Auch wenn wir das Gerede von einem „iPhone-Killer“ nicht mehr hören können, sei die Floskel hier noch einmal strapaziert: Wenn uns irgendjemand das Kulthandy von Apple verbieten würde, dann stünde - natürlich nach einer angemessenen Trauerzeit - das Ersatzgerät fest: der HTC Hero. Er ist das dritte Smartphone des taiwanesischen Herstellers mit dem Betriebssystem Android. Das erste kam im Januar, das Google-Handy G1, ein Achtungserfolg. Das HTC Magic war im Mai schon deutlich verbessert, nun haben sich die Entwickler noch einmal kräftig angestrengt, und man kann nur staunen, mit welcher Kraft und Leidenschaft die Asiaten ihre Produkte voranbringen, wie sie mit ihren kleinen Ressourcen größte Probleme hinwegräumen und damit den Schlafmützen bei Nokia & Co. zeigen, was eine Harke ist. Das neue Android-Modell für rund 500 Euro ohne Kartenvertrag ist in vielerlei Hinsicht ein Held, der Name ist zu Recht gewählt.
Es bietet mit seiner eigenwillig gekrümmten Form zwar nicht die Schönheit eines iPhone und ist auch nicht so gut verarbeitet. Das Kunststoffgehäuse wird von einem Teflon-Überzug geschützt, und gleich dem iPhone 3GS hat das berührungsempfindliche Display eine spezielle Beschichtung gegen Fingerfett. Was den Hero aber auszeichnet, ist die von HTC entwickelte Bedienungsoberfläche namens Sense, die auf Android aufsetzt. Sie ist zunächst hochwertig und professionell gezeichnet, geradezu eine Freude fürs Auge, wenn man etwa eine detailreich gezeichnete Analoguhr auf den Hauptbildschirm legt. Wie bei allen Android-Modellen lassen sich die Bildschirminhalte frei programmieren, es gibt à la iPhone mehrere Seiten, zwischen denen man mit einem Fingerstreich umschaltet. Die Mini-Programme auf dem kapazitiven Display heißen Widgets, und die von HTC mitgelieferten sind wunderbar. Sie bieten ein ganz neues Android-Gefühl: Das Linux-Betriebssystem legt seinen Bastel-Charme ab und flirtet mit dem Porsche-Fahrer.
Noch einige Pfeile im Köcher
Zugegeben: Bei der Bedienung mit dem Finger wird noch nicht ganz die Leichtigkeit und Raffinesse des iPhone erreicht, und die neu hinzugekommene Multitouch-Funktion, also die Zwei-Finger-Gesten, um etwa mit einer Spreizbewegung den Inhalt zu vergrößern, arbeitet noch nicht in allen Abteilungen. Aber im Internet-Browser, der von der hohen Display-Auflösung (320 × 480 Pixel) besonders profitiert und mit der iPhone-Darstellung gut mithalten kann. Nur der Zoom verhält sich hier anders: Apple lädt die Seiten einmalig und vergrößert gegebenenfalls den Bildausschnitt, HTC hingegen berechnet bei jeder Zoomfahrt die Seite neu und passt sie der Bildschirmbreite an, um horizontales „Scrollen“ zu vermeiden.
Wenn es um das Web und die neuen Dienste für die „Generation Upload“ (Vodafone) geht, herrscht also fast Gleichstand, aber das HTC hat noch einige Pfeile im Köcher: hübsche Extras für Allzeitvernetzte, die rund um die Uhr bei Twitter mitlesen, ihr Adressbuch auf Facebook führen und süchtig nach neuer E-Mail sind. Twitter mit einem eigenen Widget lässt sich so einrichten, dass man in Echtzeit das Gezwitscher im Netz mitverfolgen kann, ein Symbol auf dem Startbildschirm informiert über Neuheiten. Die Facebook-Anbindung erlaubt einige Dinge, die nachgerade genial sind, etwa die Übernahme dort gespeicherter Adressdaten oder des Fotos der betreffenden Person. Und was auf Facebook geändert wird, ist unmittelbar auf dem Handy aktualisiert.
