06.02.2007 · Für Marissa Mayer war die Übernahme von Youtube ein Schnäppchen. Schließlich ermöglicht sie den Einstieg in die nächste Welle der Online-Werbung. Die mächtigste Frau der Internetbranche über die Zukunft bei Google, die Konkurrenz und ihre persönliche Rolle im Unternehmen.
Von Holger SchmidtFür Marissa Mayer, Produktchefin der Suchmaschine Google, war die Übernahme der Videoplattform Youtube ein Schnäppchen. Schließlich bedeute Youtube für Google den Einstieg in die nächste lukrative Welle der Internetwerbung.
„Viele Werbekunden fordern uns auf, dass wir nicht nur Textwerbung, sondern auch Videos vermarkten. Dazu haben wir eine große Videoplattform gebraucht. Die haben wir jetzt. Entscheidend dabei ist: Nicht nur die Youtube-Seite ist sehr populär, sondern auch der Youtube-Videospieler, der auf sehr vielen Internetseiten integriert ist.
Das bedeutet: 1,65 Milliarden Dollar für ein Unternehmen, das die dominante Distributionsplattform für Videos im Internet entwickelt hat, ist nicht viel Geld. Mit Youtube haben wir die Möglichkeit erworben, Werbung in fast allen Videos zu schalten, die es im Internet gibt. Das ist der wahre Grund, warum wir dieses Geschäft abgeschlossen haben“, sagt Mayer im Gespräch mit der F.A.Z..
Das nächste große Finanzierungsmodell im Netz
Google erhalte viele Anfragen von Werbeagenturen für dieses neue Format, an dem Google zurzeit intensiv arbeite. „Die ersten Modelle für Videowerbung sind schon auf dem Markt, zum Beispiel ein Sponsoren-Rahmen um das Video herum.
Den Erlös teilen wir uns mit dem Produzenten des Videos. Dieses Modell wird spätestens in einem Jahr in großen Mengen etabliert sein. Daneben ist natürlich Werbung in den Videos denkbar.
Schon jetzt ist für uns klar: Werbeerlöse mit Videos wird das nächste große Finanzierungsmodell im Internet“, sagt Mayer. Bisher finanzieren sich sehr viele Internetseiten mit Hilfe des Google-Adsense-Programms, das Textwerbung passend zu den Inhalten auf einer Internetseite einspielt.
„Das Spiel ist noch nicht vorbei“
Allerdings sei der Wettbewerb um den Videomarkt für Youtube noch nicht gewonnen. "Das Spiel ist noch nicht vorbei, aber die Konkurrenten werden es sehr schwerhaben, die Markenbekanntheit von Youtube zu erzielen. Auch die Infrastruktur für die Datenübertragung, die Youtube aufgebaut hat, ist sehr schwer zu erreichen. Andererseits ist es nicht unmöglich, dass sich die Nutzer einem anderen sozialen Netzwerk zuwenden. Die Online-Gemeinschaft Friendster war auch schon groß, als die Nutzer zu Myspace überliefen. Deshalb darf man sich nicht ausruhen, sondern muss stets innovativ bleiben", sagt Mayer.
Im Internet funktionierten die alten Lock-in-Modelle, die einen Systemwechsel zu einer anderen Software sehr teuer gemacht haben, nicht mehr. „Heute ist Software werbefinanziert und ein Wechsel ohne hohe Kosten möglich. Die Menschen kommen und bleiben also nur, wenn das Produkt gut ist“, sagt Mayer. Genau auf diese Produktverbesserungen verwendet Mayer inzwischen einen großen Teil ihrer Arbeitszeit.
„Jeder will nur sexy Produkte sehen“
Der Kritik, dass Google sein Innovationstempo nicht aufrechterhalten kann, muss sie daher teilweise zustimmen. „Für neue Produkte stimmt der Eindruck. Wir haben uns im vergangenen Jahr darauf konzentriert, die Funktionen bestehender Produkte zu verbessern. Aber jeder will nur neue sexy Produkte sehen“, sagt Mayer. Aber auch nicht alle neuen Produkte laufen wie gewünscht. „Google Talk und Google Finance sind langsamer gewachsen, als wir erhofft haben“, muss sie eingestehen.
