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E-Books Tausend Romane in einer Hand

05.08.2010 ·  Elektronische Bücher erobern die Welt: Sie sind klein, leicht und überall mit hinzunehmen. Die Bedienung wird immer einfacher. Bislang waren die Geräte relativ teuer. Doch jetzt sinken die Preise drastisch.

Von Nadine Oberhuber und Christian Siedenbiedel
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Die einen sehen den Untergang des Abendlandes kommen, zumindest aber das Ende der Buchkultur: Wer ein elektronisches Buch lese, sagen sie, dem fehle doch alles, was den Lesegenuss ausmache. Er hat nicht den gebundenen Einband in der Hand, schlägt nicht die raschelnden Seiten um, und er starrt nicht auf das, was Gutenberg erfunden und die Welt nach ihm perfektioniert hat, die Drucktechnik.

Unsinn, sagen die anderen, im Gegenteil: Die elektronischen Bücher regen viel mehr Menschen zum Lesen an. Wer früher in der Bahn festsaß, hatte meist nicht seinen Lieblingswälzer zur Hand, der lag ja zu Hause auf dem Nachttisch. Und wer öfter mal was Neues liest, musste ständig in die Buchläden dieser Welt tingeln. Das hat sich jetzt erledigt. Per Knopfdruck gibt es Nachschub und oft sogar das erste Kapitel gratis, damit sich die Zahl der Buch-Fehlkäufe in Grenzen hält.

FAZ.NET nennt im E-Book-Ranking: Die besten Fünf

Es ist ein Umbruch von noch nicht abzusehendem Ausmaß. Noch macht hierzulande der Verkauf von digitalen Lesegeräten gerade mal 0,1 Prozent des 9 Milliarden Euro schweren Buchmarktes aus. Der Trend könnte jetzt aber beflügelt werden: Apple bewirbt sein iPad mit viel Aufwand auch als Lesegerät für E-Books. Und der Internetbuchhändler Amazon kündigt an, Ende August komme ein Nachfolger des Klassikers Kindle auf den Markt - 15 Prozent leichter, 21 Prozent kleiner, für nur 110 Euro.

Das könnte der Digitalisierung der Bücherwelt einen Schub geben. „Angefangen hat die Entwicklung mit den Fach- und Sachbüchern“, sagt Alexander Skipis vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Für deren Leser ist es schließlich wichtig, Texte auf Stichwörter durchsuchen zu können. Und das geht am besten digital. Jedes zweite Fachbuch erscheint darum gleichzeitig mit dem gedruckten Buch als E-Book - manche sogar, noch bevor das Werk gedruckt vorliegt.

Für den Nutzer sind die E-Books dagegen kaum billiger. Aber das Lesen wird praktischer. In einer Zeit, in der er alles gleichzeitig macht, sollen Inhalte überall abrufbar sein. Deshalb überzeugten ihn wohl die ersten E-Book-Vorläufer von 1990 nicht, die waren nichts anderes als Bücher auf CD, die er nur am Computer lesen konnte. Auch die Geräte der späten 90er waren noch unhandlich. Doch was jetzt verkauft wird, könnte die Gewohnheiten ändern. „Lesegeräte wie das iPad bringen die Trendwende beim elektronischen Buch“, ist sich Buchhandelsexperte Skipis sicher. „Es hat einfach Sex-Appeal.“

Das richtige E-Book finden

Kritiker werfen ihnen vor, sie seien seelenlose Maschinen - und deshalb kaum geeignet, das Leben und Leiden echter Romanciers in sich zu tragen. In einer Hinsicht aber schlagen die Lesegeräte die Schmöker problemlos: beim Gewicht. Haben Sie etwa mit dem Gedanken gespielt, den neuen Henning Mankell und Frank Schätzing als Urlaubslektüre einzupacken? Dann machen Sie schon mal Platz im Koffer: Die Wälzer bringen zusammen zwei Kilo auf die Waage. Laden Sie beide Romane auf ein elektronisches Lesegerät, stecken Sie nur 300 Gramm zusätzlich ein.

Selbst wer beschlossen hat, Bücher auf dem schweren iPad von Apple zu lesen, kommt mit einem Drittel des Buchgewichts davon - hat dafür dann aber auch gleich einen Computer, Fotoalben und eine Musik-Abspielstation dabei (weshalb die Szene erbittert darüber diskutiert, ob man das iPad überhaupt als einen eBook-Reader bezeichnen darf).

In Sachen Handlichkeit aber, so viel ist klar, sind die elektronischen Bücher schon richtig ausgereift. Die kleinsten sind gerade einmal so groß wie ein Reclam-Heftchen. Das ist freilich wenig augenfreundlich, wenn man an die Seitengröße denkt, passt dafür aber in jede Jackentasche und fängt preislich bei 110 Euro an. Die Komfortklasse ist mindestens 15 Zentimeter groß und bringt sogar Musik unter. Und die Größten haben gerade mal die Abmessung und das Gewicht einer normalen Zeitschrift. Vorbei sind also die Zeiten, in denen die Elektrobücher bleischwer in der Hand lagen - und im Regal.

Längst meldete der Online-Händler Amazon, das Kindle eBook sei sein bestverkauftes Produkt aller Zeiten. Insgesamt sollen in diesem Jahr sechs Millionen eBook-Lesegeräte verkauft werden, allein zwei Millionen in Deutschland, so schätzen Marktforscher.

Entsprechend unübersichtlich sind die Regale schon: Immer mehr Technikfirmen bringen Modelle auf den Markt, und immer schneller folgt auf eine Generation die nächste. Was vor einem Jahr Top-Modell war, ist heute schon überholt. Noch 2009 war die Welt der Elektrobücher schwarz-weiß, jetzt kommen Farbdisplays in Mode.

Zwei weitere Techniktrends setzen sich bei E-Books immer mehr durch: Sie müssen WLAN-fähig sein. Die älteren Modelle wählen sich über Mobilfunkverbindungen ins Internet ein, um Bücher zu laden. Die neuesten erkennen das Computernetz daheim, über das sich schnell große Datenmengen schaufeln lassen. Und sie reagieren auf Fingerzeig statt auf Tastendruck. Den Maßstab dafür hat der Computerhersteller Apple mit iPhone und iPad gesetzt. Inzwischen gehört der Bildschirm, auf dem man mit einem Finger umblättern kann, auch beim Elektrobuch dazu.

Die Modelle werden zudem immer leistungsfähiger und billiger. Speicherkapazitäten von 32 Gigabyte sind die höchste verfügbare Entwicklungsstufe und werden erreicht von Apples iPad (mittlere Version, die große hat sogar 64 Gigabyte) und vom Hanvon N526. Dabei kosten die meisten E-Books nur rund 300 Euro, selbst Profigeräte. Nur die Batteriezeiten lassen sich schlecht vergleichen: Während die einen nur zehn Stunden Lesezeit versprechen, sagen andere, dass sie 16 000-mal Umblättern mitmachen. Wie lange man dafür liest, muss man eben ausprobieren.

Und eine weitere Schlacht schlägt die Branche noch: die ums Display. Während klassische E-Ink-Bildschirme aussehen wie Buchseiten und keine Hintergrundbeleuchtung haben - weshalb man sie wie jedes normale Buch im Dunkeln nicht lesen kann -, setzen andere auf selbstleuchtende Computerbildschirme. Das ermüdet schneller und birgt zumindest für Vielnutzer Gefahren für die Augen. Licht oder kein Licht, das ist also hier die Frage.

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