24.08.2007 · Die Verkäufe für die Playstation 3 von Sony sind hinter allen Erwartungen zurückgeblieben. Jetzt versuchen die Japaner mit Zusatzgeräten, ihre Produkte attraktiver zu machen. Ob die Strategie Früchte tragen wird, bleibt fraglich.
Von Holger Schmidt„Steh auf, wenn du am Boden liegst … es wird schon irgendwie weitergehen“, rockt Campino von den Toten Hosen. Nicht in einem Konzertsaal, sondern auf der Pressekonferenz von Sony auf der Games Convention in Leipzig, wo die Band neue Titel für das Karoake-Spiel „Singstar“ vorstellt. Der Song der Toten Hosen könnte auf Sony nicht besser zutreffen: Viele neue technische Funktionen sollen Sonys Hightech-Konsole Playstation 3 nach ihrem enttäuschenden Verkaufsstart den dringend benötigten Schwung geben.
Vom kommenden Jahr an kann die Konsole mit Hilfe eines Zusatzgerätes digitales terrestrisches Fernsehen (DVB-T) empfangen und die Sendungen direkt auf der Festplatte speichern, kündigte der Vorstandsvorsitzende der Sony-Spielesparte in Europa, Peter Reeves, in Leipzig an. Das Zusatzgerät Play TV ermöglicht, einen Sender zu sehen und parallel ein anderes Programm aufzuzeichnen, sagte Reeves. Das gelte für normal auflösendes und hochauflösendes Fernsehen, obwohl Letzteres in Deutschland gar nicht über DVB-T ausgestrahlt wird. Über den Preis des Zusatzgerätes schweigt sich Sony wie gewöhnlich aus.
Nachrüsten auch bei der PSP
Sony hat seine hochgezüchtete Spielekonsole erst mit Verspätung in den Markt gebracht und ist vom großen Erfolg der neuen Nintendo-Konsole Wii überrascht worden. Um den schleppenden Verkauf anzukurbeln, hat Sony in Amerika schon den Preis des ohnehin hochsubventionierten Gerätes von 599 Dollar auf 499 Dollar senken müssen. In Europa sollen die Preise aber vorerst stabil bleiben. Stattdessen vertraut Sony auf die Zugkraft der neuen Technik und gibt sich schon einmal kämpferisch: Im August habe die Playstation 3 in Deutschland mit 8000 verkauften Geräten erstmals mit Nintendos Wii gleichgezogen, sagte Deutschland-Manager Uwe Bassendowski. Bis Ende März 2008 will Sony nach Angaben von Bassendowski eine halbe Million Playstation 3 Konsolen in Deutschland verkaufen. Derzeit stünden 125.000 Stück in deutschen Haushalten.
Zwar präsentiert Sony in Leipzig auch einige neue Spiele für Familien und bedient damit den großen Trend der Messe. Doch so ganz mögen sich die Japaner doch nicht aus der Technik-Ecke verabschieden. Denn auch die tragbare Konsole Playstation Portable (PSP), die ebenfalls gegen Nintendos Konsole DS zurückgefallen ist, erhält noch mehr Technik. Die Konsole wird leichter und kleiner, kann aber künftig noch mehr: Über einen Videoausgang können die Filme bald auch auf einem Fernseher angeschaut werden.
Vorgängermodell noch immer Zugpferd
Die Programme, die per Play TV aufgezeichnet werden, können auf die PSP übertragen werden, um auch unterwegs angeschaut zu werden. Zusätzlich wird die PSP auch noch für die Internettelefonie aufgerüstet. Eine Software namens „Go!Messenger“ ermöglicht die Internettelefonie in den Gebieten, in denen der Telekommunikationspartner BT ein Funknetz (W-Lan) betreibt. Dies sind vor allem hochfrequentierte Plätze wie Flughäfen oder Bahnhöfe. Auch den schnell wachsenden Navigationsmarkt will Sony bedienen. Mit dem Zusatzpaket „Go!Explore“ können sich PSP-Nutzer künftig durch Europa navigieren lassen.
Sony ist vom schleppenden Verkaufsstart der Playstation 3 auch deshalb so böse überrascht worden, weil das Vorgängermodell Playstation 2 mit 44 Millionen verkauften Exemplaren überaus erfolgreich war und auch weiterhin verkauft wird. „Mit der Playstation 2 haben wir das Pferd, das den Karren zieht“, sagte Bassendowski. Im achten Jahr seien in Deutschland inzwischen fünf Millionen Geräte in die Haushalte gewandert.
Der Markt wird eng für Microsoft
Branchenkenner geben Sony eine gute Chance, zumindest einen Teil des verlorenen Terrains zurückzugewinnen. „Sony kann zurückkommen. Sie können Techniken wie die Bewegungssensoren von Nintendo nachbauen und damit auch dieses Klientel bedienen. Umgekehrt hat Nintendo keine Chance, den technischen Vorsprung von Sony aufzuholen“, sagte ein Spielemanager. Auch Thomas Zeitner, Deutschland-Chef von Electronic Arts, warnt davor, Sony abzuschreiben. „Man darf die Rechenkraft der Playstation 3 nicht unterschätzen. Sobald der Preis sinkt, geht die Nachfrage hoch“, sagte Zeitner. Allerdings sind sich die meisten Beobachter auch einig, dass kein Hersteller mehr eine solch dominante Position im Konsolenmarkt wie Sony mit der Playstation 2 erreichen wird. Sony gibt sich jedoch optimistisch: „Bis zum Jahr 2010 wollen wir 140 Millionen Playstation in aller Welt absetzen“, kündigte Reeves in Leipzig an.
Schwierig wird es dagegen für Microsoft. Wenn Nintendo bei den sogenannten Freizeit- und Gelegenheitsspielern seine Marktführerschaft ausbaut und Sony in der alten Zielgruppe der jungen, männlichen Spieler vorn bleibt, ist für Microsoft in der Mitte nur wenig Platz. „Einen Wettbewerbsvorteil hat Microsoft nur bei den Online-Fähigkeiten. Diesen Vorteil müssen sie schnell ausbauen und diese Nische besetzen“, sagte ein Branchenkenner.
Eng wird es also...
Eduard Schöll (E_Schoell)
- 24.08.2007, 11:57 Uhr