Die neuen Produkte im Internet kommen inzwischen immer häufiger von Start-ups. „Ideen entwickeln sich im Internet immer schneller, benötigen aber immer noch sechs bis zwölf Monate, um eine beachtete Popularität zu bekommen.“ Damit steigen auch die Anforderungen an Mayer: „Ich muss schneller arbeiten und agiler sein. Wenn ein kleiner Konkurrent vor fünf Jahren eine Idee hatte, mussten wir ihm wenig Beachtung schenken. Heute müssen wir sehr genau auf die Wachstumsrate achten“, sagt Mayer.
Mindestens 15 Prozent Wachstum im Monat
Das Wachstum werde heute nicht mehr in Jahren, sondern in Monaten gemessen. „Unser Vorstandsvorsitzender Eric Schmidt hat mal definiert, was ein erfolgreiches Produkt ausmacht. Das ist nicht die absolute Höhe der Seitenaufrufe. Auf Google ist es sehr leicht, eine Million Aufrufe am Tag für ein neues Produkt zu bekommen. Wirklich entscheidend ist das Wachstum. Ein Wachstum von 5 oder 7 Prozent im Monat klingt zwar gut, genügt im Internet aber nicht mehr. Das Produkt steckt sofort in Schwierigkeiten. Ein Produkt sollte heute mindestens 15 Prozent im Monat wachsen, besser wären 30 Prozent.
Man muss sich dafür nur Myspace anschauen. Für uns bedeutet das hohe Tempo, dass wie sehr genau auf die kleinen Start-ups achten müssen. Daher testen unsere Teams heute auch viele Produkte von Start-ups, um zu schauen, ob die Nutzer die Technik mögen und wie schnell das Start-up wachsen kann. Früher mussten wir nur auf die Top-100-Internetseiten achten. Heute müssen wir weiter schauen, da auch kleine Unternehmen sehr schnell sehr groß werden können“, sagt Mayer.
Soziale Netzwerke bleiben beste Idee im Netz
Google orientiere sich daher auch an der Arbeitsweise der Start-ups. „Die Mehrheit der guten Ideen kommt zurzeit von den Start-ups. Wir haben darauf reagiert. Unsere Entwicklerteams sind sehr klein und sollen wie ein Start-up arbeiten. Sie fühlen sich auch so. Und wir haben viel mehr Teams als früher. Meine Arbeit ist aber etwa gleich geblieben - Produkte früh und oft zu launchen“, sagt Mayer.
Die heißeste Idee im Internet sind für sie weiterhin die sozialen Netzwerke. Von mobilen Anwendungen ist die dagegen enttäuscht. „Welche wirkliche Innovation gab es in den vergangenen Jahren auf dem Mobiltelefon? Im Internet gab es MySpace oder Youtube, ein Dutzend großer Ideen. Große Geschichten auf dem Handy gab es nur wenige. Erst die Satellitennavigation GPS wird einen Innovationsschub bringen. Oder das Apple iPhone“, erwartet Mayer.
Mit 31 Jahren ist Marissa Mayer die mächtigste Frau in der Internetbranche. Als Mitarbeiterin Nummer 20 steigt sie 1998 in das damals unbekannte Unternehmen Google ein. Heute koordiniert die studierte Computerwissenschaftlerin die Produktentwicklung der Suchmaschine.
Sie entscheidet, welche Idee das Potential hat, den Google-Gründern Sergey Brin und Larry Page präsentiert zu werden. In dem harten Wettbewerb um die besten Ideen im Internet entscheidet sie maßgeblich, ob Google einen Schritt schneller - oder besser - als die Konkurrenz ist.
Werbung IN den Videos?
Andi Fischer (trishohara)
- 05.02.2007, 12:49 Uhr
@ Andi Fischer
M. Krcmar (absolvent2)
- 05.02.2007, 13:21 Uhr
Irgendwie....
Andreas Wessels (PhunkyData)
- 05.02.2007, 13:58 Uhr
Ich meinte natürlich...
Andreas Wessels (PhunkyData)
- 05.02.2007, 14:05 Uhr
Es wird sich immer etwas neues Auftun...
Steve Bell (SteveBell)
- 06.02.2007, 12:02 Uhr