17.08.2009 · Schon wieder ist das elektronische Postfach voll. Web.de bietet zu wenig Speicher, und T-Online verwirrt mit seinen vielen Optionen. Wo lässt man sich am besten mit seiner E-Mail nieder?
Von Michael SpehrSeit 25 Jahren gibt es die E-Mail in Deutschland, und aus der anfänglichen E-Mail-Lust ist mittlerweile Frust geworden: Man wird zugemüllt, Viren, Trojaner und andere Schädlinge landen neben dutzendfacher Reklame im Postkörbchen, und vor allem: Es wird überhaupt viel zu viel elektronisch kommuniziert anstatt sich unter vier Augen direkt auszutauschen. Die E-Mail gehört indes zur alltäglichen Kommunikation dazu, zwei Drittel aller Deutschen nutzen sie regelmäßig. In loser Folge wollen wir hier Ratschläge vor allem für Einsteiger und die private E-Mail-Nutzung geben, denn die richtigen Kniffe und Tricks ersparen manchen Ärger.
Am Anfang steht die Frage, bei wem man sein privates Postfach anlegt. Früher bezahlte man für sein Konto und ging davon aus, dass man die Adresse ein Leben lang behalten würde. Diese Idee gilt heute als kurios, viele kleine und große E-Mail-Anbieter aus alten Zeiten sind von der Bildfläche verschwunden, ständig wechseln Kollegen und Freunde ihre Adressen. Private E-Mail ist mittlerweile eine Sache der „Freemailer“, die ihre Dienste kostenlos anbieten und sich über Werbung finanzieren. Manche machen das sehr dezent, andere aggressiv und aufdringlich.
Mehrere E-Mail-Adressen einrichten
Unser erster Tipp: Man richte nicht eine, sondern mehrere E-Mail-Adressen ein. Warum? Wenn man sich irgendwo im Internet registrieren muss, auf Kleinanzeigen antwortet oder sich in Kennenlernbörsen tummelt, muss das Gegenüber gar nicht genau wissen, wer hier schreibt. Vor allem gilt das, wenn die Hauptadresse aus dem realen Vor- und Nachnamen besteht und sich der Wohnort aus anderen Zusammenhängen schnell ergibt. Auch bei unklaren Angeboten im WWW ist eine unverfängliche Zweitadresse, die keine Rückschlüsse auf die eigene Person zulässt, nicht verkehrt, – von Abofallen und Abzockseiten im Netz gar nicht zu reden. Also eine klare Sache: Für alle unklaren Gelegenheiten kommt die Zweitadresse zum Einsatz.
Doch wo soll man sich mit seiner Post niederlassen? Zusammen mit dem DSL-Anschluss erhält man bei T-Online, Vodafone oder 1 & 1 zumindest eine E-Mail-Adresse, in der fortan die elektronische Rechnung landet. Häufig gibt es noch ein bisschen Komfort dazu, etwa Speicherplatz für Fotos oder einen Spam-Schutz gegen Unerwünschtes im Postkörbchen. Die meisten DSL-Nutzer nehmen nun diese Adresse als Hauptadresse für sämtliche Kommunikation.
Nicht E-Mail-Adresse und DSL-Anschluss verheiraten
Das ist unseres Erachtens ein Fehler. Es gibt keinen nachvollziehbaren Grund, die E-Mail-Adresse und den DSL-Anschluss zu verheiraten. Im Gegenteil: Wechselt man irgendwann zu einem anderen DSL-Betreiber, ist im schlimmsten Fall die gewohnte Adresse entweder verloren, oder es gibt drastische Einschränkungen in Sachen Funktionalität und Komfort. Das E-Mail-System des DSL-Marktführers T-Online ist zudem alles andere als kundenfreundlich. Es ist unübersichtlich, man versteht kaum, welche Leistungen zum DSL-Vertrag dazugehören und welche Extras kostenpflichtig sind. Dazu kommt folgendes: Bei T-Online sind selbstverständliche Dinge wie etwa der Imap-Abruf mit Outlook oder dem Handy nicht unentgeltlich mit dabei. Also unser Tipp: Einmal im Monat bei T-Online nach der Rechnung gucken und dann die Tür schnell wieder schließen, denn dieses Wirrwarr muss man sich heutzutage nicht mehr antun.
