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Veröffentlicht: 02.05.2016, 16:01 Uhr

Huawei P9 im Test Mit dem Zweiten fotografiert man besser

Das Huawei Smartphone P9 hat eine Doppeloptik des Kameraherstellers Leica. Wie macht sich das bemerkbar? Der Test zeigt es.

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© Hersteller Huawei P9 mit der Optik von Leica, erkennbar an der Rückseite

Dass Huawei nun eine Leica-Optik in seine Smartphones einbaut, war die spektakulärste Nachricht rund um die Ankündigung des neuen Oberklasse-Modells P9. Der Name Leica zieht. Aber das P9 und sein großer Bruder P9 Plus wären auch ohne Verweis auf den traditionsreichen deutschen Kamerahersteller so ernst zu nehmen wie ein Top-Gerät von Samsung oder Apple. Der chinesische Hersteller stürmt seit Jahren mit viel Energie voran, und die beiden jüngsten Modelle setzen nach den Vorgängern P6, P7 und P8 abermals Maßstäbe, nicht nur, was die Fotoabteilung betrifft.

Michael Spehr Folgen:

Wir haben das P9 einige Wochen im Dauereinsatz gehabt, es war ein nahezu perfekter Begleiter, der nur weniges vermissen ließ. Das P9 ist das kleinere der beiden Geräte mit einer Displaydiagonalen von 5,2 Zoll (13,2 Zentimeter) und einer Anzeige in IPS-Technik, die eine Auflösung von 1920 × 1080 Pixel bietet. Das größere Modell verwendet die Oled-Technik, behält die Auflösung bei, kommt aber auf eine Diagonale von 5,5 Zoll. Metallrahmen und -rückseite in Verbindung mit der hochwertigen Glasfront und den drei sehr präzise arbeitenden Tasten an der rechten Seite hinterlassen einen exzellenten Eindruck. Auf der Rückseite (und nicht im Home-Button der Vorderseite) ist der Fingerabdruckscanner eingelassen, auf ihm landet der Zeigefinger beim In-die-Hand-Nehmen nahezu von allein, und er arbeitet mit höchster Präzision.

An der Unterseite setzt Huawei erstmals auf den verdrehsicheren USB-Anschluss Typ C, indes findet die Datenübertragung nur mit USB-2-Tempo statt. An der Ausstattung (Achtkernprozessor, 3 Gigabyte Speicher, 32 Gigabyte Flash-Speicher für den Nutzer, erweiterbar mit Micro-SD-Karten), am Arbeitstempo und der Akkulaufzeit (rund anderthalb Tage) gibt es nichts auszusetzen. Auch die von Huawei über das Android-Betriebssystem 6 gelegte hauseigene Emui-Software gefällt. Vielleicht, weil sie vieles aus der Apple-Welt kopiert. Eine der besten (kopierten) Funktionen ist die geräteübergreifende Suche mit einem Fingerstreich auf dem Display nach unten, die zudem sofort die zuletzt verwendeten Apps zeigt. Kritisieren mag man, dass das P9 und P9 Plus nicht wasserdicht sind und die Dual-Sim-Version nicht auf den deutschen Markt kommt.

39911578 Das P9 ist das kleinere der beiden Geräte mit einer Displaydiagonalen von 5,2 Zoll (13,2 Zentimeter) © Hersteller Bilderstrecke 

Ob der erfreulich ausgewogenen Leistung kann die Beurteilung der neuen Kameratechnik detaillierter werden. Die Dualkamera auf der Rückseite mit Leica-Schriftzug besteht aus zwei Objektiven mit jeweils 12 Megapixel, welche die Lecia-Produktbezeichnung Summarit tragen, eine Brennweite von 27 Millimetern haben und eine Anfangsblende von f/2.2 bieten. Das Doppel hat jeweils eigene Bildsensoren, der eine konventionell mit RGB-Farbe, der andere monochrom, nicht nur für Schwarzweißfotografie, sondern auch zur Unterstützung des Autofokus, weil mit zusätzlichen Tiefeninformationen schneller scharf gestellt werden kann.

Für die Schwarzweißaufnahmen gibt es einen eigenen Monochrom-Modus, es werden also die Aufnahmen nicht mit einem Filter „entfärbt“. Wird von vornherein monochrom fotografiert, lassen sich die ins Schwarzweiße umgewandelten Farben besser auseinanderhalten als bei der nachträglichen Entfärbung. Detaillierte Abstufungen mit präziser Tonwerttrennung sind in der Tat auf manchen Monochromfotos der P9 verblüffend gut zu erkennen. Hier gibt es einen Mehrwert, aber nach unserer Einschätzung keine Revolution. Jedoch: Man spart sich, wenn es Schwarzweiß sein soll, einen Arbeitsgang in der Bildbearbeitungssoftware am Rechner. Besser gefielen die Farbfotos hinsichtlich Schärfe, Detailtreue und Farbwiedergabe. Das P9 nimmt schon im Standardmodus sehr gute Fotos auf, die jedem Vergleich mit einem iPhone 6S oder Samsung Galaxy S7 standhalten. Zumindest unter guten Lichtverhältnissen. In dunkler Umgebung verspricht Huawei, dass das P9 deutlich mehr Licht auf die Sensoren lasse als die Konkurrenz. Unsere Vergleichsaufnahmen mit einem iPhone 6s Plus zeigten jedoch eher das Gegenteil.

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Dass mit dem P9 sehr faszinierende und sehr gute Aufnahmen entstehen können, liegt auch am komplett überarbeiteten Kameramenü. Außer den Standardmodi wie Foto, Video und HDR, das sich nicht automatisch aktiviert, gibt es einen Profimodus, der die manuelle Einstellung von ISO-Empfindlichkeit, Belichtungszeit und Autofokus-Modus erlaubt. Die Blende ist nicht einstellbar. In diesem Pro-Modus lassen sich die Aufnahmen zusätzlich im Raw-Format speichern - und zur Nachbearbeitung beispielsweise problemlos in Adobes Lightroom einlesen. Das ist ein immenser Gewinn.

Wer mit der Blende experimentieren will, wird den Fokusmodus schätzen lernen. Er erlaubt, Fotos mit scheinbar großer Blende und viel Bokeh im Hintergrund zu erstellen. Im Unterschied zur herkömmlichen Fotografie spielt hier nicht die Physik des Objektivs die Hauptrolle, sondern die Software. Sie erzeugt die Hintergrundunschärfe, die meist nahezu perfekt aussieht, sich aber bei sehr genauem Hinsehen durchaus als Kunstwerk identifizieren lässt. Man muss wissen, wonach man sucht. Und: Der Fokuspunkt lässt sich nachträglich noch verschieben, nur in der Kamerasoftware, aber immerhin.

Damit gelingen sehr interessante Effekte. Innovativ ist ferner die Option, bei jeder Aufnahme Fokus- und Belichtungsmesspunkt getrennt einzustellen. Das bietet bisher kein anderes Kamera-Handy. Ist der Fokuspunkt gesetzt, kann man die Belichtung mit einer Fingerbewegung auf dem Display von diesem Punkt abkoppeln und die Messung an einer anderen Stelle veranlassen. Mit dem P9 haben wir in den vergangenen Wochen viel und gern fotografiert. Nicht der Name Leica zählt, sondern die Umsetzung. Die ist Huawei bestens gelungen.

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