Die Handy-Ortung mit Hilfe von Funkzellen oder GPS gibt es schon länger. Dabei wird ermittelt, wo sich der Nutzer eines Mobiltelefons gerade aufhält. Nun ist die Björn-Steiger-Stiftung in diesen Markt eingestiegen und will das Thema mit einem umfangreichen Paket und eigener Hardware neu angehen. Es soll um die Sicherheit von Kindern gehen. Mit einem besonderen GPS-Handy „wissen Sie immer, wo sich Ihr Kind befindet - zu jeder Tageszeit. Mit Internet, Wap oder SMS können Sie die Position Ihres Kindes mit einer Genauigkeit von bis zu 5 Meter abrufen“.
Doch so einfach und zuverlässig ist das Ganze nicht, worauf auch die Stiftung hinweist. Der GPS-Empfang funktioniert nicht in geschlossenen Räumen und in manchen engen Großstadtschluchten nur unzuverlässig. Und dann wirft die Ortung als solche noch einige Fragen auf: Will man sein Kind heimlich ausforschen? Und wie vermittelt man, dass es kein handelsübliches Handy bekommt, sondern ein Spezialgerät? Soll man dem Kind erzählen, dass das I-Kids-Handy der Björn-Steiger-Stiftung einen eingebauten GPS-Empfänger hat, der sogar dann weiterarbeitet, wenn das Gerät ausgeschaltet wurde? Wie erklärt man, dass dieses Handy zwar witzig aussieht, aber nur die Wahl von vier Rufnummern erlaubt, welche die Eltern festgelegt haben, und keinen SMS-Versand beherrscht?
Zunächst zur Hardware. Das Kinderhandy kostet ohne Kartenvertrag 150 Euro, mit einem solchen ist es für „0 Euro“ erhältlich. Teuer ist die Monatspauschale: 30 Euro sind für das erste Kind zu zahlen, 20 Euro für jedes weitere. In der Gebühr sind eine Kinderunfallversicherung, eine Auslandskrankenversicherung und andere Leistungen enthalten. Besser nimmt man das Light-Paket ohne Schnickschnack für 10 Euro im Monat.
„Panik“-Taste für Notfall
Das kleine und leichte Handy (8 x 5 x 1,5 Zentimeter ohne die Antennen, 62 Gramm) hat ein schlichtes Monochromdisplay und ist wirklich einfach zu bedienen. Nur eine der Tasten 1 bis 4 drücken, schon baut sich das Gespräch zu den vorgegebenen Rufnummern auf. Eine Wippe an der linken Seite führt in ein Menü, das eigentlich überflüssig ist. Anrufe und SMS lassen sich von jedermann empfangen. Durch Drücken der „Panik“-Taste werden nacheinander die vier gespeicherten Rufnummern gewählt. Ist niemand erreichbar, stellt das Handy automatisch eine Freisprechverbindung zu einem Call-Center der Stiftung her, das dann beispielsweise die Polizei oder Feuerwehr alarmiert. Die rückseitige Abdeckung des Handys ist so konstruiert, dass sie sich nicht ohne weiteres abnehmen lässt.
Die Inbetriebnahme und Registrierung des Kindertelefons erfolgen im Internet auf einer geschützten Seite, die Java erfordert. Dabei sind nicht nur Benutzername und Kennwort einzugeben, man braucht zusätzlich einen „Token“, der auf Knopfdruck einen achtstelligen Schlüssel erzeugt. Ohne diese Mischung aus Hard- und Software kommt niemand an die privaten Daten. Man gibt im Internet nicht nur die vier Rufnummern ein, sondern kann auch drei individuelle Bewegungsräume für das Kind festlegen, etwa Schule, Spielplatz und Freund. Jeder hat einen Radius von etwa fünf Kilometer rund um eine eingegebene Adresse. Anders ausgedrückt: Ist der Spielplatz des Kindes im Frankfurter Westend, schlägt das System erst Alarm, wenn das Stadtgebiet Richtung Eschborn oder Offenbach verlassen wurde.
Wie funktioniert das Ganze in der Praxis?
Der Radius ist also viel zu groß. In der Standardversion wird man beim Verlassen vom Call-Center der Stiftung angerufen, in der Light-Variante gibt es nur eine SMS aufs eigene Handy. Ein weiterer Parameter ist die Überwachungszeit: Der Service arbeitet maximal 12 Stunden am Tag und keine Minute länger. Auch das ist im Falle einer Entführung nicht besonders sinnvoll. Und wie funktioniert das Ganze in der Praxis?
Wir steckten das Gerät in die Aktentasche und überwachten uns einige Tage selbst. Bei gutem Satellitenkontakt wird alle 5 Minuten die aktuelle Position aufgezeichnet. Da der eingebaute GPS-Empfänger sehr empfindlich ist, funktionierte das sogar aus der Tasche im Kofferraum heraus. Auf der Internetseite von I-Kids wird der aktuelle Aufenthaltsort mitsamt Karte eingeblendet. In der Aufzeichnungshistorie, die bis zu einem Monat zurückreicht, sieht man für jeden Tag im Monat die erfassten Orte. Auf dem Weg zur Arbeit beispielsweise die Position des Fahrzeugs mit Datum und Uhrzeit (allerdings nicht mit Geschwindigkeit). Wir parkten unser Auto eine halbe Stunde lang in Sachsenhausen. Anschließend sahen wir fünf rote Kringel rund um den Parkplatz mitsamt Datum und Uhrzeit. Die Ortung ist sehr exakt, wich um maximal 20 Meter vom realen Standort ab. Das alles funktioniert also prima und lässt sich dank Internetanzeige leicht handhaben. Dass man die Daten sogar via Wap mit dem eigenen Handy abrufen kann, ist ein netter Zusatz.
