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Edle Mobiltelefone Der Charme des Besonderen

15.02.2008 ·  Gut aussehen sollen sie, aber zugleich die üblichen Funktionen bieten: Design-Handys sind oft eigenwillige Zwitter. Nicht immer erfüllen große Namen die Erwartungen der Kunden mit ihren Luxus-Handys. Weniger wäre meist mehr.

Von Michael Spehr
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Darf es etwas Besonderes sein? Wer sich für ein Design-Handy entscheidet, will damit ein Zeichen setzen: lieber ein hochwertiges, exklusives Gerät als das übliche billige Plastik mit vielen Funktionen und Schnickschnack. Das Handy wird zum stilvollen Accessoire und dient der Individualisierung. Es wird zum Statussymbol, das feinste soziale Distinktionen ausdrücken kann. Die Hersteller betreiben dabei eine Gratwanderung: Einerseits will man mit Design und Verarbeitungsqualität überzeugen. Andererseits hat aber niemand den Mut, den Ballast der üblichen Funktionen über Bord zu werfen, und packt dann doch viel hinein. Das Beispiel der gescheiterten Handy-Marke Xelibri mit den „Fashion-Phones“ mahnt.

So entstehen eigenwillige Zwitter, die weder in der einen noch in der anderen Richtung überzeugen. Ein Beispiel ist das Levi's-Handy. Derzeit nur beim Mobilfunkvertrieb „The Phone House“ in Münster erhältlich, und zwar besonders günstig mit Kartenvertrag (von 1 Euro an) sowie ohne Vertrag für 500 Euro. Dafür erhält man ein Handy im Format einer Zigarettenschachtel (96 × 55 × 11 Millimeter, 98 Gramm) auf dem technischen Niveau der unteren Mittelklasse. Nicht nur, dass UMTS oder Wireless-Lan fehlen. Selbst eine E-Mail-Software hat es nicht eingebaut. Zu den Pluspunkten zählen die 2-Megapixel-Kamera, 60 Megabyte freier Arbeitsspeicher und Bluetooth. Und das besondere Design? Eher Fehlanzeige. Die Einfassung aus Metall und Kunststoff wirkt weder originell noch wertig. Was das kleine Display mit einer Diagonale von 4,5 Zentimeter zeigt, holt einen nicht vom Hocker. Im Hauptmenü gibt es neun kaum zu unterscheidende und lieblos gemalte Symbole, darunter befinden sich weitere Menüeinträge in der Form schlichter Textzeilen. Alles in allem zeigt das Levi's-Handy wenig eigenen Charakter und ist für das Gebotene entschieden zu teuer.

Exklusives Äußeres

Mehr Mut zur ungewöhnlichen Form zeigt indes Bang & Olufsen mit seinem zweiten Design-Handy, das Serenata heißt. Hier ist alles anders: das rundliche, breitgezogene Gehäuse, der ausklappbare Aluminium-Standfuß auf der Rückseite und die iPod-ähnliche Bedienung mit einem Aluminium-Drehrädchen, Zifferntasten fehlen. Der Hersteller sieht das Serenata eher als Musikgerät denn als Mobiltelefon: Schiebt man die Rückseite des Geräts nach oben, kommen Stereo-Lautsprecher zum Vorschein und machen aus dem Apparat eine kleine Hi-Fi-Anlage. Das Gerät ist demnächst für 1300 Euro im Handel. Auch das schick aussehende, aber recht konventionelle Armani-Handy von Samsung ist noch nicht erhältlich. Schon länger auf dem Markt ist hingegen das Prada-Handy von LG mit großem Touchscreen und MP3-Spieler. Für den Februar ist eine neue Version in Silber (600 Euro) angekündigt.

Die besonders edlen Geräte von Nokia sind stets in der 8000er-Reihe zu finden, derzeit vier Modelle mit Schiebemechanismus. Zur hochwertigen Hülle aus Metall und Glas gibt es in den ganz neuen 8800 Arte (1000 Euro) und 8800 Saphire Arte (1150 Euro) nette Gimmicks: Durch Klopfen auf das Gehäuse wird eine Analoguhr aktiviert, und eingehende Anrufe kann man durch Umdrehen des Geräts stummschalten. Dazu kommen exklusive Klingeltöne, die von Kruder & Dorfmeister komponiert wurden.

Zu wenig Porsche

Das Motorola Razr 2 V8 in der Luxury Edition (700 Euro) ist eine Variante des bewährten V8. Sie sieht mit der Kombination aus einem 18-karätigen Goldrahmen und schwarzer Diamantschliff-Einfassung besonders schön und hochwertig aus. Doch nicht nur der seitliche Rahmen und das massive Scharnier sind vergoldet. Auf der Vorderseite rahmt eine Goldlinie das schieferfarbene Nadelstreifendesign rund um das riesige Außendisplay ein. Aufgeklappt zeigt sich auch auf der Tastatur viel Gold. Etwa bei der 4-Wege-Wippe zur Navigation durch die Menüs. Hier wurden einzelne Goldstrahlen in das runde Bedienelement gebeizt. Auch bei der Menüführung setzen die Leute von Motorola auf Luxus: Alle Symbole wurden neu gestaltet und fügen sich harmonisch in die Spannungslinie von Gold und Schwarz ein. Bei geschlossener Klappe erscheint auf dem Außendisplay eine hübsch gezeichnete Analoguhr. Die technischen Daten sind überzeugend, es ist ein schöner Apparat, der zugleich alltagstauglich ist.

