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Dienstag, 14. Februar 2012
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Games Convention Abendliches Absacken mit spielerischer Unsicherheit

20.08.2008 ·  Die Spiele sind eröffnet: Auf der Games Convention in Leipzig präsentieren 500 Entwickler und Verleger von Computerspielen aus 28 Ländern ihre Neuheiten. Nahezu alle Branchengrößen wie Sony, Microsoft, Ubisoft, Konami und Electronic Arts sind vertreten.

Von René Meyer, Leipzig
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Als die deutsche Spieleindustrie vor einem Jahrzehnt einen Platz für eine eigene Leistungsshow suchte, war Leipzig nicht gerade die erste Wahl. Erst das abendliche Absacken in der berühmten Kneipenmeile Drallewatsch soll geholfen haben, Vorurteile abzubauen. Das Risiko hat sich gelohnt. Innerhalb weniger Jahre wurde aus der Games Convention eine Leitmesse von Weltrang, die 200.000 Besucher anzieht, so viele wie ihre fernöstliche Schwester, die Tokyo Game Show. Nur wohnen in deren Umfeld mehr als zehnmal so viele Spieler.

Dass es in Sachsen keine nennenswerte Spieleindustrie gibt, mag ein Widerspruch sein, war aber vielleicht ein Schlüssel zum Erfolg. Für die miteinander im harten Wettbewerb stehenden Verleger aus München, Frankfurt, Köln und Hamburg ist Leipzig neutrales Gebiet. Umsichtig wussten die Leipziger, die verschiedenen Interessen der Branche unter einen Hut zu bekommen. Das ist nicht leicht. Für einen Aussteller in der Größenordnung von Sony und Microsoft kostet die Beteiligung an einer Publikumsmesse genauso viel wie die Entwicklung eines größeren Spiels. Nintendo hat sich daher dieses Jahr entschlossen, nicht an der Games Convention teilzunehmen, sondern stattdessen kleinere regionale Shows und Auftritte auf Buch- und Automessen auszurichten, um neue Kundenschichten zu gewinnen. Mancher Hersteller wünscht sich gar keine teure Publikumsmesse mehr, sondern wäre mit einer kleinen Fachbesuchermesse zufrieden.

Von Leipzig nach Köln

Vor diesem Hintergrund ist der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) dem Werben der Kölner Messe erlegen. Im kommenden Jahr sollen seine zwölf Mitglieder, allesamt Big Player wie Sony, Electronic Arts und Ubisoft, nicht mehr nach Leipzig kommen, sondern am Rhein eine neue Spielemesse namens GamesCom aufbauen. Mit dem Kalkül, dass der Rest der Branche den Großen folgt. Der zweite große Branchenverband G.A.M.E., dem rund 70 überwiegend kleinere Unternehmen angehören, spricht sich aber gegen einen Standortwechsel aus. Angesichts der bereits auf der GC zu bewältigenden Menschenmassen stellt sich die Frage, wie man den in Köln erhofften Besucherwachstum bewältigen soll, ohne die Stände deutlich zu vergrößern, mehr Spiele-Displays aufzustellen und mehr Personal zu beschäftigen.

Dass sich die Leipziger Messe bedeckt hält, ob sie die Games Convention auch ohne den BIU veranstalten wird, sorgt für Diskussionen, die den frohen Charakter der Messe überschatten. Im Ausland sorgen die Querelen um die „Leipzig Show“ für Unverständnis und für Hoffnung, mit neuen Veranstaltungen der geplanten GamesCom entgegenzutreten. Solche Streitereien haben in den vergangenen Jahren immer wieder zum Scheitern von Spielemessen geführt, etwa bei der einstigen europäischen Leitmesse ECTS in London oder jüngst der amerikanischen E3.

500 Entwickler und Verleger aus 28 Ländern

Also schwingt Unsicherheit mit, wenn an diesem Mittwoch mit dem obligatorischen Fachbesuchertag die Games Convention ihre Tore öffnet. Bis zum Sonntag zeigen 500 Entwickler und Verleger von PC- und Konsolenspielen aus 28 Ländern ihre Neuheiten. Nahezu alle Branchengrößen wie Sony, Microsoft, Ubisoft, Konami und Electronic Arts sind vertreten. Sie fahren zweigleisig: Die Kernzielgruppe wird mit neuen Folgen bekannter Serien beglückt. Das mindert Produktionskosten - und das Risiko, der Titel könnte floppen. Und so zeigt Eidos die neueste Inkarnation von Lara Croft mit „Tomb Raider - Underworld“. Ubisoft stellt sein Ballerspiel „FarCry 2“ vor. Besonderen Ansturm dürfte der Stand von Blizzard erleben: Präsentiert wird nicht nur der Nachfolger von „StarCraft“, einem Strategiespiel, das bereits vor zehn Jahren erschienen ist und noch heute rege gespielt wird. Ähnlich gespannt wird die zweite Erweiterung von „World of WarCraft“ erwartet. Das Online-Rollenspiel hat auf der ganzen Welt mehr als zehn Millionen zahlende Abonnenten. Es hat mehr Geld eingespielt als die Filmtrilogie „Herr der Ringe“. Auf der anderen Seite führt die Vergrößerung der Zielgruppe durch die neue Generation von Party-Spielen mit Gitarren-Controllern und Bewegungssteuerung zu der Notwendigkeit, auch Gelegenheitsspieler zu berücksichtigen.

