13.06.2005 · Schnell eine E-Mail-Software für zu Hause einrichten. Das geht mit zwei kostenlosen Programmen in wenigen Minuten: Thunderbird und Pegasus Mail.
Von Michael SpehrTermine, Adressen und die E-Mail: Outlook hält alles zusammen. Die leistungsfähige Windows-Software ist heutzutage auf fast jedem Bürorechner zu finden. Kaum ein anderes Programm ist so leistungsfähig und flexibel. Wer indes zu Hause nur gelegentlich seine E-Mail lesen und bearbeiten möchte, braucht nicht unbedingt das Flaggschiff.
Ein kleines, flexibles Schnellboot ist für die meisten Erfordernisse des privaten Nutzers allemal ausreichend. Wir haben zwei kostenlose Programme entdeckt, die sich dazu bestens eignen: Thunderbird ist ein Open-Source-Projekt von den Leuten, die den beliebten alternativen Internet-Browser Firefox entwickelt haben. Optik und Bedienung sind sich sehr ähnlich, auch ist das Programm nur 6 Megabyte schlank. Anlaufpunkt zum Laden der deutschen Version ist Thunderbird.
Während der Thunderbird ganz neu ist, hat Pegasus Mail von David Harris schon anderthalb Jahrzehnte auf dem Buckel. Am Anfang der neunziger Jahre gab es die erste Version unter DOS, und damit ließ sich absolut professionell arbeiten. Wir haben Pegasus Mail damals an der Universität in einem Verbund aus mehreren tausend PCs kennengelernt, und was die Software schon vor zehn Jahren leistete, war beeindruckend.
Für Privatnutzer kostenlos
Bis heute hat Harris sein P-Mail kontinuierlich weiterentwickelt, irgendwann gab er dafür sogar seinen sicheren Arbeitsplatz an der Hochschule auf. Heute gibt es Versionen für Windows und Linux, und sie sind für die private Nutzung kostenlos. Nur für die Handbücher verlangt der Neuseeländer ein kleines Entgelt. Das Windows-Programm ist via PMail als deutsche Version mit einer Größe von 4,5 Megabyte plus weiteren 1,7 Megabyte für die Sprachdatei erhältlich.
Für welches der beiden Programme soll man sich entscheiden? Thunderbird hinterläßt einen sehr frischen Eindruck und ist von der Optik her moderner. Es ist stärker auf die Bedürfnisse des Einsteigers ausgerichtet und schneller installiert. Pegasus Mail sieht ein bißchen altbacken aus, hat es aber faustdick hinter den Ohren. Die Software ist auf den Betrieb mit mehreren Nutzern zugeschnitten und beherrscht manches Detail, das man anderswo nicht findet.
Thunderbird hat den Vorteil, daß neben der E-Mail auch RSS-Nachrichten und Internet-Newsgroups unterstützt werden. RSS wird verwendet, um schnell auf Nachrichtenartikel oder deren Kurzbeschreibung zugreifen zu können, und ist sehr modern. Die Newsgroups wiederum sind eine Unterabteilung des Internets mit privaten Diskussionsforen. Hier ist Thunderbird also die Software der Wahl für den Hausgebrauch.
Integrierter Spamfilter
Bei Pegasus Mail benötigt man nach der Installation einige Minuten, um sich zurechtzufinden. Ein neues E-Mail-Konto wird unter „Datei/Netzwerkkonfiguration“ angelegt, und am besten läßt man sich von dem „Setup-Assistenten“ helfen, der anschließend erscheint, aber nur mit Pop3-Konten arbeitet. Die vielen Feinheiten von Pegasus Mail wird man erst im Laufe der Zeit entdecken, etwa die sehr geschickte Benutzerverwaltung oder die Möglichkeit, im heimischen Netzwerk kurze Nachrichten zu versenden. Ferner lassen sich Tastenkürzel für häufig benötigte Aufgaben festlegen und eine ganze Reihe von Spezialfunktionen für den professionellen Einsatz aufrufen (digitale Signaturen, Serien-Mails, sehr flexible Filter).
Beide Programme bringen einen Spam-Filter mit, der sehr ordentlich arbeitet. Pegasus Mail versteckt ihn unter „Extras/Inhaltskontrolle“, beim Thunderbird findet man unter „Extras“ die „Junk-Filter-Einstellungen“. Hier kommt ein lernfähiger Filter zum Einsatz, dessen Leistungsfähigkeit im Laufe der Zeit immer besser werden soll. Auch bei Thunderbird kann man für jedes Konto eigene Filtereinstellungen festlegen, und wer nach dem Urlaub einige hundert neuer Nachrichten vorfindet, wird sich über die Funktion „Ansicht: Im persönlichen Adreßbuch“ freuen. Mit diesem Eintrag werden nur diejenigen Mails gezeigt, deren Absender mit Thunderbird-Adreßbuch aufgeführt ist. Eine so praktische Funktion gibt es nicht einmal in Outlook. In das Adreßbuch gelangen die E-Mail-Anschriften übrigens am schnellsten, wenn man bei geöffneter Nachricht mit der rechten Maustaste auf die Adreßzeile klickt.
Schöne Alternative zu Outlook
Wer zu Hause beim Einrichten seiner privaten E-Mail-Software auf Probleme stößt, sollte als erstes die Parameter prüfen. Ein E-Mail-Konto wird entweder für das Pop3-Protokoll oder für Imap eingerichtet. Pop3 bedeutet, daß neue Nachrichten vom Server abgeholt und damit auf dem lokalen Endgerät gespeichert werden. Ist diese Prozedur erfolgreich, wird die Eingangspost in der Regel auf dem Server gelöscht. Imap hingegen ist ein Protokoll, das die Nachrichten primär auf dem Server vorhält. Man kann also im Büro und zu Hause sowie auf dem Handy die neue E-Mail lesen, weil sämtliche Post so lange auf dem Server bleibt, bis sie dort ausdrücklich gelöscht wird.
Imap ist das flexiblere Protokoll, Pop3 das einfachere. Die meisten Mail-Anbieter wie T-Online oder GMX nutzen Pop3. Imap kommt beispielsweise bei AOL zum Einsatz. Aussuchen kann man sich das Protokoll leider nicht. Jeder Server hat zwei Adressen, eine für die Eingangs- und eine zweite für die Ausgangspost. Bei AOL beispielsweise imap.de.aol.com für alles Eingehende und smtp.de.aol.com für den Versand. Zusammen mit dem Kundennamen und dem Kennwort hat man dann alle Informationen für die Einrichtung des Kontos beisammen.
Pegasus Mail und Thunderbird sind als kostenloses E-Mail-System für zu Hause eine schöne Alternative zu Outlook. Mit seiner modernen Optik gefällt uns Thunderbird etwas besser als P-Mail. Für den Einsatz im (Heim-)Büro ist zu berücksichtigen, daß zwar beide ein Adreßbuch mitbringen. Indes erreicht es nicht den Komfort von Outlook, und der gewohnte Kalender des Microsoft-Programms fehlt bei den Gratisalternativen ebenfalls.