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Internet Nichts zu sehen auf Youtube

05.04.2009 ·  Youtube sperrt die Musikclips. Denn es gibt Krach mit der Gema. Es geht um das Geld für die Künstler. Und um die Macht im Netz.

Von Patrick Bernau
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Am Montag noch zeigte die Video-Website Youtube randalierende Demonstranten im Kampf mit der Polizei im Musikvideo zur Chart-Single „Irgendwas bleibt“ von Silbermond. Jetzt aber läuft unter diesem Titel gar nichts mehr. Stattdessen zeigt Youtube einen kargen Satz: „This video is not available in your country“ – dieses Video ist in Ihrem Land nicht verfügbar. Auf Youtube kämpfen nicht mehr Demonstranten mit der Polizei, sondern Youtube selbst mit dem Musik-Gebühreneintreiber Gema.

Wann immer im deutschen Radio ein Lied gespielt wird, ein DJ in der Disco eine Platte auflegt oder öffentlich ein Musikvideo gezeigt wird: Die Gema sammelt dafür Geld ein und leitet es weiter an die Sänger, Textdichter und Plattenfirmen. Auch Youtube zahlte für die Musikvideos, die auf seiner Seite abgerufen wurden, einen Beitrag an die Gema – bis Ende März. Dann lief der alte Vertrag zwischen Youtube und der Gema aus. Auf einen neuen konnten sich die beiden nicht einigen. Jetzt will Youtube die Musikvideos in Deutschland sperren. Bisher trifft das nur ganz wenige Videos, doch ein Sprecher kündigt an: In ein paar Tagen sind auch alle anderen weg.

Google agiert nach dem Motto: Erst holen, dann fragen

Um zwei Dinge geht es in dem Streit: zum einen ums Geld, zum anderen um die Frage, wie die Gema die Klickzahlen der Musikvideos auf Youtube bekommt.

Die zweite Frage ist wichtig für Leute wie Mina oder Grup Tekkan: das eine ist ein 13-jähriges Mädchen, das andere eine Gruppe türkischstämmiger Jugendlicher – beide singen und sind auf Videoplattformen im Internet bekannt geworden. Dort waren sie Klick-Könige, im Laden verkauften sich ihre Platten aber nur mäßig. Deshalb will die Gema wissen, wie oft die Videos angesehen werden. Mina und Grup Tekkan könnten nur dann einen ordentlichen Anteil der Youtube-Zahlungen bekommen, wenn klar ist, wie erfolgreich die beiden waren, argumentiert die Gema. Diese Daten will Google, der Besitzer von Youtube, offiziell auch liefern – zumindest für alle Musiker, die ihre Tantiemen von der Gema eintreiben lassen, und das sind fast alle. Das Problem ist: Die beiden haben sich noch nicht darauf geeinigt, wer von ihnen bestimmt, welche Videos unter die Ägide der Gema fallen und welche nicht.

Das andere Problem sind die Kosten. Youtube verhandelt derzeit auch mit dem britischen Gema-Pendant PRS. Die Briten verlangen 0,2 Cent für jedes Mal, wenn ein Musikvideo abgespielt wird. Schon dieser Preis ist Youtube zu hoch, denn das Geld ist knapp: Sonderlich große Gewinne sind von dem Videoportal noch nicht bekanntgeworden. Auch wenn neben einem Video eine Anzeige steht, bringt das Youtube bestenfalls wenige Cent. In Deutschland stößt Youtube auf eine wesentlich höhere Forderung: Einen Cent habe sie verlangt, sagt die Gema – mit Mengenrabatt für den Großkunden. Google dagegen spricht davon, die Gema habe zwölf Cent gefordert: den Betrag, den jeder andere zahlen muss, der ein Musikvideo auf seine Website stellt.

Die Bands und die Musikindustrie sind in der Frage nicht weniger zerstritten als Youtube und die Gema: Der Musikkonzern Emi zum Beispiel hält die Forderungen der Gema für angemessen, Sony dagegen betont, wie wichtig Youtube als Werbeplattform ist, und würde die Videos gerne wieder dort sehen.

