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Facebook Aigners Eigentor

06.04.2010 ·  Deutschlands Verbraucherministerin legt sich mit Facebook an. Das hätte Aigner besser nicht getan. Ihre Behauptungen kann sie nicht belegen. Zudem braucht der Verbraucher direkte Hilfe: Wie finde ich meine Privatsphäre bei Facebook?

Von Marco Dettweiler
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Ilse Aigner sollte ihre Mitgliedschaft bei Facebook kündigen. Sie hat in ihrem „Offenen Brief an Marc Zuckerberg“ bereits mit ihrem Austritt gedroht, falls das soziale Netzwerk ihren Forderungen nicht nachkommt. Facebook müsse „seine Firmenpolitik ändern“ und „eklatante Missstände“ beheben. Aigner nennt als Beispiel für einen solchen Missstand, dass „persönliche Profile automatisch an Dritte weitergegeben“ werden. Dieser ergibt sich angeblich aus der neuen Datenschutzrichtlinie, die Facebook angekündigt hat und in wenigen Tagen einführen will. Das Problem ist nur: So steht das in der Datenschutzrichtlinie nicht drin und die Aussage ist somit falsch. Facebook kann den Brief getrost ignorieren.

Eigentlich sollte Aigner die Verbraucher mit aller Macht auf löchrige Datenschutzbestimmungen in sozialen Netzwerken hinweisen. Sie müsste unmittelbar Mitglieder sozialer Netzwerke wie Facebook davor schützen, dass deren Daten nicht ohne deren Zustimmung an die Öffentlichkeit gelangen. Es kann allerdings nicht ihre Absicht sein, Marc Zuckerberg in einem Offenen Brief anzugreifen. Damit ist dem Facebook-User nicht geholfen. Weil sie nun aber einen vermeintlichen Eklat inszeniert, der ihre Fürsorge beweisen soll, verfehlt Aigner ihren politischen Auftrag. Ihre Drohung, die Mitgliedschaft bei Facebook zu kündigen, ist albern. Facebook braucht Aigner nicht.

Mündig oder nicht mündig?

Es geht hier vielmehr um die viel geführte Diskussion, wie mündig ein Verbraucher sein muss und wann der Staat eingreifen soll. Kompetente Facebook-Nutzer wissen längst, wie und wo sie auf der Webseite ihre Privatsphäre schützen. Die Änderung und die darauffolgende Kritik an Facebooks Datenschutzrichtlinie ist fast ein halbes Jahr alt. Die Änderungen, auf die sich Aigner bezieht, sind im Vergleich zu den vorherigen marginal. Eines steht fest: Die „Facebook Site Governance“ könnte in der Tat verbraucherfreundlicher sein. Aber der Nutzer hat alle Möglichkeiten, seine Privatsphäre privat zu lassen. Allein im Universum der angemeldeten Facebook-Nutzer muss er unter anderem zeigen, wie er heißt, wie sein Geschlecht ist und wo er wohnt.

Der mündige Verbraucher muss aktiv sein. Das gilt gerade in der digitalen Welt. Nicht nur soziale Netzwerke, sondern jegliche Programme, die man installiert, setzen voraus, dass man die Einstellungen im Nachhinein kontrolliert. Nutzt man den Computer bewusst, wird Google nicht zur Datenkrake und Facebook nicht zum Datenpool für Dritte. Ilse Aigner muss sich also um die unmündigen Verbraucher kümmern. Diese erreicht sie aber beileibe nicht durch einen solchen Offenen Brief. Aigners Worte werden in einer Gemeinschaft diskutiert, die sich bestens auskennt mit den Fallen des Internet.

Sagt uns, wo die Häkchen sind

Ilse Aigner und ihr Ministerium sollen den Verbrauchern erklären, wo man in Facebook die richtigen Häkchen setzt. Die Datenschutzrichtlinie des sozialen Netzwerkes hält die notwendigen Maßnahmen, um die mögliche Weitergabe von Daten an Dritte zu verhindern, sehr versteckt. Sie sind nicht leicht zu finden. Für nützliche Hinweise wäre jeder Verbraucher dankbar. Dass nun das Verbraucherministerium aus den neu hinzugekommenen Passagen schlussfolgert, dass „persönliche Profile automatisch an Dritte weitergegeben werden“ und man daraus eine politische Kampagne macht, ist wenig zielführend.

Facebook ist bereits gestern in einem Blogeintrag auf Kritikpunke der Nutzer eingegangen. Aigners Offener Brief war zu jener Zeit wohl noch unterwegs nach Kalifornien. Doch die Verbraucherministerin könnte sich angesprochen fühlen: „Wir teilen deine Information nicht mit Werbetreibenden, außer du sagst uns, dass wir es tun sollen. Jede gegenteilige Behauptung ist falsch.“

Die Nutzer von Facebook können nur hoffen, dass dies so richtig ist. Facebook hätte nur besser solche eindeutigen Aussagen in die Datenschutzrichtlinie gepackt und nicht nachträglich in einem Blog veröffentlicht. Dann hätte sich Ilse Aigner auf wichtigere Dinge konzentrieren können. Und wenn nun doch irgendwann herauskommt, dass Facebook ungefragt persönliche Profile automatisch an Dritte weitergibt, muss sich jeder Nutzer selbst schützen - indem er seinen Facebook-Account löscht.

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Jahrgang 1971, Redakteur in der Wirtschaft.

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