Hält sich das Kind draußen auf, ist also sehr gut nachzuvollziehen, wo es gerade war - oder ist. Dazu lässt sich manuell der aktuelle Ort abfragen. Auch kann man aus der Differenz zweier Aufzeichnungspunkte seine Schlüsse ziehen: dass es zwei Stunden beim Freund in der Gartenstraße im Haus war oder sich mit einem schnellen Verkehrsmittel innerhalb der fünf Minuten etliche Kilometer zwischen Punkt A und B bewegt hat. Im Fall einer Entführung kann das Kind mit Hilfe des Handys einen Notruf absetzen - jedenfalls theoretisch. Nehmen wir an, der Kidnapper übersieht das Gerät, lässt sich der weitere Weg des Kindes nachvollziehen. Zumindest so lange, bis der Akku nach anderthalb Tagen leer ist, wenn er zuvor voll aufgeladen war. Wenn es mehr Videoüberwachung auf öffentlichen Straßen gäbe, könnte man sogar das Fahrzeug identifizieren, das zu bestimmten Uhrzeiten an bestimmten Plätzen war. Aber das ist in Deutschland nicht gewollt.
Keine hundertprozentige Sicherheit
Es bleibt jedoch der grundsätzliche Zweifel, was man dem überwachten Nachwuchs mitteilt. Kennt das Kind die GPS-Funktion, wird es das Handy sicherlich nicht auf dem Weg zum verbotenen Besuch des Hauptbahnhofs mitnehmen, sondern an die Seite legen. Alles in allem gibt es keine hundertprozentige Sicherheit. Das I-Kids-Handy eignet sich auch sehr gut für die Überwachung von Erwachsenen, etwa dem Ehe- oder Lebenspartner. Ist er wirklich jeden Mittwochabend beim Sport? Einfach nur das Gerät im Kofferraum verstecken, schon weiß man, wohin das Auto fährt und wo es längere Zeit geparkt hat. Dass hier rechtliche Bedenken aufgeworfen sind, ist ein anderes Thema.
Diese Art der Nutzung spricht die Internetseite www.ehebruch24.de ganz offensiv an. Hier und bei anderen Ortungssystemen kommt kein GPS zum Einsatz, sondern die Lokalisierung durch das Mobilfunknetz. In welcher Funkzelle ist der Gesuchte gerade eingebucht? In Ballungsräumen lässt sich eine Genauigkeit von einigen hundert Metern erreichen, auf dem Land sind es Großräume mit mehreren Kilometern Radius. Das kann für manche bohrende Fragen schon ausreichend sein. Die Ortung in den Mobilfunknetzen funktioniert mit Vodafone, E-Plus und O2. T-Mobile lässt sie nicht zu. Auch muss bei „Ehebruch 24“ der zu Ortende sein Einverständnis mit einer SMS erteilen. Der Spaß kostet 1 Euro je Abfrage, ohne Einrichtungs- oder Grundgebühr. Für die Überwachung von Kindern ist er natürlich auch geeignet, wenngleich hier keine dauerhafte Aufzeichnung, sondern nur eine einmalige Momentaufnahme entsteht. Ein ähnliches Angebot bietet „Track your kid“ (www.trackyourkid.de). Ein Premium-Paket mit einjähriger Vertragslaufzeit kostet 10 Euro für die Einrichtung und 36 Euro Jahresbeitrag. Darin sind 20 Ortungen enthalten, jede weitere kostet 35 bis 50 Cent. Für ein zweites Paket ohne Vertragsbindung verlangt der Anbieter 20 Euro Einrichtungsgebühr plus Ortungskosten zwischen 75 Cent und einem Euro.
Weitere Produkte mit GPS-Ortung sind beispielsweise für die Lokalisierung teurer Maschinen oder Autos gedacht. In vielen Leihfahrzeugen kommen sie zum Einsatz. Etwa der GPS-Tracker von Environmental Studies (www.environmental-studies.de), ein 100 Gramm leichtes Gerätchen mit Mobilfunkeinheit und „Panik“-Taste, das um die 600 Euro kostet und mit einem zweiten Handy gesteuert wird. Eine aktuelle Positionsabfrage via Internet fehlt hier. Dafür hält der Akku zwei bis fünf Tage durch. Diese Produkte werden auch zur Ortung von Hunden oder telemetrischen Überwachung von Wildtieren eingesetzt. Bergwanderer, Drachen- und Gleitschirmflieger nutzen kleine GPS-Boxen, die lediglich den zurückgelegten Weg aufzeichnen und sich später am PC auslesen lassen, und neuerdings gibt es von Sony einen nur 55 Gramm leichten GPS-Stöpsel CS-1, um den Aufnahmestandort von Fotos zu dokumentieren. Das 130-Euro-Gerät muss nicht einmal an der Kamera angeschlossen sein, sondern kann auch am Gürtel des Fotografen befestigt werden. Es ermittelt seinen Standort alle 15 Sekunden und sichert die Daten in einem eingebauten 31-Megabyte-Speicher. Der Akku soll 14 Stunden durchhalten.