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Internet Explorer 8 Man müsste Microsoft mitunter mehr mögen

03.04.2009 ·  Man kommt ja nicht an ihm herum. Also haben wir uns den neuen Internet Explorer 8 mal angeschaut. Vieles dürfte Nutzern von Firefox, Chrome oder Safari bekannt vorkommen. Weniges überrascht. Aber ist das bei Browsern nicht immer so?

Von Marco Dettweiler
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Man kommt an ihm nicht vorbei. Entweder ist der neue Internetexplorer Version 8 auf dem Microsoft-Betriebssystem als Standard-Browser vorinstalliert. Oder das 16,2 Megabyte schwere Tool liegt auffällig als Gratis-CD Volks-Computerzeitschriften bei. Die Konkurrenz braucht solche Werbung nicht. Mozilla meldete bei der Version 3 von Firefox Rekord-Downloads. Auf Google Chrome waren die Netzbewohner im Vorfeld ohnehin schon heiß, um diesen neuen Browser herunterladen zu können.

Microsofts Anteil auf dem Browsermarkt schrumpft seit Jahren. Mittlerweile sollen nur noch 68 Prozent aller Browser das Windows-Symbol tragen. Diese Zahl relativiert sich noch einmal, wenn man beachtet, dass der Explorer auf Microsofts Betriebssystem vorinstalliert ist und viele Nutzer zu bequem sind, das Programm zu wechseln. Unter internet-affinen Kollegen und Freunden scheint jedenfalls Firefox der Standardbrowser zu sein.

Schnell, aber nicht schneller

Man lädt den neuen Internet Explorer Version 8 nicht einfach so runter. Nein, man kann auch noch einen Beachcruiser gewinnen. Das lassen wir und starten den Download direkt über Los. Ist die Exe ausgeführt, weiß man gleich, zu welchem Haus diese Software gehört. Denn der Nutzer wird vor seltsame Entscheidungen gestellt. Man kann entweder „Zur Verbesserung von Internet Explorer beitragen“ oder „Jetzt nicht daran teilnehmen“.

Intuitiv kommt man - wie immer bei Microsoft - nicht weiter. Dann sagt das Fenster: „Mit Internet Explorer 8 können sie das Internet noch effizienter als zuvor verwenden“. Das ist schön. Was das bedeutet, wird der Nutzer erst später verstehen. Außerdem könne man mit „Windows live bloggen, mit Windows Live E-Mails verfassen und versenden, mit Live Search übersetzen.“ Nun gut.

Eines zeigt sich relativ rasch: Das Aussehen von Version 7 und 8 ist fast das gleiche. Nicht jedoch die inneren Werte: Microsoft hat nach eigenen Aussagen das Programm schlanker und schneller gemacht. Angeblich sei der neue Explorer sogar schneller als Mozilla Firefox und Google Chrome. Erste Testläufe können das nicht bestätigen, zudem kommt es darauf an, ob die Seiten etwa Java-Script enthalten. Aber gleich schnell ist in der Regel schon mal schnell genug.

Schnellinfos und Webslices

Es gibt im Wesentlichen zwei Features, die in der Version 8 neu sind und in genau dieser Form bei anderen Browsern nicht vorkommen. Das sind die Schnellinfos und Webslices. Der Vorteil: Man kann eine Website ausführen, ohne diese komplett ansteuern zu müssen. Beispiel Schnellinfos: Man markiert ein Wort, daraufhin erscheint ein blaues Kästchen mit einem Pfeil darin. Jetzt kann der Nutzer aus einem kleinen Menü verschiedene Schnellinfos auswählen. Eine davon ist die „Live Search“-Übersetzung. Das markierte Wort wird - je nach ausgewählter Sprache - direkt übersetzt. Der Nutzer bleibt dabei aber auf der aktuellen Seite. Ebenso bei der Schnell-Info „Wikipedia” werden die markierten Wörter mit einem Eintrag aus der Enzyklopädie in einem Vorschaufenster erklärt.

Firefox hat zwar ähnliche Funktionen, doch in der Regel wird ein neuer Tab geöffnet. Leider passiert das auch bei manchen Explorer-Schnellinfos wie etwa Facebook. Auf www.ieaddons.com bietet Microsoft eine Sammlung von Schnellinfos an: Währungsrechner, Preisvergleiche, Facebook-Suche oder Artikelsuche bei Ebay. Auch hier recht komfortabel: Wort markieren, Ebay-Schnellinfo auswählen und schon zeigt ein kleines Fenster Auktionen zu diesem Thema an. So die Theorie. Es führt anscheinend nur bei einzelnen Wörtern zu Ergebnissen. „Epson AcuLaser C2800N“ ergibt bei Ebay null Artikel. Markiert man „C2800N“ findet Schnellinfo auch nichts. Nur bei „Aculaser“ werden Ergebnisse gelistet. Es muss sich also erst noch im Gebrauch zeigen, wie sinnvoll diese Funktion ist.

