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GMX und Web.de Endspurt um den Online-Brief

06.07.2010 ·  Die Mail-Anbieter GMX und Web.de bieten jetzt die ersten Adressen für geschützte E-Mails an. Aber bei der Vermarktung hat die Post die Nase vorn. Unternehmen und Behörden hoffen auf gewaltige Einsparungen beim Versand ihrer Briefe.

Von Helmut Bünder und Holger Schmidt
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Das Rennen ist eröffnet: Von heute an können sich Internetnutzer für die neuen, rechtssicheren De-Mail-Adressen bei den E-Mail-Dienstleistern GMX und Web.de vorab registrieren. Dabei ist Eile angesagt: Wer zuerst kommt, kann sich seine Wunschadresse wie Peter.Mueller@GMX.De-Mail.de sichern – egal, ob ein ganz anderer Peter Müller schon die Adresse Peter.Mueller@gmx.de besitzt. Bis er den neuen Service nutzen kann, muss sich Peter Müller allerdings noch einige Monate gedulden – es sei denn, er meldet sich kommende Woche bei der Deutschen Post an: Als erster deutscher Anbieter wird sie am 14. Juli ein Portal für den elektronischen Brief freischalten, um ihren „E-Postbrief“ auf den Markt zu bringen. Das von GMX, Web.de und Deutscher Telekom gemeinsam entwickelte Konkurrenzprodukt soll dagegen erst Anfang kommenden Jahres marktreif sein.

Technisch sind die beiden Systeme praktisch identisch. Beide arbeiten mit einer Verschlüsselungstechnik, die ein Mitlesen der digitalen Briefe unmöglich machen soll. Im Gegensatz zu einer normalen E-Mail lassen sich die Adressen den Nutzern zweifelsfrei zuordnen. Dafür müssen sich die Teilnehmer authentifizieren. Das können Dienstleister erledigen, die an die Haustür kommen, um sich einmal den Personalausweis zeigen zu lassen. Oder man geht zu einer Postfiliale, zückt dort den Ausweis und meldet sich an. Mittels Versand- und Empfangsbestätigungen können die E-Mail-Dienstleister und die Post dann garantieren, dass sie die Nachrichten entgegengenommen, transportiert und ins Postfach des Empfängers zugestellt haben.

„Wichtiger Schritt, den gesamten Postverkehr zu digitalisieren“

„Die De-Mail ist ein wichtiger Schritt, den gesamten Postverkehr zu digitalisieren“, sagt Jan Oetjen, der bei United Internet für die Portale Web.de und GMX zuständig ist. Die Vorteile für die Nutzer liegen auf der Hand: Viele Anwendungen, die sich im Internet bisher aus Sicherheitsgründen verbieten, könnten ihren Weg in die elektronische Kommunikation finden. Statt zum Beispiel dicke Aktenordner mit Arztrechnungen, Schreiben an die Krankenversicherung und Abrechnungsbelegen zu füllen, ließe sich der Papierkrieg einschließlich Überweisung der Rechnungen am Computer erledigen und dort aufbewahren. Für den privaten Nutzer ist der Service kostenfrei. „Es gilt das Verursacherprinzip: Wer sendet, zahlt“, sagt Jens Mayer, der Projektleiter der Telekom für De-Mail. Ob das auch für die von der Telekom geplanten Archivierungsdienste gilt, lässt er offen. Die Telekom werde einen „De-Mail-Safe für die sichere Ablage“ anbieten, auf den die Kunden auch mobil zugreifen könnten, kündigt Mayer an.

