Der taiwanische Hersteller HTC hat einen guten Ruf für seine Smartphones mit Windows-Mobile-Betriebssystem. Die Taschencomputer sind ordentlich verarbeitet, reichhaltig ausgestattet, und mit dem Touch-Bediensystem versucht HTC seit Jahr und Tag, die Malaisen von Microsoft abzumildern. Nun kommt ein verbesserter Touch Diamond mit der Versionsnummer 2 für rund 500 Euro in den Handel, der uns zunächst erheblich größer erschien als der alte Diamant. Aber eine Gegenüberstellung zeigte: Er ist nur in der Höhe um etwa fünf Millimeter gewachsen, die optische Täuschung resultiert vor allem aus dem deutlich größeren Display. Hatte der alte eine Auflösung von 640 × 480 Pixel und eine Diagonale von sieben Zentimeter, sind es nun 480 × 800 Pixel und 8,5 Zentimeter. Weichen musste deshalb die Vier-Wege-Wippe unterhalb der Anzeige. Ein berührungsempfindliches Feld, über das man mit einer Horizontalbewegung streichen kann, soll sie ersetzen.
Die Ausstattung des Diamond 2 hat deutlich zugelegt: doppelt so viel Speicher (512 Megabyte), endlich ein Laufwerk für Micro-SD-Karten, ein etwas stärkerer Akku (er hält nun bis zu zwei Tage durch) und vor allem eine hinsichtlich Auflösung und Bildqualität klar verbesserte Kamera, die mit ihren 5 Megapixel nun sogar in geschlossenen Räumen ordentliche Aufnahmen liefert. Die rückseitige Abdeckung, die beim ersten Modell wie ein Diamant mehrfach angeschliffen war und auf ihrem billigem Plastik Fingerabdrücke sofort aufnahm, wirkt nun überzeugender, und der rund ums Gehäuse gezogene Metallrahmen lässt das Kleinod sehr hochwertig erscheinen. Insgesamt ist das Verhältnis von Größe (10,8 × 5,2 × 1,4 Zentimeter) und Gewicht (118 Gramm) bei der hohen Displayauflösung stimmig.
Also alles wie beim iPhone?
Die übrige technische Ausstattung ist, wie bei HTC nicht anderes zu erwarten, nahezu vollständig: UMTS und HSDPA sorgen für ein Datentempo von maximal 7,2 Megabit je Sekunde, der sehr empfindliche A-GPS-Empfänger überzeugt, und Wireless-Lan sowie Bluetooth sind ebenfalls dabei. Letzteres sogar mit Sim-Access-Modus für professionelle Freisprechanlagen und A2DP für drahtlose Musikübertragung in HiFi-Qualität. Als Anschluss nach außen gibt es nur eine Mini-USB-Buchse, die Ladekabel, Ohrhörer und PC-Verbindungskabel gleichermaßen aufnimmt.
Als Betriebssystem kommt noch Windows Mobile in der Version 6.1 zum Einsatz, nach Angaben des Herstellers ist ein Update auf 6.5 möglich. Was die Bedienung betrifft, muss man zwischen Touch und Windows unterscheiden: Mit dem HTC-Zusatzprogramm (das sich deaktivieren lässt) kann man Internet-Browser, E-Mail, Musik und Fotos sowie den Heute-Startbildschirm kontrollieren. Durch die Listen der Fotos und Musiktitel lässt sich à la iPhone flink mit dem Finger rollen, in der E-Mail-Abteilung gucken die neuen Nachrichten aus einem geöffneten Briefumschlag hervor. Also alles wie beim iPhone? Nein, die Präzision und Eingängigkeit des Apple werden nicht erreicht, auch wenn bei dieser Version stärker denn je die Fingersteuerung zum Einsatz kommt. Aber häufig braucht man dann doch wieder den seitlich verstauten Stift.
Und man wünscht sich doch mehr Tasten
Nutzt man Touch, ist Windows kaum noch zu sehen, und das ist nicht immer ein Vorteil. Ließen sich etwa bei den alten HTC-Modellen der Batteriestand oder das Bluetooth-Menü durch einen Stift-Klick auf das betreffende Symbol am oberen Bildschirmrand aufrufen, erscheinen dort nur noch neue Hinweismeldungen. Auch eine E-Mail-Darstellung in Listenform ist mit Touch nicht zu haben, und die Suche nach Telefonbuch-Kontakten ist mühselig, nur die Favoriten lassen sich schnell wählen. Dass man zu einzelnen Kontakten mit der neuen Touch-Version jetzt die zugehörige Kommunikation in E-Mail und SMS sieht, ist hingegen ein Pluspunkt.
Wir haben trotzdem Touch nach einiger Zeit ausgeschaltet und erhielten dann ein Windows-Mobile-Gerät, das zu gefallen wusste. Die Anbindung an einen Exchange-Server funktioniert prima, wer unterwegs E-Mails schreiben will, kann nach eigenem Gusto zwischen verschiedenen virtuellen Keyboards, drei Handschrifterkennungen und T9 sowie einer Wortergänzung wählen. Eine YouTube-Software zeigt Videos aus dem Internet, der eingebaute RSS-Reader ist richtig gut. Selbstverständlich ist, dass man Office-Dateien betrachten und bearbeiten kann. Eine Sprachwahl hat HTC seiner Neuerscheinung jedoch nicht mehr spendiert. Wer im Auto mit einem Knopf im Ohr telefoniert, wird sie vermissen. Überhaupt wünscht man sich mehr Tasten, um häufig benötigte Programme oder Funktionen schneller zu starten.
Jetzt warten wir nur noch auf ein besseres Windows
Für den Aufruf von www-Seiten steht neben dem Internet-Browser auch Opera zur Verfügung. Letzteres hat viele Vorzüge, zeigt beispielsweise ganze Seiten in iPhone-Manier relativ schnell an, ist aber – wir haben beide an einem W-Lan-Router verglichen – doch nicht so flink wie der Safari-Browser des Apple, nicht so intuitiv zu bedienen und bisweilen fast schon zickig. Es ist geradezu eine Schande, dass man bei dieser hohen Bildschirmauflösung keinen besseren Browser bekommt.
Insgesamt liegen die Pluspunkte des Touch Diamond 2 klar auf der Hand: die höhere Bildschirmauflösung, die Kamera mit schöneren Bildern, die bessere Verarbeitungsqualität und die längere Akkulaufzeit. In diesem Sinne ist das neue HTC empfehlenswert. Jetzt warten wir nur noch auf ein besseres Windows für Taschencomputer und sind gespannt auf die neue Version 6.5.
Windows Betriebssystem
Christian Jessen (cj911)
- 27.04.2009, 21:48 Uhr
Der obige Kommentar...
Hans Glück (hansglueck)
- 28.04.2009, 12:31 Uhr