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Internet Internet-Betrügern wird der Prozeß gemacht

12.05.2006 ·  Einen Millionenschaden haben vier Männer mit illegal installierten Internet-Einwahlprogrammen, sogenannten Dialern, verursacht. Die Aufklärung des Betrugs ist schwierig, der Prozeß wird bis September dauern.

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Autodialer, Exit-Traffic, Webhosts, Carrier: Wer dem Prozeßauftakt um Millionenbetrug im Internet am Osnabrücker Landgericht folgen wollte, mußte schon Computerexperte sein. Trotz des für Laien schwer verständlichen Fachchinesisch ist dem Verfahren bundesweite Aufmerksamkeit sicher. Die vier Angeklagten im Alter zwischen 26 und 37 Jahren sollen durch Betrug und Datenmanipulation an Computern mehr als zwölf Millionen Euro auf ihre Konten geschleust haben. Das macht den Fall zu einem der bislang größten Beispiele von Internetkriminalität in Deutschland.

Die vier Männer sollen zwischen Juli 2002 und Ende September 2003 auf Webseiten so genannte Dialer installiert haben. Das sind Einwahlprogramme, die den regulären Internetzugang beenden und den Rechner über teure 0190er-Nummern mit einem Server verbinden. Solange die Surfer per Warnhinweis über solche Dialer informiert werden und sie die Alternative haben zwischen Abbruch und Fortsetzen, ist das noch nicht strafbar, erläuterte Landgerichtssprecher Norbert Holtmeyer.

Aus Scham niemanden angezeigt

Allerdings sollen die Angeklagten im Laufe der Zeit diese Dialer verändert haben. Die Einwahlprogramme hatten sich unbemerkt für die Nutzer aktiviert, sobald auf bestimmte Webseiten geklickt wurde. Außerdem warf Staatsanwalt Jürgen Lewandrowski den Angeklagten vor, die Dialer so programmiert zu haben, daß die Registratur der Rechner geändert wurde. Sobald ein Dialer mit einer bestimmten Signatur von einer Webseite aufgerufen wurde, erkannte ihn der Computer als sicher an, ohne den Surfer zu informieren.

Laut Lewandrowski kostete das den Nutzer zwischen 1,83 Euro und bis zu mehr als 45 Euro pro Minute. Von den illegalen Verbindungen erfuhren die Opfer erst über ihre hohe Telefonrechnung. Bei weitem nicht jeder stellte eine Anzeige - vielleicht aus Scham: Die Dialer wurden den Angaben zufolge vor allem auf Pornoseiten versteckt.

Eine Menge Geld zu verdienen

Erste Äußerungen der Angeklagten bestätigten im Grundsatz die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft. Der Rechtsanwalt des Hauptangeklagten, Ferdinand Dahlmanns, kündigte für die nächste Sitzung eine detaillierte Stellungnahme seines 31 Jahre alten, in Lettland geborenen Mandanten an. Er werde im Prinzip die Taten gestehen, sagte Dahlmanns in einer Prozeßpause. Die von der Anklage genannte Summe sei aber „aberwitzig hoch“. „Wir werden versuchen nachzuweisen, daß die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft in Details nicht stimmen“, sagte der Verteidiger. Unklar sei zum Beispiel die Frage, wann die Dialer illegal seien. „Zwischen legal und illegal gibt es eine Grauzone.“

Schon nach den ersten beiden Stunden des Prozesses wurde deutlich, daß im Internet nichts zufällig geschieht und daß damit „eine Menge Geld zu verdienen ist“, wie einer der Angeklagten sagte. Der 26 Jahre alte Mann aus Nordrhein-Westfalen kam als Experte für das gezielte Lenken von Besucherströmen auf Webseiten zu der Gruppe. Er gestand ein, von den Dialern gewußt zu haben und auch am Gewinn beteiligt gewesen zu sein. Angesichts der vielen Fachwörter sagte der Vorsitzende Richter Dieter Temming zu dem 26jährigen Angeklagten: „Bevor sie beginnen, darf ich darauf hinweisen, daß die im Gericht gesprochene Sprache Deutsch ist.“

Insgesamt sollen bis Anfang September an den bislang zwölf geplanten Verhandlungstagen 19 Zeugen und drei Sachverständige gehört werden.

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