Home
http://www.faz.net/-gy9-14ksb
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Handywechsel Die Tücken der Datenübertragung

Der Wechsel zu einem neuen Handy steht an. Da fragt man sich gleich, wie die persönlichen Einstellungen und Daten herüberzuretten sind. Ein solcher Hardware-Wechsel ist mittlerweile ebenso aufwendig wie das Einrichten des PCs.

© dpa Vergrößern Eigentlich ganz einfach: von einem Handy auf das andere

Der Wechsel von einem alten zu einem neuen Handy steht an, und da fragt man sich natürlich gleich, wie die persönlichen Einstellungen und Daten herüberzuretten sind. Bei den Smartphones mit allen nur denkbaren Funktionen und Zusatzprogrammen ist das Thema noch brisanter. Denn man hat ja nicht nur manche SMS oder E-Mail, die man „retten“ möchte, sondern auch die individuelle Konfiguration von Chat-System und Internet-Telefonie. Dazu kommen gegebenenfalls kostenpflichtige Applikationen (“Apps“), die man gern behalten möchte. Ein solcher Hardware-Wechsel ist mittlerweile ebenso aufwendig wie das Einrichten eines neuen PCs. Windows-Nutzer wissen sofort, wovon die Rede ist.

Michael Spehr Folgen:        

Beim Wechsel des Handy-Betriebssystems - etwa von Symbian zu Windows Mobile - gehen alle privaten Daten wie E-Mail und Kontakte verloren, es sei denn, man synchronisiert mit einem Backup-Dienst oder mit einem Exchange-Server. Zusatzprogramme laufen stets nur mit einem Betriebssystem. SMS, Fotos und sonstige Daten lassen sich bestenfalls zum PC übertragen und dort sichern. Wer indes mit Alt und Neu in einer Betriebssystem-Familie bleibt, hat weniger zu verlieren. Bei vielen Nokia-Handys gibt es zum einen das Backup-Programm für die Speicherkarte, das aber nur innerhalb einer Gerätekategorie funktioniert. Übergreifend soll ein Assistent namens „Austausch“ arbeiten, er verbindet zum Beispiel ein älteres Nokia N96 mit dem neuen E72. Zwar rettet der Helfer SMS und andere Daten, aber die Tücke liegt im Detail, und am Ende ist man doch wieder stundenlang mit der Einrichtung des neuen Telefons beschäftigt. Apps aus dem Ovi-Store werden gar nicht übertragen.

Mehr zum Thema

Durchweg unbefriedigend

Was wir bisher in dieser Hinsicht gesehen haben, ist also durchweg unbefriedigend. Und nun stand der Wechsel von einem älteren iPhone mit dem Betriebssystem 3.0 zu einem neuen mit 3.12 an. Wir hatten uns auf das Schlimmste eingestellt, zumal das ältere Gerät mit einem „Jailbreak“ von Apples Rechteminderung befreit und mit etlichen Cydia-Programmen aus der einschlägigen Hacker-Szene bestückt war. Indes lief nicht nur alles glatt. Das Ergebnis war geradezu erstaunlich perfekt. Man synchronisiere das alte iPhone mit iTunes am PC und schließe dann das neue an.

Nach der unvermeidlichen Registrierung lassen sich die Inhalte des alten Geräts auf das neue zurückspielen. Das alles funktioniert mit einer Raffinesse, die wir nicht erwartet hatten. Alle Apps waren da, alle individuellen Einstellungen bis hin zum Hintergrundbild. Die Parameter der E-Mail-Konten waren eingetragen, die alten SMS vorhanden und sogar die Anruflisten der vergangenen zwei Wochen herübergeschaufelt. Kontakte, Kalendereinträge, Fotos, Lesezeichen im Internet-Browser, Notizen, die Einwahlparameter von Skype und Fring, alte Chat-Plaudereien, die Wiedergabelisten der Musikabteilung und sogar die Aufstellung der zuletzt gespielten Titel: Alles wurde 1:1 kopiert. Nicht nur, dass die To-do-Liste aus dem App Store auf dem neuen Gerät sofort parat stand, selbst die von uns eingegebenen Aufgaben wurden transferiert.