Kontakt zum Unternehmensserver im Büro
Es kommt aber noch besser: Hieß Android bislang, dass man unabdingbar ein Google-Konto für E-Mail und Kalender einsetzen musste, ist der Hero nun das erste Android-Gerät mit einer Exchange-Anbindung, die unterwegs den Kontakt zum Unternehmensserver im Büro herstellt. Der Datenaustausch für Kalender, Kontakte und E-Mail funktioniert einwandfrei, sogar Unterordner lassen sich im Unterschied zu den meisten Nokias synchronisieren. Damit ist Android also in der Geschäftswelt angekommen, ein riesiger Fortschritt. Nur fehlen noch - wie beim iPhone - Notizen und Aufgaben, die werden nicht übertragen. Ein Google-Konto lässt sich nach wie vor nutzen, auch sind die Inhalte diverser gleichzeitig eingesetzter Konten farblich fein unterscheidbar, wenn man beispielsweise private Termine bei Google erfasst und dienstliche im Büro-Outlook. Wie beim iPhone ließe sich die Kalenderdarstellung verbessern, sie beschränkt sich auf eine Monatsübersicht und Listenanzeige, es fehlt ferner ein Heute-Bildschirm.
Aber in Sachen Business-Betrieb sind so viele Neuheiten aufzuzählen, dass man aus dem Staunen nicht herauskommt. So gibt es nicht nur die allgemeine Anrufliste, sondern eine detaillierte zu jedem Eintrag in der Adressverwaltung, und wenn man durch die Kontakte blättert, sieht man zudem zugehörige ungelesene E-Mails sowie die Historie der Nachrichten. Quickoffice zeigt Word- und Excel-Dateien an, bearbeiten oder neu erstellen lassen sich diese allerdings nicht. Weniger gelungen fanden wir, dass Telefonnummern in E-Mails nicht immer einwandfrei für sofortiges Wählen aus der Nachricht heraus identifiziert werden. Sprachwahl und -bedienung sucht man vergeblich. Apropos Bedienung: Für alle Texteingaben hat HTC die von seinen Windows-Geräten bekannte virtuelle Tastatur übernommen, etliche Kleinigkeiten (zum Beispiel die Eingabe von Umlauten und Sonderzeichen) sind vom iPhone abgeschaut, und neu dabei ist eine Wortergänzung, die mit einem hinterlegten Wörterbuch arbeitet. So gelingt das Schreiben von Nachrichten recht flott.
5-Megapixel-Kamera macht draußen ordentliche Aufnahmen
In Sachen Ausstattung genügt der Hero höchsten Ansprüchen, UMTS mit HSDPA bis 7,2 MBit/s sind dabei, Wireless-Lan, Bluetooth und ein guter GPS-Empfänger. Der Qualcomm-Prozessor arbeitet mit 528 Megahertz, der eingebaute Speicher (288 Megabyte RAM und 512 Megabyte ROM) lässt sich mit Secure-Digital-Karten fast beliebig vergrößern. Die 5-Megapixel-Kamera macht draußen ordentliche Aufnahmen, nur fordert der Autofokus unsäglich viel Zeit. Ein Blitz fehlt. Vermisst haben wir das Sim-Access-Profil von Bluetooth für beste Telefonie im Auto, zur Musikübertragung ist indes das A2DP-Profil vorhanden. Auch kann man nun einen handelsüblichen Kopfhörer mit 3,5-Millimeter-Stecker direkt anschließen. Der Akku hält wie beim iPhone ungefähr anderthalb bis zwei Tage.
Alles in allem ist der Hero mit dem von HTC verbesserten Android-Betriebssystem der wohl schärfste Rivale des iPhone. Bei Apples Kleinod geht vieles einfacher von der Hand, es bleiben weniger Fragen offen. Der Held aus Taiwan kann indes deutlich mehr, er nutzt ein offenes Betriebssystem und ist mit Zusatzprogrammen aus dem „Android Market“ vielfältig erweiterbar. Hinsichtlich Bedienung, Logik und Internet-Darstellung schlägt der Hero jedes Nokia und jedes aktuelle Windows-Mobile-Gerät. So ist wieder einmal die Messlatte höher gelegt, und wie schnell die Taiwanesen das geschafft haben, lässt uns staunen.
Das Handy als Kleincomputer...die Software-Add-Ons machen es...
Ronald Glas (soondecember)
- 12.08.2009, 13:29 Uhr
Arme Jungs von HTC
Michael Beste (MB911)
- 12.08.2009, 15:21 Uhr
Armer Herr Beste
Tobias Burgstaller (MisledMerlin)
- 12.08.2009, 17:17 Uhr
Begeistert
(rudyguy)
- 12.08.2009, 17:44 Uhr
Das iPhone ist das einzig wahre Smartphone ...
Johann Schulz-Gebeltzig (johannsg)
- 12.08.2009, 18:34 Uhr