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Gesichtserkennung bei Facebook Gesucht, erkannt, verlinkt

 ·  Wer war wann wo? Facebook spürt seinen Nutzern ab sofort auf allen Fotos nach. Die automatische Gesichtserkennung ist nun auch bei allen Mitgliedern in Deutschland aktiviert - ohne dass es den Nutzern vorher mitgeteilt wurde.

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Jeden Tag hinterlassen Facebook-Nutzer über 100 Millionen sogenannte Markierungen auf Fotos, das heißt, sie identifizieren die Personen, die auf dem Foto abgebildet sind. Das ist eine der wichtigsten und beliebtesten Funktionen im weltgrößten sozialen Netzwerk. Bisher galt: Person A lädt ein Bild hoch, beispielsweise von einer Feier, und verlinkt die Personen B, C und D darauf, indem er ihre Namen eingibt und speichert. Diese Markierungen führen auf die Profile von B, C und D.

Facebook will den Nutzern diese Arbeit jetzt abnehmen. Ab sofort versucht das System mittels einer Software zu erraten, wer auf einem hochgeladenen Foto zu sehen ist. Wird ein Bild ins Netz gestellt und ein Freund darauf erkannt, wird dem Nutzer vorgeschlagen, diesen zu markieren. Damit fällt die „lästige Pflicht“ weg, wie es im Facebook-Blog heißt, eine Person dutzende Male auf jedem Foto einzeln zu markieren.

Seit Oktober haben die Techniker bei Facebook an der Gesichtserkennung getüftelt, nun wurde die Funktion flächendeckend installiert. „Wenn Sie oder ein Freund neue Fotos hochladen, verwenden wir eine Gesichtserkennungssoftware - ähnlich wie bei vielen Fotobearbeitungsprogrammen - um Ihre neuen Fotos mit anderen zu vergleichen. Wir gruppieren ähnliche Bilder und schlagen, wenn möglich, den Namen des Freundes vor“, heißt es im Blog. Anstatt den Namen für jedes Foto erneut einzutippen, müsse der Nutzer die Einstellung nur einmal speichern und die Person sei auf allen Bildern eines Albums markiert.

Facebook versieht die Bilder also nicht selbst mit Markierungen, sondern fordert die Freunde des Abgebildeten dazu auf. Dennoch dürfte die Bereitschaft der Mitglieder, vom System vormarkierte Bilder freizuschalten größer sein, als wenn man jeden Freund manuell markieren muss.

„Online-Privatsphäre heimlich untergraben“

Das System erlaubt es wie gehabt, einmal vergebene Markierungen mit einem Klick zu entfernen. Wer will, dass ein Foto, auf dem er zu sehen ist, vollständig entfernt wird, muss das aber mit dem Nutzer klären, der es eingestellt hat. Löschen kann man bei Facebook nur Fotos, die man selbst hochgeladen hat.

Die Freischaltung der automatischen Gesichtserkennung hat bereits Datenschützer auf den Plan gerufen. „Wieder einmal scheint es, dass Facebook die Online-Privatsphäre seiner Nutzer heimlich untergraben hat“, schrieb Analyst Graham Cluley im Unternehmensblog der Sicherheitsfirma Sophos. Marc Rotenberg, Präsident der gemeinnützigen Interessengruppe Electronic Privacy, kritisierte, dass Facebook-Mitglieder nicht die Möglichkeit hätten, selbst zu entscheiden, ob sie den neuen Service nutzen wollten oder nicht. Die Gesichtserkennung werde stattdessen automatisch aktiviert.

Weder gefragt, noch informiert

Wer nicht auf Fotos erkannt werden möchte, muss sich durch die Privatsphäre-Einstellungen wühlen: Über Konto (rechts oben) die Privatsphäre-Einstellungen anklicken und „benutzerdefinierte Einstellungen“ (unten links, blau unterstrichen) wählen. Neben „Freunden Fotos von mir vorschlagen“ gibt es den Button “Einstellungen bearbeiten“, wo man die Funktion sperren kann. „Wenn ein Foto nach mir aussieht, meinen Namen vorschlagen“ steht ganz klein darunter. Facebook hat seine Nutzer bei der Einführung der Gesichtserkennung weder gefragt, noch informiert, sondern sie kommentarlos in die Privatsphäre-Einstellungen integriert. Genau wie die „Umgehende Personalisierung“ vor ein paar Monaten.

Mittlerweile sind über 20 Millionen Nutzer allein in Deutschland bei Facebook aktiv, weltweit zählt das Netzwerk 600 Millionen Mitglieder. Wieviele davon wohl automatisch auf Fotos erkannt werden wollen?

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