Streitigkeiten dieser Art kommen seit einigen Jahren immer wieder vor, denn im Internet hatten die Urheberrechte noch nie erste Priorität. Wichtig ist im Netz eher, dass jeder Nutzer möglichst kostenlos an alles kommt, was er haben möchte. Das gilt auch für Google, den Internetkonzern, zu dem Youtube gehört. „Alle Informationen der Welt zu organisieren“ ist ganz offiziell das Ziel des Konzerns. Meist macht die Firma das nach dem Motto: Erst holen, dann fragen.

Google zahlt seit 2007 Geld an die Nachrichtenagentur AFP

Damit ist Google schon häufiger bei den Leuten angeeckt, die die Rechte an einem Werk haben. Mit Fotografen und Comic-Zeichnern hatte Google zum Beispiel schon mehrfach Streit um die Bildersuche. Bis heute haben die deutschen Gerichte noch nicht ganz geklärt, welche Bilder der Konzern verwenden darf.

Auch um die Nachrichtensuche „News“ gab es eine Auseinandersetzung: 2005 klagte die Nachrichtenagentur AFP gegen Google, weil der Konzern auf jener Seite systematisch und kostenlos Fotos und Texte von AFP verbreitete. Erst 2007 hat sich Google auf einen Vergleich geeinigt und zahlt seitdem Geld an AFP.

Die Büchersuche sorgt bis heute für Krach. 2004 stellte Google sein Projekt vor, Bücher aus Bibliotheken einzuscannen und seitenweise kostenlos im Internet zu verbreiten. Bald stellte Google alle Bücher ins Netz, die nicht mehr lieferbar waren – ohne Rücksicht darauf, ob der Autor das erlaubte oder dafür Geld wollte. Ein Honorar mussten die Autoren erst erstreiten: Der amerikanische Autorenverband zog mit einer Sammelklage gegen Google vor Gericht. Erst kürzlich schlossen die Parteien einen Vergleich. 60 Dollar bekommt ein Buchautor jetzt und 65 Prozent von Googles Werbeeinnahmen. Doch wenn ein Autor damit nicht zufrieden ist, muss er sich jetzt wehren – wenn er bis zum 5. Mai nichts unternommen hat, kann er gegen diese Vereinbarung nichts mehr tun. Denn der Vergleich gilt nach amerikanischem Recht für jeden, der nicht widerspricht. Selbst für deutsche Autoren.

Die Plattform Sevenload hat noch einen gültigen Vertrag mit der Gema

Auch auf Youtube verstoßen noch viele Beiträge gegen das Urheberrecht, selbst nachdem Youtube in Deutschland die Musikvideos entfernt hat. Denn Youtube sperrt nur die Beiträge, die wie das offizielle Musikvideo aussehen. Aber die Lieder sind dort trotzdem noch zu hören. Denn es gibt noch mehr Beiträge mit Musik: Schon seit Jahren basteln die Fans auch Videos, in denen sie Fotos ihrer Stars zeigen – und die Bilder mit einem Lied von einer CD unterlegen.

Auch dafür bezahlt Youtube nicht. Der Konzern beruft sich darauf, dass er die Videos ja nicht hochgeladen hat, sondern nur die Plattform zur Verfügung stellt. Und eine Plattform muss sich nach deutschem Recht um solche Videos erst dann kümmern, wenn sie eine Beschwerde bekommt. Wenn eine Band die Videos also löschen lassen will, muss sie Youtube selbst nach solchen Videos durchsuchen – immer wieder, denn es werden ja auch immer wieder neue hochgeladen.

Die Internetnutzer müssen allerdings auch auf die offiziellen Musikvideos nicht verzichten. Denn es gibt ja nicht nur Youtube, sondern auch noch andere Videoportale. Sevenload zum Beispiel hat noch einen gültigen Vertrag mit der Gema. Dort sind auch die randalierenden Demonstranten aus Silbermonds Video „Irgendwas bleibt“ noch zu sehen.

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