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EU-Fachleute Für Zusammenarbeit mit Google Books

 ·  Soll Europa seinen Buchbestand mit oder gegen Google im Internet zugänglich machen? Darüber streiten die EU-Staaten seit langem. Eine Expertengruppe spricht sich nun für eine Kooperation aus - unter bestimmten Bedingungen.

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hmk. BRÜSSEL, 10. Januar. Der Sprecher der Kommission, Jonathan Todd, konnte sich die Ironie nicht verkneifen, als er am Montag in Brüssel die Vorschläge der EU-Expertengruppe zur Bücherdigitalisierung vorstellte. "Die neue Renaissance" verspreche die Gruppe im Titel ihres Berichts, nicht weniger, spottete Todd. Tatsächlich zeigt der Bericht, wenn er auch keine Renaissance anstößt, zumindest, wie die EU ihre 77 Millionen Büchern digitalisieren und den Streit mit Google Books beenden kann. Seit der amerikanische Suchmaschinenanbieter 2004 sein Digitalisierungsprojekt begann, ringt die EU um eine Antwort. Die einen - zum Beispiel die Deutschen - sehen in dem Projekt Konkurrenz für das EU-Digitalisierungsprojekt Europeana, unterstellen Google unlautere Motive und warnen vor einem Informationsmonopol. Andere - Franzosen, Italiener und Österreicher - arbeiten schon mit Google zusammen.

Die Expertengruppe schlägt sich nun auf die Seite derjenigen, die in Google Books eher eine Chance als eine Gefahr sehen. Zwar sehen die drei Fachleute, zu denen die Generaldirektorin der Deutschen Nationalbibliothek, Elisabeth Niggemann, gehört, vor allem die Staaten in der Pflicht, ihr kulturelles Erbe digital zugänglich zu machen. Die Kooperation mit Privaten - also Google - müsse aber unter bestimmten Bedingungen ermutigt werden, sagte der Leiter der Gruppe, Maurice Lévy. Dass es Google trotz gegenteiliger Beteuerungen nicht um das Wohl der Menschheit geht, sondern darum, irgendwann mit Werbung oder dem Verkauf von vergriffenen Büchern Geld zu verdienen, ficht die Gruppe nicht an. Sie beuge sich der Realität: Google Books sei zu schnell und erfolgreich, um aufgehalten werden zu können. 15 Millionen der 130 Millionen auf der Welt existierenden Bücher hat das Unternehmen digitalisiert und vor einigen Wochen auf der Internetplattform E-Books veröffentlicht. Das als Antwort auf Google Books gedachte Bibliotheksportal Europeana hat wegen technischer und finanzieller Schwierigkeiten bisher gerade einmal knapp ein Drittel davon erfasst.

Kosten von 100 Milliarden Euro

Die Digitalisierung ist teuer. Auf 100 Milliarden Euro beziffern die Fachleute die Kosten für die vollständige Digitalisierung der europäischen Bücher, Fotos, Tonbänder und Archive. Diese Summe werden die Staaten nicht zuletzt wegen der Wirtschaftskrise kaum aufbringen können. Da kann Lévy noch so sehr darauf verweisen, dass die Kosten eigentlich gering sind, koste die Digitalisierung von 16 Prozent der Bücher doch nicht mehr als 100 Kilometer Straße. Zum Vergleich: Deutschland hat 2011 gerade einmal 8 Millionen Euro für den Aufbau der Deutschen Digitalen Bibliothek bereitgestellt, künftig sollen jährlich 2,6 Millionen Euro fließen. Da erstaunt es nicht, dass Bibliotheken von der Österreichischen Nationalbibliothek über die Bayerische Staatsbibliothek bis zu den Nationalbibliotheken in Rom und Florenz ihre Altbestände von Google digitalisieren lassen. Die Kosten trägt der Konzern, nutzen können die Dokumente anschließend beide Seiten.

Geht es nach der Expertengruppe, sollen solche Kooperationen künftig an neue Bedingungen geknüpft werden, auch um ein Informationsmonopol zu vermeiden. So sollen Google oder andere Konzerne künftig maximal sieben Jahre lang das alleinige kommerzielle Nutzungsrecht haben und nicht mehr bis zu 25 Jahre. Die Vereinbarungen sollen offengelegt werden und Dokumente, die urheberrechtlich nicht geschützt sind, in der gesamten EU kostenlos zugänglich sein, auch über Europeana. Zudem soll die EU-Kommission einen Rechtsrahmen erarbeiten, um zu ermöglichen, dass "verwaiste" Werke digitalisiert werden können. Das sind urheberrechtlich geschützte Bücher, deren Rechteinhaber aber nicht bekannt sind. Das betrifft knapp drei Viertel aller Bücher, sie sind vor allem aus dem 20. Jahrhundert. Dabei geht es auch darum, eine faire Entschädigung für später auftauchende Rechteinhaber zu gewährleisten. Die Kommission kündigte noch für dieses Jahr konkrete Vorschläge an.

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Jahrgang 1972, Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

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