Ein Porsche-Handy - da stellt man hohe Ansprüche an Design, Verarbeitungsqualität und Bedienung. Ein erster Blick auf das P 9521, das von Sagem hergestellt wird, liefert Überzeugendes: Der schlichte Quader ist aus einem Aluminiumblock gefräst, das Farbdisplay wird von Mineralglas geschützt. Der zweite Blick beim Einstecken der Sim-Karte entdeckt weniger feine Details: Die Abdeckung auf der Rückseite ist aus sehr billigem Kunststoff, die Befestigung hakelt. Das Klappgerät mit Außen- und Innendisplay erlaubt das Drehen des Bildschirms um 180 Grad, praktisch für die Kamerafunktion. Aber beim Öffnen der oberen Gehäusehälfte stellt sich abermals Enttäuschung ein: Die Mechanik wirkt billig, es fehlt Widerstand. Die Tastatur darunter ist plan, nahezu ohne Druckpunkt, was die Bedienung arg erschwert.

Ein Vier-Wege-Steuerkreuz führt in die Menüs. Schriften und Symbole wirken hochwertig, Klingel- und andere Töne nicht. Für 1200 Euro bekommt man eine Ausstattung auf Mittelklasse-Niveau: UMTS und Wireless-Lan fehlen, aber die Musik- und Videoabteilung sind auf der Höhe der Zeit. Als Internet-Browser kommt Opera zum Einsatz, Bluetooth ist ebenfalls vorhanden. Die eingebaute Kamera löst mit 3,2 Megapixel auf, die Bildqualität ist jedoch enttäuschend. Als Besonderheit hat das Gerät unterhalb der Anzeige einen Fingerabdruckscanner, wie er in vielen Notebooks als biometrischer Zugangsschutz eingebaut ist. Im praktischen Betrieb funktionierte er nicht zufriedenstellend. Zusammengefasst bietet das Porsche-Handy zu wenig Porsche. Von der Faszination des Fahrzeugs und seiner Exzellenz bis ins Detail kommt auf dem Handy nicht viel an.

Ein haptischer Hochgenuss

Alles in allem fehlt den großen Herstellern bislang die Kraft für außergewöhnliche Design-Modelle, in die man sich verlieben könnte wie in eine teure Uhr. Ein solches Gerät müsste jenseits aller aktuellen Moden aus sich selbst heraus Bestand haben. Vielleicht gibt es doch eine Ausnahme: Die Handys der Nokia-Tochter Vertu entstehen seit fünf Jahren nicht in der Fabrik, sondern in einer Manufaktur, wo sie von Hand zusammengebaut werden. Sie erfüllen höchste Ansprüche in Sachen Design und Qualität. Die Pretiosen gibt es bei ausgewählten Juwelieren, zu Preisen von 5000 bis mehr als 30.000 Euro, je nach Einfassung. Die teuersten Vertus haben ein Gehäuse aus 18-karätigem Gelbgold oder Platin. Wir wählten ein günstiges Modell, das Ascent Ti, für rund 5000 Euro mit Titangehäuse und feinem Leder an den Seiten und der oberen Rückseite.

Allein die Tastatur des Ascent besteht aus mehr als 150 Einzelteilen. Für jede Taste wird eine Edelstahl-Mischung bei hoher Temperatur und unter hohem Druck in eine übergroße Form gespritzt. Beim Abkühlen schrumpft die Masse um ein Siebtel: So entsteht das abgeschrägte Design. Jede Taste sitzt auf zwei Juwelenlagern. Insgesamt hat das Vertu 400 Bauteile. Nimmt man das Ascent Ti in die Hand, ist das zunächst ein haptischer Hochgenuss. 160 Gramm bringt es auf die Waage. Das Farbdisplay führt in ein Menü mit stilvoll gezeichneten Symbolen, die atemberaubend schön und detailreich sind. Da stimmt einfach jede Einzelheit. Vom Bildschirmschoner, der als Chronograph dargestellt ist, bis hin zu den eigens für dieses Gerät komponierten Klingeltönen. In das Vertu kann man sich verlieben, es ist ein Schmuckstück. Das Ascent Ti ist auch technisch auf der Höhe der Zeit: mit UMTS und 3-Megapixel-Kamera, einer Online-Synchronisation für private Daten, Bluetooth und Micro-USB-Buchse zum Laden. Vier Gigabyte Speicher sind üppig bemessen. Nur den Vier-Wege-Joystick unter dem Display fanden wir etwas zu schwergängig. Vielleicht lag es daran, dass wir dieses Kleinod nicht lange genug ausprobieren durften?

Quelle: F.A.Z., 12.02.2008, Nr. 36 / Seite T6
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