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Erste Ansätze von Google und Facebook Surfen ohne Internetadressen?

27.03.2011 ·  Google will in seinem hauseigenen Betriebssystem Chromium die URL-Zeile ausblenden. Diese Ankündigung löste Diskussionen aus. Für Kritiker hörte sich das zunächst böse nach Kontrolle und Einschränkung an. Doch ist es das?

Von Christoph Kappes
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Als kürzlich die Idee von Google publik wurde, im hauseigenen Betriebssystem Chromium die URL-Zeile, die Adresszeile für Internetseiten, auszublenden, löste das Diskussionen aus. Dabei verwechselten viele Kritiker das Betriebssystem mit Googles Browser Chrome. Ein Browser ohne URL-Zeile? Kurz vorher hatte Google in Amerika sein Notebook CR-48 vorgestellt, das voll und ganz auf Cloud-Computing in der Google-Welt zugeschnitten ist. Auf dem CR-48 laufen lokal keine Programme, Dateien lassen sich nicht mehr im Gerät speichern - alles findet übers Internet statt, der PC hängt wie festgenagelt an und in Googles Netztechnik.

Was bedeutet es, wenn so ein Notebook mit einem voreingestellten URL-Handicap ausgeliefert würde? Auf allen Ebenen - von der lokalen Hardware über das Betriebssystem bis hin zum Browser - hätte Google dann bei den Kunden ein System lanciert, dessen Nutzung unter Kontrolle des Unternehmens steht: ein Browser mit voreingestellten Links, die Ablage aller Daten irgendwo in der Google-Cloud; und mit Cloud Print, natürlich von Google, sogar bis zum Ausdruck einer Datei auf den amerikanischen Konzern zugeschnitten.

Ein bisschen wie Carsharing

Das hört sich zunächst böse nach Kontrolle und Einschränkung an: ein geschlossenes System. Man denkt an Apple und iTunes, an die rigide Kontrolle und Verteilung von Software. Aber es mag auch positive Seiten geben: Vielleicht wird für Privatanwender nicht nur die Idee vom „Computer als Service“ wahr: ein unkomplizierter Gebrauchsgegenstand, den man nicht besitzen muss, um seine Dienstleistung zu nutzen - ein bisschen wie Carsharing. Möglich, dass schon bald spezialisierte Nutzungen entstehen, etwa für Office-Anwendungen. Auch die angesagten Tablet-PCs und Web-TV-Dienste sind ja nichts anderes als des Haushalts Dritt- oder Viert-PC und beschränken sich auf wenige Aufgaben.

Vielleicht erliegt Google langfristig der Versuchung, Softwarekomponenten verschiedener Ebenen miteinander zu verweben - was Microsoft schon länger macht: wenn etwa der vielkritisierte Internet Explorer auch dann ein fester Bestandteil des PC-Betriebssystems bleibt, wenn man einen anderen Web-Browser nutzt. Software ist also nicht nur mit bestimmter Hardware, sondern auch mit der Cloud aufs engste verbunden.

Abschied von sperrigen Links und Adresszeilen

Derweil geht Facebook ganz andere Wege. Zum einen werden Kunden und Unternehmen kostenlos auf eine Plattform gehievt, die mit jeder Verknüpfung zu anderen Profilen, mit jedem Bild und jeder Statusmeldung eine immer stärkere Bindung entfaltet. Zum anderen sammelt Facebook Milliarden „Gefällt mir“-Klicks von seinen mehr als 600 Millionen Nutzern und baut so eine einzigartige Datenbank der Internetnutzung auf. Man hangelt sich also durchs Netz mit den Empfehlungen der eigenen Freunde und mit denen der Freunde von Freunden. Auch das läuft auf den Abschied von sperrigen Links und Adresszeilen hinaus.

Vielleicht wird man in einigen Jahren kryptische URLs gar nicht mehr benötigen. Und zwar nicht, weil Google uns die URLs vermiesen und einen zur Sucheingabe treiben will, sondern weil Facebook die passenden Seiten längst in petto hat und sie umgehend im Klartext vorschlägt.

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