Bei der Wahl eines alternativen Anbieters gilt die Faustregel: je größer, desto besser. Das bezieht sich zum einen auf die angebotene Postfachgröße. Web.de zum Beispiel bietet 12 Megabyte Speicherplatz. Die Mailbox ist also mit dem Empfang von drei Digitalfotos „dicht“. Auch Freenet mit 20 Megabyte scheidet sofort aus. GMX bietet 1 Gigabyte an. Aber, wie die Stiftung Warentest weiß, wird man bei Freenet, Web.de und GMX mit Werbebotschaften bombardiert, und die Reklame beschränkt sich nicht auf seitliche Einblendungen, sondern landet als Mail direkt im Postfach. Web.de ist zudem wiederholt von den Verbraucherschützern abgemahnt worden, weil sich angeblich kostenlose „Geschenke“ und „Club-Mitgliedschaften“ als Abo-Fallen entpuppten.
Kein Anbieter darf E-Mail mitlesen
Die besten und empfehlenswerten Dienste bieten 5 Gigabyte Speicherplatz und mehr. Das sind Google Mail mit derzeit 7,3 Gigabyte und dynamischer Anpassung nach oben hin, Windows Live von Microsoft mit 5 Gigabyte, die ebenfalls bei intensiver Nutzung erhöht werden, und schließlich AOL und Yahoo, die beide Speicher ohne Ende versprechen. Was bedeutet das? Wir haben mit einem Google-Postfach experimentiert. Darin befinden sich derzeit 35.000 E-Mails, die rund 5 Gigabyte beanspruchen. Geht man von privater Nutzung aus, muss man also nie wieder eine E-Mail löschen.
Je größer, desto besser: Das gilt auch in Sachen Datenschutz. Wer die E-Mail nutzt, weiß, dass sie kein geschlossener Brief, sondern eine offene Postkarte ist. Kein Anbieter darf E-Mail mitlesen (das Thema des staatlichen Zugriffs lassen wir hier außen vor). Alle Anbieter speichern jedoch die E-Mail auf ihren Servern, und sie „scannen“ jede Nachricht hinsichtlich Spam, Viren oder in Grafiken versteckten „Web Bugs“ und anderen schädlichen Komponenten. Dies geschieht natürlich maschinell. Aber, um es noch einmal zu sagen: E-Mails sind wie Postkarten. Wer sich mit diesem Prinzip nicht anfreunden kann, muss entweder auf die E-Mail verzichten oder sie durchgehend verschlüsseln, dazu in einer der nächsten Folgen mehr.
Das alles ist manchen Datenschützern ein Dorn im Auge
Google ist nun in Sachen Datenschutz in Verruf geraten. Bei Googlemail wird der Text der angezeigten E-Mail nach bestimmten Schlüsselbegriffen durchforstet, um kontextabhängige Werbung auf der rechten Bildschirmseite anzuzeigen. Wer etwa von seinem Freund eine E-Mail erhält, in der es um den Kauf eines neuen Autos geht, sieht gegebenenfalls dazu passende Auto-Reklame. Genau so, wie sich bei einer Google-Suche nach „Autokauf Neuwagen“ auf der rechten Seite Seat, Citron, Nissan und Peugeot ihr Stelldichein geben. Das alles ist manchen Datenschützern ein Dorn im Auge. Es bleibt jedoch hervorzuheben, dass der Inhalt einer E-Mail von Google genauso wenig gelesen oder ausgewertet wird wie bei anderen Anbietern und dass Google keine personalisierte Werbung als E-Mail verschickt, wie das etwa bei GMX und Web.de üblich ist. Wir meinen: Mit dieser Reklame am Seitenrand kann man durchaus leben.
Viel gefährlicher ist indes, wenn jemand unbefugt an das persönliche Kennwort eines solchen Mammutpostfachs kommt, wo dann von der Wein- und Bücherbestellung über die Rundmail des Klassenlehrers der Kinder bis hin zur Korrespondenz mit Anwälten auf einmal ein ganzes Leben mit allen Details offen liegt. Deshalb noch einmal und zum Schluss: Bitte mehrere Postfächer anlegen, etwa eins für Familie und Freunde, ein zweites für Bestellungen und Online-Dinge und ein drittes für Kontaktnetzwerke wie Twitter, Flickr oder Facebook und so weiter.