Hinter den Webslices steckt das gleiche Konzept. Auf bestimmten Homepages wird das Webslice-Zeichen, letztlich das Schnell-Info-Zeichen in grün, angezeigt. Zum Beispiel auf einer Wetter-Seite. Dort wählt man die Vorhersage für Frankfurt aus. Die Homepage mit der speziellen Wettervorhersage für Frankfurt kann man dann zur Favoritenleiste hinzufügen. Klickt man dort hin, erfährt man jederzeit in einem kleinen Vorschaufenster, wie das Wetter ist, ohne die Seite selbst ansteuern zu müssen.

„Vorgeschlagene Sites“ und In-Private-Browsen

So langsam wird also klar, was Microsoft meint, wenn unmittelbar nach der Installation zu lesen ist: „Mit Internet Explorer 8 können sie das Internet noch effizienter als zuvor verwenden“. Dazu gehört noch ein Feature: „Vorgeschlagene Sites“. Klickt der Nutzer dieses Vorschaufenster mit personalisierten Vorschlägen an, bietet ihm der Explorer Webseiten an, die der gerade aktuellen Homepage ähnlich sind. Wer also gerade bei wetteronline.de surft, bekommt die Vorschläge: wetter.de, wetter.net, wetter.com, donnerwetter.de und wetter24.de. Damit „Vorgeschlagene Sites“ funktioniert, muss allerdings das In-Private-Filtering ausgeschaltet sein. Und genau dies ist eine weitere Neuerung in der Version 8.

Die Sicherheit des neuen Explorer lag Microsoft vor allem am Herzen. Damit hat unter anderem das InPrivate-Browsen zu tun. Diesen sogenannten Pornomodus hat Google Chrome bereits, das neue Safari wird ihn haben. Wenn der Nutzer in diesem Modus surft, hinterlässt er keine Spuren. Es werden keine Cookies hinterlassen, der Verlauf wird nicht gespeichert, auch keine temporären Internetdateien. Ein weiterer Sicherheitsaspekt: der Smartscreenfilter. Dieser enthält quasi eine Blacklist gefährlicher Seiten, sodass der Nutzer von diesen fern gehalten wird, um etwa Phishing-Seiten zu entgehen.

Webstandards werden weitestgehend unterstützt

Microsoft unterstützt weitestgehend Webstandards und besteht sogar den Acid2-Test. Das ist erfreulich, führt aber auch dazu, dass Webseiten nicht korrekt dargestellt werden. Leider auch in den ersten IE8-Tagen bei FAZ.NET: Die zweite Reihe der Menüleiste war verrutscht, was dann durch entsprechende Programmierung geändert werden konnte. Der anfängliche Fehler hätte - sofern man es weiß - auch schnell von Nutzer behoben werden können: Einfach auf Kompatibilitätsmodus drücken.

Hinzugekommen ist die intelligente Adressleiste. Chrome-Surfer nutzen sie bereits: Die Domain wird bei der URL-Eingabe hervorgehoben. Das ist eine guter Schutz gegen Phishing-Fallen, weil der Surfer schnell erkennt, dass er möglicherweise auf eine böse Seite umgeleitet wurde. Die intelligente Adressleiste schlägt beim Tippen zudem Seiten vor, die schon mit dieser Zeichenfolge benutzt wurden. Das ist nett, aber nichts Neues. Das gilt auch für die Unabhängigkeit der Tabs untereinander. Das heißt: Stürzt eine Seite in einem Tab ab, muss nicht die ganze Sitzung geschlossen werden. Jeder Tab ist ein eigener Prozess.

Eines muss man Microsoft lassen: Die Programmierer aus Redmond haben sich bemüht. Doch die Anstrengung reichte gerade mal aus, um zu den anderen Browser-Herstellern aufzuschließen. Fast jede Funktion findet man in Firefox, Chrome, Safari oder Opera. Da aber kein einziger Browser über die perfekte Funktionalität verfügt, bleibt die Browserwahl letztlich Geschmackssache. Und da hat der Internet Explorer Version 8 nicht den schlechtesten.

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Jahrgang 1971, Redakteur in der Wirtschaft.

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