Sicherheitskritische Einstellungen

Manuelles Eingreifen erforderten allein sicherheitskritische Einstellungen: Die Kennwörter des heimischen Wireless-Lan, des Exchange-Servers im Büro sowie der bereits angebundenen Bluetooth-Geräte mussten abermals eingegeben werden. Nicht übernommen wurden ferner die besonderen Klingeltöne, die wir einzelnen Personen in der Adressverwaltung zugewiesen hatten. Und natürlich fehlte alles rund um den Jailbreak und Cydia. Als wir die Navigon-Navigation „Mobile Navigator“ starteten, suchten wir allerdings vergeblich die nachträglich hinzugekauften Verkehrsinformationen. Das Verfahren heißt „In-App-Kauf“, das Produkt wurde nicht im App Store, sondern in der Anwendung selbst erworben.

Als sich der Ärger gelegt hatte und wir „Traffic Live“ ein zweites Mal für 20 Euro erwerben wollten, kam indes Entwarnung: Nach dem Fingertipp auf „Kaufen“ stellte der Routenführer fest, dass wir die Option bereits erworben hatten, und installierte das Modul unentgeltlich. Alles in allem war der gesamte Vorgang nach rund einer halben Stunde abgeschlossen. Wer sich bei anderen Betriebssystemen stundenlang mit dieser Prozedur herumgeschlagen hat, darf sich also bei Apple über eine wunderbare Perfektion bis ins Detail freuen.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Vernetzt und ausgespäht Das Auto als Datenstaubsauger

Schon jetzt ist das Auto bestens vernetzt. Doch wohin fließen die Daten? Aus dem Netz ins Auto oder auch zurück zum Hersteller? Das gibt das Fahrzeug über seinen Nutzer an Dritte weiter. Mehr Von Michael Spehr

10.04.2015, 10:25 Uhr | Technik-Motor
Gegen Polizeigewalt Protestaktion im Apple-Store

Etwa hundert Menschen haben in einem Laden des iPhone-Herstellers in New York gegen Polizeigewalt demonstriert und sich dort flach auf den Boden gelegt. Protestaktionen gab es auch in Washington, Boston und Chicago. Mehr

06.12.2014, 10:30 Uhr | Politik
Android-Smartphones im Test Geben Sie das iPhone ruhig mal aus der Hand

Ein Android als Alternative zum iPhone? Diese neuen Top-Modelle kämen in Frage. Ohne Einschränkung ist das Samsung S6 Edge zu empfehlen, das HTC One (M9) nur unter einer Bedingung. Mehr Von Marco Dettweiler

08.04.2015, 10:38 Uhr | Technik-Motor
Flüchtlinge Kostenloser Handy-Strom dank Caritas-Helferin

Die nordfranzösische Hafenstadt Calais ist für viele Flüchtlinge das Tor nach Großbritannien. Die meisten leben in Notunterkünften, oft ohne Strom. Eine freiwillige Caritas-Helferin teilt dieses kostbare Gut seit Jahren mit ihnen: Kostenlos lädt Brigitte Lips für sie ihre Handys auf: oft mehr als hundert Geräte am Tag, damit die Flüchtlinge den Kontakt zu ihrer Welt aufrecht erhalten können. Mehr

19.11.2014, 14:36 Uhr | Gesellschaft
Kritik an Marktmacht EU knöpft sich Google vor

Im Streit mit Google schlägt die Europäische Union eine härtere Gangart ein. Einem Zeitungsbericht zufolge will sie dem Internetriesen hohe Strafen auferlegen. Der Konzern habe seine Position auf dem Markt missbraucht. Mehr

14.04.2015, 23:38 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 01.01.2010, 12:00 Uhr

Zickenalarm

Von Wolfgang Tunze

Das Dauerwartungsobjekt der Telekom, die DSL-Leitung, geht der Kundschaft mit ihren Zicken ebenso zuverlässig auf die Nerven. Unser Fall, sicher nur einer von vielen, geht so. Mehr 1