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HTC Sensation Der Kampf um den Thron

Das HTC Sensation sagt dem Samsung Galaxy S2 mit Doppelkern-Prozessor und sehr guter Kamera den Kampf an. Die Beiden bilden in Sachen Ausstattung und Arbeitstempo die Elite der Android-Fraktion. Welches ist das bessere Smartphone?

© Hersteller Vergrößern Großer Bildschirm, hohe Auflösung, gute Verarbeitung: Das HTC Sensation bewährt sich

Von zwei Android-Smartphones können wir derzeit kaum die Finger lassen: dem Samsung Galaxy S2 mit seinem brillanten Bildschirm und dem flachen Gehäuse und dem HTC Sensation. Beide zusammen bilden die Elite der Android-Fraktion, wenn es um Ausstattung und Arbeitstempo geht. Aber schon beim Gehäuse und der Bauform unterscheiden sich die Asiaten deutlich. Das sehr dünne Samsung besteht aus Plastik, während das HTC wie seine Geschwister eine robust wirkende Einfassung mit Metall-Elementen hat. Auf den ersten Blick handelt es sich um ein Unibody-Gehäuse, und man rätselt, wie sich die Rückseite für den Zugriff auf Akku, Sim- und Speicherkarte abnehmen lässt. Die Konstruktion ist wirklich sehr pfiffig: Die Gehäuseränder sind so weit hochgezogen, dass man quasi den gesamten Innenteil des Geräts nach Betätigen einer Taste aus seiner Verschalung heraushebt.

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So wundert kaum, dass das Sensation deutlich dicker (12 statt 8,5 Millimeter) und schwerer (148 statt 116 Gramm) als das Galaxy S2 ist. Beide Geräte legen indes dank Doppelkern-Prozessor (1,2 Gigahertz) ein atemraubendes Tempo vor. Fingergesten auf dem berührungsempfindlichen Display werden im Nu umgesetzt, das Bewegen durch die Menüs oder der Wechsel von einem Bildschirm zum nächsten machen richtig Spaß. Legt man beide nebeneinander, kann man die Vor- und Nachteile unterschiedlicher Display-Techniken studieren. Samsung setzt auf „Super Amoled Plus“ und ist in geschlossenen Räumen der klare Gewinner hinsichtlich Schärfe, Kontrast und Farbdarstellung. Die Super-LCD-Anzeige des HTC wirkt blasser, der Farbraum ist kleiner, und das Schwarz sieht eher nach einem dunklen Grau aus. Draußen bei hellem Sonnenschein ist S-LCD jedoch die bessere Wahl, Super Amoled hingegen zu dunkel und nur schlecht ablesbar. Man kann also nicht beides haben.

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Fehler und Kompatibilitäts-Probleme

Indes hat das HTC noch einen Pfeil im Köcher: seine höhere Bildschirmauflösung von 960 × 540 Pixel. Das Samsung schafft auf annähernd identischer Fläche nur klassentypische 800 × 480 Pixel. Beim Surfen im Internet oder Blättern durch umfangreiche E-Mail-Listen bietet das HTC mehr Übersicht. Bei faz.net beispielsweise sahen wir im WWW-Browser sieben Artikel-Teaser auf einen Blick. Natürlich in unlesbar kleiner Schrift, aber wenn es um das Manövrieren auf Seiten geht, ist diese hochaufgelöste Anzeige tatsächlich eine Sensation. Auch bei der weiteren Ausstattung bleiben keine Wünsche offen. Die Mobilfunkabteilung erreicht mit HSDPA+ bis zu 14 Megabit pro Sekunde, eine entsprechende Versorgung durch die Netzbetreiber vorausgesetzt. Keine Schwächen ebenfalls bei Wireless-Lan, GPS und Bluetooth. Nur sei erwähnt, dass das Galaxy S2 das Bluetooth-Profil Sim Access für besonders hochwertige Auto-Freisprechanlagen unterstützt. Dieses Detail fehlt dem HTC. Dafür wiederum ist die Internet-Telefonie, die beim Samsung weggelassen wurde, mit an Bord. Sie ist ein Bestandteil von Android 2.3.3, funktioniert aber nur bei abgehenden Telefonaten gut, bei ankommenden landet das Gegenüber meist auf dem Anrufbeantworter.

