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Internet Anonym durchs Netz

07.09.2006 ·  Wer im Internet unterwegs ist, trägt ein eindeutiges Kennzeichen mit sich herum: die IP-Adresse. Der Weg wird protokolliert, so daß sich der Surfer leicht identifizieren läßt. Die TU Dresden hat eine kostenlose Software entwickelt, die die Spuren verwischt.

Von Raymond Wiseman
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Eine Software, die die Anonymität im Internet verbessert, entwickeln Informatiker der Technischen Universität Dresden in Zusammenarbeit mit der Universität Regensburg. Mit Hilfe der Software JAP wird die Identität des Surfers verwischt, der bei seinen Besuchen im Internet normalerweise über eine eindeutige und zurückzuverfolgende IP-Adresse verfügt, indem sie ihn über mehrere Zwischenstationen weiterleitet. Die zwischengeschalteten Internetrechner, „Mixer“ genannt, ändern hierbei nicht nur die aktuelle IP-Adresse des Anwenders, sondern mischen die Datenströme verschiedener Anwender, die nun mit der gleichen IP-Adresse im Internet unterwegs sind. Dies verhindert die eindeutige Zuordnung von IP-Adresse und Nutzer. Die übertragenen Daten werden für jeden zwischengeschalteten Mix-Rechner verschlüsselt.

Zuständig für die schichtweise Verschlüsselung und die Konfiguration, mit der der Anwender den Anonymisierungsdienst nutzt, ist ein Programm, das auf dem eigenen PC installiert wird. Hierbei handelt es sich um ein Java-Programm, in dem sich die Anonymisierfunktion ein- und ausschalten läßt. Zudem kann der Anwender festlegen, welche Mix-Rechner Verwendung finden und wie viele Mix-Rechner die Datenpakete durchlaufen müssen.

Unentgeltlicher Download

Die Installation dieses JAP-Programms, das unter Download im FAZ.NET-Software-Portal unentgeltlich aus dem Internet geladen werden kann, ist die Voraussetzung für den Zugang ins anonymisierte Netz. Bei der Installation wird der Internet-Browser so konfiguriert, daß er JAP für die Verbindung ins Internet nutzt. Daher muß das Programm in dieser Konfiguration auch aktiv sein, wenn die unverschlüsselte Übertragung gewählt wird, also die Anonymisierfunktion ausgeschaltet ist. Da die eingeschaltete Anonymisierung das Surfen während des Testbetriebs deutlich verlangsamt, wird man sie in der Regel nur aktivieren, wenn man tatsächlich keine Spuren hinterlassen will.

Dies ist vor allem unter dem Aspekt von Vorteil, daß das Interesse an personengebundenen Daten im Internet beständig wächst und es Pläne der EU gibt, den Internetverkehr für mindestens sechs Monate komplett zu protokollieren. So wäre auch lange im nachhinein dokumentiert, welche Daten von wem im Internet übertragen wurden. Dieser Gefahr entgeht auch nicht, wer seine IP-Adresse über einzelne Anonymisierdienste wechselt, da auf diesen Servern die Informationen des Identitätstauschs ebenso wie die Art der übertragenen Daten vorliegen. Zudem verschärft sich je nach Betreiber das Problem, da benutzerbezogene Daten in unseriöse Hände geraten könnten.

Noch im Entwicklungsstadium

Erst durch die Prozedur der schichtweisen Verschlüsselung und der Anonymisierung über die Reihung verschiedener Mixer lassen sich die Daten sicher übermitteln. Wiederherstellbar wären Identität und Daten nur, wenn der Weg unter Mitwirkung aller beteiligten Mixer zurückverfolgt würde.

Noch ist JAP allerdings im Entwicklungsstadium, so daß keine optimale Anonymität gewährleistet ist. Über die Schwachstellen, die zur Zeit noch einen Angriff von außen mit hohem technischen Aufwand möglich machen, klärt die Website des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG und vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie geförderten Projekts ebenso auf wie über die Selbstverpflichtung der Mix-Betreiber. Darin wird zugesagt, daß weder die transportierten Verbindungen in Log-Dateien gespeichert werden noch mit den anderen Mix-Betreibern ein Datenaustausch erfolgt, über den sich Benutzer von JAP enttarnen ließen. Die Anwendungssoftware von JAP gibt es unter anderem in Versionen für Windows, Mac, OS/2 und Linux.

Quelle: F.A.Z., 05.09.2006, Nr. 206 / Seite T2
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