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iLife '08 Was der Mac dem Hobbyfilmer bietet

17.08.2008 ·  Wer sich einen Mac kauft, hat auf seiner Festplatte elegante Schnitt- und DVD-Brennprogramme als kostenlose Software-Dreingabe. Wir wollten speziell wissen: Klappt die Videoverarbeitung wirklich, wie gern propagiert, aus dem Stand, im Handumdrehen und ohne Abstürze?

Von Wolfgang Tunze
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Wenn Apple-Werbespots die Meriten der Macintosh-Plattform preisen, geht es gern ums Kreative: Zum Betriebssystem gehört ein Software-Paket namens iLife '08, das Fotos archiviert, Songs produziert, Video-schnipsel zum Film adelt und das fertige Werkt als DVD brennt - alles als kostenlose Dreingabe oder als separates Programmbündel für 79 Euro.

Wir wollten speziell wissen: Klappt die Videoverarbeitung wirklich, wie gern propagiert, aus dem Stand, im Handumdrehen und ohne Abstürze? Lohnt es sich also für Hobbyfilmer, als nächsten Rechner einen Mac ins Auge zu fassen? Dazu haben wir zunächst das iLife-Schnittprogramm iMovie angeworfen. Es lädt den Hobby-Filmer im ersten Arbeitsschritt ein, seinen Digital-Camcorder an die USB- oder Firewire-Buchse anzustöpseln und seine Videos zu importieren - egal, ob das Aufnahmegerät mit DV-Kassetten, Speicherkarten oder DVDs filmt. Sogar High-Definition-Aufnahmen liest das Pogramm ein, entweder in der ursprünglichen Auflösung mit 1080 Zeilen oder auf ein Viertel reduziert, mit 960 × 540 Bildpunkten. Selbst mit der jüngsten HD-Camcorder-Spezies, die nach dem Standard AVCHD filmt, funktioniert der Transfer. Dafür allerdings ist ein neuerer Rechner mit Intel-Prozessoren zwingend: Ein älteres Schätzchen mit G5-Innenleben muss bei AVCHD passen. Außerdem monierte das Fachmagazin „Macwelt“ kürzlich Programmabstürze, wenn das AVCHD-Modell Panasonic HDC-SD9 seine hoch auflösenden Bewegtbilder anliefert. Auch bei uns schmierte iMovie in dieser Konstellation zunächst ab, aber Updates auf das aktuelle Betriebssystem 10.5.4 und auf iMovie 7.1.4 schafften das Problem aus der Welt.

In jedem Tempo und butterweich

So funktioniert die Übertragung jetzt also zuverlässig. Alle Videoclips landen zunächst in einer Mediathek, die jede Überspielung zu einem „Ereignis“ zusammenfasst und so automatisch für Ordnung sorgt. Zur Orientierung innerhalb der Sequenzen gleitet man mit dem Mauszeiger über die einzelnen Schnipsel in der Mediathek, ein Vorschaufenster lässt dabei die Bilder synchron zur Bewegung laufen. Das alles geht ohne jeden Verzug, ohne Ruckeln oder Stottern ab, die Navigation klappt in jedem Tempo und sozusagen butterweich. Ebenso elegant funktioniert das Auswählen von Sequenzen, die in den späteren Film sollen. Man rahmt sie einfach mit einem Mausklick ein; ein gelber Rand markiert dann das selektierte Material, das sich anschließend per Drag and Drop an die gewünschte Stelle im Filmprojektfenster ziehen lässt.

Die Darstellung des noch unfertigen Films ist etwas gewöhnungsbedürftig. Auf eine klassische Zeitleiste hat Apple verzichtet, die Szenen erscheinen hier, wie in der Mediathek, als Aneinanderreihung von Bildstreifen. Das macht zum Beispiel sekundengenaues Plazieren von zusätzlichen Tonspuren ein bisschen schwierig, passt aber zur Philosophie, jede erdenkliche Komplikation wegzulassen und die Handhabung so einfach und intuitiv wie möglich zu halten. Dennoch bietet das Programm einen respektablen Funktionsumfang. So lassen sich einzelne Videoclips oder das komplette Filmprojekt ganz nach Wunsch im Format beschneiden. Dazu zieht man einfach einen Rahmen über ein spezielles Vorschaubild und rückt ihn an die gewünschte Stelle - fertig. Farbkorrekturen sind ebenfalls möglich, und natürlich gibt es eine Menge hübscher Szenenübergänge zur Auswahl. Als Titelschrift kommt alles in Frage, was zum typografischen Repertoire des Rechners zählt. Auch eine Kommentar-Tonspur kann man anlegen, am besten gleich mit dem eingebauten Rechner-Mikrofon. Und wer mag, verarbeitet seine iPhoto-Sammlung zur animierten Diaschau, musikalisch untermalt mit Material aus dem iTunes Archiv.

Wir empfehlen die Export-Option über Quicktime

Am Ende der Arbeiten steht der Export des fertigen Films für die Verwendung nach Wunsch. Dafür gibt iMovie verschiedene Auflösungen vor und zeigt in einer Tabelle gleich an, welche sich wofür eignet, etwa für den iPod, das iPhone, die Mediendatenbank iTunes oder für Apples Fernseh-Adapter Apple TV. Diese Export-Funktion legt allerdings 960 × 540 Bildpunkte als höchste Auflösung fest. Soll das fertige Werk also HD-Auflösung haben oder vom kongenial gestalteten, mit tollen Menüvorschlägen garnierten Schwesterprogramm iDVD auf eine Scheibe gebrannt werden, so empfehlen wir die Export-Option über Quicktime: Sie lässt alle erdenklichen Auflösungen und Datenraten zu. Die Export-Prozedur dauert einige Zeit, läuft aber selbst bei längeren Filmen sicher und absturzfrei.

iDVD liest die fertigen Dateien ein und kreiert mit ein paar Mausklicks eine pfiffig gestaltete Konserve. Also alles perfekt? Fast. Es bleibt ein größerer Wunsch: Sowohl bei der iMovie-Ausgabe als auch beim Einlesen in iDVD werden die Videos jedes Mal neu kodiert. Das ist aber längst nicht immer nötig; stammt das Ausgangsmaterial etwa von einem DVD-Camcorder, so würde es genügen, den ohnehin in MPEG-2 angelieferten Rohstoff einfach nur zu einem neuen Multiplex zu verarbeiten. Das geht viel schneller und vermeidet die Qualitätsverluste bei jeder Umkodierung. Ähnliches gilt für die H.264-Daten von AVCHD-Camcordern, die als High-Definition-Film auf der Festplatte enden sollen. Noch etwas mehr Intelligenz also bitte, Apple!

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