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Veröffentlicht: 25.01.2009, 22:33 Uhr

Jugend und das Internet Surfen macht schlau

Die erste Generation junger Menschen, die sich ein Leben ohne Internet nicht mehr vorstellen kann, wird nun volljährig: die „Digital Natives“. Über das vermeintlich verantwortungslose und naive Verhalten wurde schon einiges geschrieben. Vieles davon ist bloßer Mythos.

von Urs Gasser
© picture-alliance / dpa/dpaweb Hineingeboren in die digital vernetzte Informationswelt: Die „Digital Natives”

Die erste Generation junger Menschen, die sich ein Leben ohne Google, Facebook und YouTube nicht mehr vorstellen können und die beim Stichwort „Brockhaus“ allenfalls an eine architektonische Stilrichtung, kaum aber an eine Enzyklopädie denken, wird nun volljährig. Wir bezeichnen sie als „Digital Natives“. Sie sind ständig von digitalen Geräten umgeben und Meister des Multi-Tasking. Sie beziehen Nachrichten - „News“ - vor allem aus dem Internet und spielen „Games“, statt Bücher zu lesen. „Digital Natives“ sind jener Bevölkerungsteil, der in eine digital vernetzte Informationswelt hineingeboren wurde und nicht mehr zwischen Cyberspace und „realer“ Welt unterscheidet.

Diese global heranwachsende „Generation Internet“ unterscheidet sich von den „digitalen Immigranten“, jenen Menschen, die sich noch daran erinnern, wie das Lösen anspruchsvoller Schulaufgaben mit einem Gang in die Bibliothek und nicht mit einem Mausklick auf Wikipedia begann. Die Unterschiede betreffen nicht nur die Geschwindigkeit, in der gesimst wird, oder die Zahl der Freunde auf StudiVZ oder Facebook, den populären sozialen Netzwerken im Internet. Das Internet hat tiefere Veränderungen bewirkt. Sie betreffen den Umgang junger Menschen mit Informationen und Inhalten, die Art und Weise, wie „Digital Natives“ miteinander kommunizieren, und zumindest teilweise auch ihr Verhältnis zu gesellschaftlichen Institutionen.

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Internet-Mythen: Hinter jeder virtuellen Ecke eine Pädophiler

Während wir digitale Einwanderer intuitiv erkennen, dass sich etwas verändert hat, wenn wir junge Menschen im Umgang mit digitalen Technologien beobachten, bleibt im Dunkeln, was genau dieses „Etwas“ ist. Eltern und Pädagogen, die noch in der Papierwelt groß geworden sind, wissen in der Regel nur wenig darüber, was ihre Schutzbefohlenen online alles treiben. Es erstaunt kaum, dass diese Unkenntnis und Entfremdung der „Digital Immigrants“ mit den „Digital Natives“ zur Mythenbildung beiträgt.

Ein Blick in die Schlagzeilen von Tageszeitungen und in die Auslagen von Buchhandlungen lässt reihenweise Internet-Mythen erkennen. Diese erscheinen aus publizistischer Sicht durchaus attraktiv, vermögen aber einer Prüfung nicht standzuhalten. Bedauerlich ist die Mythenbildung deshalb, weil sie eine differenzierte inhaltliche Diskussion über Chancen und Risiken der digitalen Medien erschwert. Internet-Mythen können sogar gefährlich sein, wenn sie die Aufmerksamkeit von Eltern, Lehrern und Politikern auf Scheinprobleme lenken, während in anderen Bereichen tatsächlich Handlungsbedarf besteht, der unerkannt bleibt. Wenden wir uns einigen dieser Mythen kritisch zu.

Eine oft kolportierte Aussage ist, dass unsere Kinder im Internet nicht sicher sind, weil hinter jeder virtuellen Ecke und im Schutze der Anonymität Pädophile lauern. Berichte aus den Vereinigten Staaten, wonach 29.000 registrierte Sexualstraftäter auf der beliebten Teeny-Plattform MySpace ein Profil unterhalten, scheinen diese Gefahr zu bestätigen. Die Sicherheit unserer Kinder im Netz ist natürlich ernst zu nehmen. Gesetzeshüter und Politiker auf beiden Seiten des Atlantiks haben zu Recht reagiert und auf die Anbieter von Online-Diensten Druck ausgeübt, um zu erreichen, dass Schutzmaßnahmen eingeführt werden, wie etwa bessere Verfahren zur Authentifizierung der Nutzer. Dennoch: Es gibt keine empirische Untersuchung, die den Nachweis erbringt, dass unsere Kinder online weniger sicher sind als auf dem Weg zur Schule oder auf dem Pausenhof.

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