HTC 2 © Hersteller Vergrößern Verschalung: robuste Einfassung des HTC

Über das Betriebssystem stülpt HTC seinen Aufsatz „Sense“ in der neuen Version 3.0. Diese nicht entfernbaren Erweiterungen des Android-Systems, die auch Samsung, Motorola, LG und Sony Ericsson vornehmen, sind ein Missstand ohnegleichen. Die Hardware-Hersteller wollen sich als Software-Lieferanten profilieren, und dieser Versuch geht regelmäßig schief. Nicht nur, dass Symbole und Menüs weniger schön gezeichnet sind. Es schleichen sich zudem Fehler und Kompatibilitäts-Probleme ein, die „Android pur“ nicht kennt. Systemressourcen wie Speicher und Prozessorleistung werden beeinträchtigt. Und schließlich blockieren diese Aufsätze eine zeitnahe Aktualisierung von Android.

Zwischendurch nachtanken

Sense greift erheblich tiefer in das Betriebssystem ein als das Samsung-Pendant Touch Wiz, es wirkt aufdringlich, es will alle nur denkbaren privaten Inhalte miteinander verknüpfen - und man wird es nicht los. Es gibt nur eine einzige Innovation: die Aufhebung der Bildschirmsperre mit einem virtuellen Ring. In diesen Kreis kann man frei wählbare Anwendungen hineinziehen, sie werden dann unmittelbar gestartet. Aber dieses kleine Extra ist doch eher eine Lappalie. Auf unserem Gerät mit Vodafone-Branding kamen als weiteres Ärgernis fest installierte Vodafone-Apps hinzu, und man fragt sich kopfschüttelnd, wie lange Google das fortwährende Herumpfuschen an seinem Betriebssystem noch toleriert.

Wie beim Samsung Galaxy S2 ist nun die obere Benachrichtigungsleiste zweigeteilt. Neben den Hinweisen auf aktuelle Ereignisse oder neue E-Mails lassen sich dort nun die Kurzeinstellungen für W-Lan, GPS und andere Dienste aufrufen. In der Kamera-Abteilung herrscht ebenfalls Gleichstand mit den Koreanern: Die 8-Megapixel-Optik überzeugt auf Anhieb. Wenn es nicht zu dunkel ist, gelingen sogar Aufnahmen in geschlossenen Räumen. Von der eingebauten Doppel-LED-Leuchte sollte man sich allerdings nicht zu viel versprechen. Im Unterschied zum Samsung löst das HTC sogar lautlos aus. In der Videoabteilung wiederum liegen die Top-Androiden dicht beieinander, beide erlauben Full-HD-Aufzeichnungen mit bis zu 1080p und die Weitergabe des Signals mit einem passenden Adapter an den HDMI-Anschluss von TV-Geräten.

Der Akku des HTC Sensation hielt bei uns rund elf Stunden durch, das Samsung ist in dieser Hinsicht nur unwesentlich besser. Einen langen Arbeitstag schafft der Kraftspender also nicht, zwischendurch ist Nachtanken angesagt. Das ist der größte Nachteil aller Androiden und dem uneingeschränkten Multitasking geschuldet. Für rund 550 Euro erhält man indes ein Top-Gerät, dessen hohe Bildschirmauflösung begeistert. Das HTC Sensation ist nicht besser oder schlechter als das Samsung Galaxy S2, es ist anders. Die Qual der Wahl bleibt also.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 05.08.2011, 16:00 Uhr

Zwei gehen zusammen

Von Michael Spehr

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