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Veröffentlicht: 12.04.2010, 11:45 Uhr

Ebay-Vorstandsvorsitzender im Interview „Auktionen waren nie eine Strategie"

Hinter den Kulissen baut der Vorstandschef John Donahoe den weltgrößten Online-Marktplatz radikal um. Ebay soll zu einer Plattform für Online-Händler werden. Ein Interview mit Donahoe über Milliarden-Umsätze mit iPhone-Anwendungen und das Zahlungssystem Paypal.

© Horst Wagner John Donahoe im Interview

Um Ebay ist es nur scheinbar still geworden. Hinter den Kulissen baut der Vorstandschef John Donahoe den weltgrößten Online-Marktplatz radikal um. Das Unternehmen soll zu einer Plattform für Online-Händler werden, setzt Milliarden mit iPhone-Anwendungen um und will mit seinem Zahlungssystem Paypal groß ins Geschäft mit digitalen Inhalten einsteigen.

Herr Donahoe, hat Ebay seine große Zeit hinter sich?

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Ebay war in den späten neunziger Jahren und Anfang dieses Jahrzehnts sehr erfolgreich. Aber wir haben aufgehört, Innovationen zu entwickeln. Die Welt um uns herum hat jedoch nicht aufgehört, Innovationen anzubieten. Und so haben Käufer und Verkäufer mehr Möglichkeiten bekommen. Wir haben zu wenig darauf reagiert. Als ich Vorstandsvorsitzender wurde, war mir klar, dass wir unser Geschäftsmodell aggressiv ändern mussten, was vier Jahre dauern wird. Die Hälfte der Strecke haben wir aber schon geschafft. Die ersten Resultate zeigten unsere Geschäftszahlen im vierten Quartal, die gut waren. Im vergangenen Jahr ist Ebay langsamer als der E-Commerce-Markt gewachsen; in diesem Jahr werden wir so schnell wie der Markt wachsen.

Die Besucherzahlen auf Ebay sind zwar hoch, wachsen aber nicht mehr. Wie will Ebay wieder wachsen?

Unser Fokus liegt auf dem „Sekundärmarkt“. Nehmen Sie einen Blackberry als Beispiel: Den allerneuesten Blackberry werden Sie auf Ebay finden. Aber das Angebot finden Sie auch auf Amazon oder vielen anderen Händlerseiten im Internet. Die Preisspanne ist sehr eng - vielleicht 5 bis 10 Euro Unterschied. Viele Händler haben ihren Schwerpunkt darauf gelegt, nur das jeweils neueste Produkt anzubieten. Aber das ist nicht unser Fokus. Was Sie nur auf Ebay finden, ist der neue Blackberry, der unbenutzt zurückgegeben wurde und vielleicht 20 Prozent weniger kostet. Oder das Vorgängermodell, ebenfalls neu, aber 30 oder 40 Prozent billiger als das allerneueste Modell. Andere Händler wollen es nicht mehr in ihrem Laden haben, aber auf Ebay ist das Produkt zu finden. Der Sekundärmarkt umfasst also alles, was nicht das allerneueste Produkt ist. Wir sind der Marktplatz, auf dem die Unternehmen ihre überschüssige Produktion verkaufen können. Dieser Sekundärmarkt ist ein 500-Milliarden-Dollar-Markt.

Ebay ist mit Auktionen groß geworden. Wie wichtig sind sie noch in Ebays Strategie?

Auktionen waren nie eine Strategie; Auktionen sind auch kein Geschäftsmodell. Auktionen sind nur ein Format, das für einige Produktgruppen Sinn macht, für viele andere Artikel dagegen nicht, da sich keine Preisvergleiche anstellen lassen. Wir hatten 70 Prozent Auktionen und 30 Prozent Fixpreise; ich denke, wir werden zu einer Aufteilung 70 Prozent Fixpreis und 30 Prozent Auktion kommen. Im vergangenen Jahr hatte unser Auktionsgeschäft einen Anteil von 44 Prozent. Wir stecken also in der Mitte unserer Transformation.

Ihr Neustart fällt in eine Zeit, in der in Deutschland viele klassische Händler wie die Metro mit Media-Markt und Saturn oder Tengelmann das Internet gerade zu entdecken scheinen. Wird nun die Zeit für Ebay in Deutschland härter?

Nein. Diese Unternehmen tragen zum Wachstum des Marktes bei. Das ist Wettbewerb, der viele Gewinner hervorbringt, nicht nur einen. Der Online-Markt wird aus vielen Teilsegmenten und Nischen bestehen. Ebay wird zu den Gewinnern gehören, aber auch Amazon oder Kleinanzeigenanbieter.

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