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Handymarkt Deutsche kaufen Handy-Klingeltöne für 360 Millionen Euro

23.05.2005 ·  Mit Klingeltönen wird in Deutschland mehr Geld verdient als mit Musikdownloads oder Handy-Spielen. Deshalb gibt es jetzt die erste Klingelton-Hitparade, die allerdings Anbieter mehr interessiert als Nutzer.

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Der Umsatz mit mobilen Dateninhalten steigt. Allerdings ist die Branche noch weit davon entfernt, die Erwartungen, die zum Beispiel an die UMTS-Technik mit ihren schnellen Übertragungsraten verbunden wurden, zu erfüllen.

Bisher speist sich der Datenumsatz der Mobilfunkanbieter zum größten Teil aus dem Versand von Kurznachrichten (SMS), die milliardenweise über die Netze geschickt werden.

Inzwischen holen nach Angaben von Claudia Pöpperl, Marketing-Direktorin beim amerikanischen Software-Unternehmen Qpass, aber auch andere Angebote auf - ohne aber bisher das Umsatzvolumen der SMS zu erreichen.

Mit Musikübertragung verdient noch niemand Geld

Dazu gehören vor allem individuelle Klingeltöne oder in immer stärkeren Maße auch Spiele für das Mobiltelefon. Das Geschäft mit der Musikübertragung auf das Handy steckt nach Angaben von Pöpperl jedoch noch in den Kinderschuhen.

"Musik ist zwar in diesem Jahr das große Schlagwort in der Branche, es gibt aber bisher niemanden, der damit richtig Geld verdient." Qpass liefert für Mobilfunkanbieter und andere Unternehmen die technische Plattform, um Inhalte auf mobile Endgeräte transportieren und verkaufen zu können.

Umsätze in Asien höher

Ganz anders als bei dem Herunterladen der Musik auf das Handy sieht der geschäftliche Erfolg unterdessen bei den Klingeltönen aus, die gerade in Deutschland für ansehnlichem Umsatz bei Netzbetreibern und anderen Anbietern sorgen. Rund 247 Millionen Euro haben die Deutschen im vergangenen Jahr für diese individuellen Handymelodien ausgegeben.

Im Jahr 2005 sollen es sogar mehr als 360 Millionen Euro werden. Vor allem in Asien liegt der Klingelton-Umsatz jedoch noch deutlich höher. International summierten sich diese Einnahmen im vergangenen Jahr auf deutlich mehr als 3 Milliarden Euro.

Auf der Basis dieses Erfolges hat das Mobile Entertainment Forum (MEF), als internationaler Branchenverband der Netzbetreiber und Anbieter von mobilen Inhalten, jetzt auch in Deutschland die Erhebung einer Klingelton-Hitparade gestartet. Damit sollen die Tendenzen auf diesem Markt besser beobachtet werden können.

Hitparade interessiert vor allem die Anbieter

Diese Charts wurden jetzt erstmals von der Zeitschrift Musikwoche publiziert. "Die Anbieter selber sind fast stärker an dieser Marktbeobachtung interessiert als die Kunden", erklärt Pöpperl, die auch Mitglied im MEF-Vorstand ist.

Hier zeige sich unter anderem, daß die als Klingelton häufig vertriebenen Musikstücke nicht unbedingt mit denen identisch seien, die auch in den normalen Charts der Musikindustrie auf den vorderen Plätzen landen. Darüber hinaus helfe diese Auflistung der Musikindustrie, neue Tendenzen zu erkennen, da manchmal Angebote in den Charts auftauchten, die nicht von den großen Musikverlagen vertrieben würden.

Auch hätten sich in den Testläufen für die Charts landestypische Unterschiede zu Großbritannien gezeigt, wo diese Listen schon seit Juni des vergangenen Jahres in Zusammenarbeit mit der Prüfungsgesellschaft KPMG erstellt werden. In Deutschland sorgt die Beratungs- und Marktforschungsgesellschaft Deloitte für die Erstellung der Charts.

Leitfaden für Abonnements sorgt für Transparenz

Auf der Käuferseite sollen die Charts natürlich auch Kaufanreize setzen und zu einem weiteren Umsatzwachstum in diesem Segment beitragen. Dabei geht es den Anbietern inzwischen aber nicht mehr nur um den Einzelverkauf der Klingeltöne.

Sie setzen vielmehr - wie in anderen Bereichen der Inhaltsangebote - auf Abonnenten, die auf der Basis einer monatlichen Pauschale immer neue Melodien für ihr Mobiltelefon kaufen. Um diese Praxis transparent zu machen, hat das MEF einen Leitfaden für Abonnements von mobilen Inhalten erarbeitet, an den sich nach Angaben von Pöpperl inzwischen die meisten Anbieter international halten.

"Besonders die Netzbetreiber haben ein intensives Interesse daran, daß in diesem Geschäft Transparenz herrscht, da unzufriedene Kunden meist in deren Call-Centern landen - auch wenn der Netzbetreiber nicht der Geschäftspartner des Kunden ist. Die schwarzen Schafe schaden der gesamten Branche."

Am Geschäft mit den Tönen wollen viele verdienen

Daran wird auch die Struktur der europäischen Branche deutlich. So entfallen im europäischen Durchschnitt nur rund 30 Prozent des Umsatzes mit den Klingeltönen auf die Netzbetreiber. In Deutschland liegt dieser Wert nach Angaben von Pöpperl mit rund 50 Prozent etwas höher. Auch sind viele Akteure entlang der Wertschöpfungskette dieses Geschäftes aufgereiht und wollen daran verdienen.

Dies sind neben den Netzbetreibern, die - ob selber Verkäufer oder nicht - auf jeden Fall an der Transportdienstleistung verdienen. Dies seien im Durchschnitt etwa 35 Prozent des Kaufpreises.

Weitere Nutznießer des Geschäftes sind die Gema als Wächterin der Urheberrechte und die Künstler selber, wenn es sich um Originalfassungen der Stücke handelt. Am Ende wolle dann auch der Anbieter noch etwas an dem Verkauf des Klingeltones verdienen. Hier seien allerdings die Margen meist relativ gering, was die Branche in den Massenmarkt zwinge, um wirklich Geld zu verdienen.

Spiele und Musik sind Wachstumsfelder

Als künftige Wachstumsfelder nennt Pöpperl das Geschäft mit den Handy-Spielen. Allerdings rechnen Branchenbeobachter von Jupiter Research erst für das Jahr 2010 damit, daß dieser Umsatz das heutige Umsatzniveau der Klingeltöne erreicht.

Auch für den Musikdownload auf das Handy gibt es nach ihrer Ansicht 2005 bessere Chancen, da die neue Generation von Mobiltelefonen jetzt mit den notwendigen Abspielmöglichkeiten ausgestattet sei und die UMTS-Netze die erforderliche Übertragungskapazität bereitstellen würden.

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