Mit der traditionellen Zweiteilung der Hallen vereint die Games Convention Geschäft und Spaß. Aufwendige Standbauten richten sich an die Kernzielgruppe, die mit Bühnenshows und ohrenbetäubendem Lärm angelockt wird. Ein Drittel der 115.000 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche gehört jedoch dem Business Center, wo viele Aussteller noch einmal Stände aufgebaut haben. Kleiner, schlichter, leiser. Mancher aufstrebende Entwickler aus dem Ausland sucht dort mit einem neuen Spiel Kontakte zu Verlegern und Journalisten, ohne sich eine teure Präsenz in der Publikumsarena leisten zu müssen.

Retro-Vereine bringen ihre alten 8-Bit-Ataris und Automaten mit

Die Abteilung „Family“ zeigt kinderfreundliche Spiele und Lernprogramme für Eltern, Familien und Pädagogen. „Art“ fasst mehrere Kunst-Ausstellungen zusammen: Das Computerspiele-Museum Berlin würdigt den dreißigsten Geburtstag des Spielhallen-Klassikers „Space Invaders“, unter anderem mit einer interaktiven Großinstallation, die das Ballerspiel gewagt mit dem Anschlag auf das World Trade Center verknüpft. Retro-Vereine bringen ihre alten 8-Bit-Ataris und Automaten mit. Wiederum gibt es die Sonderschauen zu digitalen, lebensecht wirkenden Kunstwerken sowie zu Machinima, den mit Hilfe von Spielgraphik entstandenen Filmen. Ebenfalls zeigen „Casemodder“, wie sie triste PC-Gehäuse durch aufwendige Lackierungen und Umbauten in Kunstobjekte verwandeln. Während der Games Convention findet wiederum das Deutschland-Finale der World Cyber Games statt. In dieser Welt-Olympiade des E-Sports treten Mannschaften, die sogenannten Clans, gegeneinander in populären Computerspielen um 500.000 Dollar Preisgelder an. Außerhalb des Messegeländes findet das Open-Air-Festival „Freestyle“ statt, das Zeltplätze für jugendliche Messebesucher bietet – ein Funsport-Areal und ein Abendprogramm für die Zeit nach Messeschluss.

Wurde die GC in den vergangenen Jahren durch ein filigranes Orchesterkonzert mit Spielemusik im ehrwürdigen Gewandhaus eröffnet, öffnet sich Leipzig heute Abend Neuland: Erstmals tritt das amerikanische Multimedia-Spektakel Video Games Live in Deutschland auf. Unter der Leitung des Spielemusik-Produzenten Tommy Tallarico, Cousin des Aerosmith-Sängers Steven Tyler, werden zwei Dutzend Stücke zu klassischen wie aktuellen Spielen wie "Myst" oder "WarCraft" aufgeführt, teilweise durch ein Orchester, teilweise vom Band, unterlegt durch Videoclips mit Spielemotiven. Video Games Live hatte bisher rund fünfzig Auftritte, überwiegend in den Vereinigten Staaten, und will 2009 durch Deutschland touren.

Asien ist Europa um Jahre voraus

Als eigenständige Veranstaltung etabliert hat sich die Entwicklerkonferenz GCDC, die bereits seit Montag tagt. In zahlreichen Vorträgen wird diskutiert, wie computergesteuerte Charaktere intelligent agieren oder wie man mit Werbung in Spielen Geld verdienen kann. Branchenveteranen wie Bob Bates, der bereits in den 80er Jahren an Spielen für die legendäre Schmiede Infocom arbeitete, sind eher für Visionen zuständig.

Während die Zukunft der GC in der eigenen Stadt unbestimmt ist, arbeitet Leipzig an der Internationalisierung der Marke. Bereits vor einem Jahr fand in Singapur die erste GC Asia statt, mit 70.000 Besuchern. In vier Wochen wird die Veranstaltung wiederholt, mit der bewährten Dreiteilung aus Publikumshalle, großem Business Center und Entwicklerkongress. Ebenso wie in Europa macht asiatischen Entwicklern die kulturelle Vielfalt zu schaffen - soll ein Spiel flächendeckend in Fernost erscheinen, muss es mühsam an landestypische Eigenheiten und vor allem an Sprachen wie japanisch, chinesisch oder vietnamesisch angepasst werden. Auch die deutsche Spielebranche verspricht sich von Kontakten zum asia-pazifischen Raum Vorteile. Sie öffnen neue Vertriebskanäle in ein Gebiet, in dem vierzig Prozent der weltweiten Spieleumsätze getätigt werden, von denen nur ein Bruchteil in Europa erscheint. Gleichzeitig ist Asien in Gebieten wie Online- und Handyspielen Europa um Jahre voraus.

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