Unternehmen und Behörden hoffen auf gewaltige Einsparungen beim Versand ihrer Briefe. „Eine De-Mail kostet am Ende etwa 15 Cent; die Vollkosten für einen Standardbrief einschließlich Papier, Druck und Versand etwa 65 Cent“, sagt Oetjen. Die Anbieter konkurrieren um einen riesigen Markt. Mayer schätzt, dass in Deutschland rund 10 Milliarden Briefe im Jahr, die Hälfte der gesamten Korrespondenz, für den digitalen Weg in Frage kommen. Diese Erkenntnis treibt die Post zur Eile an. Wie die digitale Adresse für den E-Postbrief lauten wird, will Briefvorstand Jürgen Gerdes erst kommende Woche verraten. Fest steht bisher nur eins: De-Mail als Namensbestandteil wird es nicht geben. Die Post will ihr Produkt klar abgrenzen, sowohl von der ungeschützten E-Mail als auch von der Konkurrenz. Und sie will die Nase vorn haben. Denn wer am schnellsten die kritische Größe überspringt, könnte bald den ganzen Markt beherrschen.

65 Prozent aller E-Mail-Postfächer in Deutschland

Beide Blöcke versuchen daher schon vor der Markteinführung, möglichst viele Großkunden auf ihre Seite zu ziehen. Die Post hat sich den ADAC mit seinen 16 Millionen Mitgliedern gesichert, dazu große Versicherungen wie Zurich und Allianz sowie die Deka-Bank. Auch Lotto-Hessen steht auf der Liste – mit dem Angebot an die hessischen Lottospieler, dass sie mit Hilfe des E-Postbriefs ihren Tippschein elektronisch abgeben können.

Die E-Mail-Anbieter wiederum reklamieren für sich den Vorteil, über 65 Prozent aller E-Mail-Postfächer in Deutschland zu verfügen, die von den Nutzern sowieso aufgesucht würden. Die Post, im Gegensatz zur Telekom bisher von größeren Datenskandalen verschont, setzt dagegen vor allem auf den Faktor Vertrauen: Sie profitiert vom Nimbus des Briefgeheimnisses, das bei ihr auch im Internet in den besten Händen sein soll.

Um ihren zeitlichen Vorsprung zu halten, nimmt die Post in Kauf, dass die versprochene Rechtsverbindlichkeit zunächst Lücken aufweisen wird. Denn das „Bürgerportalgesetz“, das die Voraussetzungen für einen rechtssicheren elektronischen Schriftverkehr auch mit Ämtern und Behörden schaffen soll, wird voraussichtlich erst Ende des Jahres in Kraft treten. „Wir werden ein rechtsverbindliches Produkt anbieten, weil wir es nach den strengen Richtlinien des kommenden Gesetzes zertifizieren lassen“, verspricht Telekom-Manager Mayer.

Lücken bei amtlichen Schriftstücke und gerichtlichen Unterlagen

Zumindest nach außen hin lässt sich die Post davon nicht beeindrucken. „Der E-Postbrief nimmt die meisten Lösungen des Gesetzes schon vorweg. Und auch die Post orientiert sich sehr eng am weiteren Gesetzgebungsverfahren“, betont ein Sprecher. In der ganz überwiegenden Mehrheit aller privaten Rechtsgeschäfte könne die E-Post dank gesicherter Identitäten und verlässlicher Zustellung sofort umfassend genutzt werden. Lücken sehen Juristen jedoch etwa bei der förmlichen Zustellung amtlicher Schriftstücke und gerichtlicher Unterlagen.

Weil ein Drittel der deutschen Haushalte noch nicht online ist, planen die United-Internet-Portale ebenso wie die Deutsche Post auch eine Hybridlösung. Dabei können die Nutzer einen Brief im Internet gestalten, der dann von Dienstleistern ausgedruckt, in einen Umschlag gesteckt und zugestellt wird. Ein Hybrid-Brief von GMX und Web.de soll 54 Cent kosten, einschließlich Kuvertierung und Zustellung bis in den Briefkasten. Das ist ein Cent weniger als das Porto für einen Standardbrief der Post. United Internet attackiert damit deren Kerngeschäft, was sich die Telekom mit Rücksicht auf ihren Schwesterkonzern und Großkunden nicht traut. Pikanterweise werden die Konkurrenten wohl einen Teil ihrer Hybridbriefe durch die Post zustellen lassen müssen: Bisher schaffen es ihre Kooperationspartner noch nicht, jeden Briefkasten in Deutschland anzusteuern.

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Jahrgang 1957, Wirtschaftskorrespondent in Bonn.

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