dieser Speichergrenze des Betriebssystems MS-DOS. Der grüne Röhrenmonitor zeigte 80×25 Zeichen Text oder Grafik im CGA-Modus mit einer Auflösung von 640 × 200 Pixel. Und was hat man damals gebastelt.

Wir saßen tagelang vor solchen Apparaten, die lärmten wie ein kleiner Staubsauger, und vor Monitoren, deren Flimmern unerträglich war. Da wurde immer wieder die Reihenfolge der Treiber in Autoexec.bat und Config.sys umgestellt, um den stets knappen Speicherplatz zu optimieren. Da baute man sich eine Lüftersteuerung, damit der PC wenigstens die ersten zwei, drei Stunden etwas leiser lief, Einbau und Inbetriebnahme einer Soundkarte (unsere erste kostete 400 Mark) nahmen mindestens eine Woche in Anspruch. Man könnte stundenlang weiter erzählen, wie kompliziert beispielsweise Textverarbeitung war (Stichwort: Fußnotenverwaltung, Proportionalschrift im Blocksatz) und was sich für Momente des Erstaunens und der Überraschung einstellten, als man erstmals Digitalmusik auf einem PC hörte oder mit 640 × 480 Pixel auf einem Schwarzweißmonitor mit der Maus kleine Bildchen malen konnte. Da ist heute doch alles viel einfacher. Oder nicht?

Kopierschutz: Geräte aus der ferne stilllegen

Wir wollten unserem Aldi-PC, Baujahr 2006, einen zweiten Monitor gönnen, um mehr zu sehen, vor allem bei der Bildbearbeitung. Der erste ist ein Eizo-Flachbildschirm, und als Zusatzmodell wurde ein baugleiches Gerät gebraucht bei Ebay erstanden. So weit, so gut. Bei der Inbetriebnahme des zweiten Schirms begannen dann die Probleme. Mit dem Analoganschluss der Grafikkarte lief er prima. Aber richtig klasse sieht das Bild dann doch nicht aus, vor allem, wenn das Pendant daneben seine Signale über den digitalen DVI-Ausgang erhält und Texte wie Bilder deutlich schärfer zeigt. Nun hat der Aldi-PC keinen zweiten DVI-Anschluss, wohl aber einen HDMI-Ausgang. HDMI ist das High Definition Multimedia Interface für Bild und Ton, vor allem gedacht für Heimunterhaltung und Hochaufgelöstes am Fernsehgerät oder von Zuspielern wie der Blu-Ray oder HD-DVD. Also primär Technik für die Unterhaltungselektronik und zudem abwärtskompatibel zu DVI.

Außerdem steckt in den einzelnen Komponenten der Kopierschutzkombi HDCP (High Bandwidth Digital Content Protection) mitsamt AACS (Advanced Access Contents System). HDCP und AACS sind das Reizthema der Unterhaltungselektronik schlechthin. Die Musik- und Filmindustrie will diesmal die Schotten gegen alles dichtmachen, was über das unmittelbare Hören und Sehen hinausgeht. Selbst legale Kopien sollen unterbunden werden. Es gibt ein Widerrufsverfahren, mit dem „korrumpierte“ Geräte aus der Ferne stillgelegt werden können, und etliches mehr an digitaler Rechteminderung (DRM).

Und plötzlich war es Nacht

Der Kopierschutz ist so rigide, dass beim Start des hochaufgelösten Fernsehprogramms Premiere HD rund ein Fünftel aller Kunden über einen schwarzen Bildschirm klagte. Und diese Beschwerden über HDMI und HDCP hören nicht auf: Mal sind es die Kabel, mal einzelne Komponenten. Wer sich teuerstes Equipment fürs Wohnzimmer gekauft hat, muss mit Ausfällen aller Art rechnen. Auch am Computer ist HDMI ein trauriges Kapitel und gewiss kein Fortschritt: Wer hochaufgelöste Inhalte auf seinem Monitor sehen will, braucht ebenfalls HDMI, und während des Abspielens eines solchen Films benötigt ein moderner PC rund ein Drittel seiner Rechenleistung - und damit auch seines Stromverbrauchs - nur für den Kopierschutz. Ein Glück, dass wir mit dem Feierabendbier den Regenwald wieder aufforsten lassen können.

Nun haben wir auf dem Windows-XP-Rechner nichts mit HD-Inhalten am Hut und suchten ein simples Kabel mit HDMI auf der einen und DVI auf der anderen Seite (unverschämte 35 Euro kostet so etwas). Mit dem ersten blieb der Bildschirm schwarz: Ein „Signalfehler“ deute darauf hin, „dass hier der Kopierschutz greift“, sagte der Händler. Was bitte schön ist denn an unserem privaten PC zu schützen? Und vor wem? Ein Kopierschutz für unsere selbst verfassten Texte und unsere Fotos? „Es könnte ja sein, dass Sie HD-Filme abspielen wollen - und der alte Monitor ist dafür eben nicht zugelassen, weil er die neuen Kopierschutzverfahren nicht unterstützt“, meinte der Experte und drückte uns daraufhin ein zweites Kabel in die Hand. Wieder ein Signalfehler.

Zurück in die Vergangenheit

Ist vielleicht der HDMI-Ausgang der Grafikkarte defekt? Aldis Computerlieferant Medion schickte flink ein Austauschmodell. Abermals Fehlanzeige. Es muss also an den Kabeln liegen. Nun der vierte Anlauf: Der Computershop bietet einen kleinen Adapter zur Umsetzung von HDMI auf DVI an. Daran wiederum wird das herkömmliche DVI-Kabel angeschlossen. Und siehe da: Es funktioniert! Dumm nur, dass die HDMI- und DVI-Buchse auf der Grafikkarte so dicht aneinandersitzen, dass der Adapter für den Zweitmonitor nicht neben den DVI-Stecker für den ersten passt. Wohl oder übel müssen wir also bei der Analogdarstellung bleiben.

Diese Geschichte hat eine Moral. Früher hatten die Computerbastler nur eins im Sinn: die Technik verbessern, den Fortschritt vorantreiben. Speicherplatz und Rechenleistung standen im Vordergrund. Heute ist beides zur Genüge vorhanden. Alles ist möglich. Aber wegen digitaler Rechteminderung ist nichts mehr erlaubt. Der abendfüllende Umgang mit PC und Unterhaltungselektronik besteht künftig darin, die Schranken und Restriktionen der Film- und Musikindustrie aufzubrechen und Wege frei zu machen für den jahrzehntelang gewohnten Umgang mit Medien und Kulturgütern. Zurück in die Vergangenheit also. Das Chaos mit den HDMI-Schnittstellen ist erst der Anfang. Was uns Hollywood & Co. mit der HD-Technik einbrocken, wird die Tüftler noch lange beschäftigen. Schon laufen die Lötkolben heiß.

Quelle: F.A.Z., 09.10.2007, Nr. 234 / Seite T2
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