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Digitales Leben Das Internet spaltet die Gesellschaft

10.11.2009 ·  Medienkompetenz wird in der Informationsgesellschaft eine zentrale Bedeutung haben. Deutschland liegt im internationalen Vergleich aber zurück. Die digitale Kluft schließt sich nicht von allein, warnen Wissenschaftler.

Von Holger Schmidt
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Spätestens in zehn Jahren werden 95 Prozent der Erwachsenen in Deutschland das Internet regelmäßig nutzen. Und spätestens in 15 Jahren ist das Internet das Unterhaltungsmedium Nummer eins in Deutschland. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Umfrage unter 550 Fachleuten aus Politik, Industrie und Wissenschaft zur Zukunft der Informationsgesellschaft bis zum Jahr 2030. Als Kernaufgabe dieser Entwicklung wird gesehen, alle Menschen auf diesem Weg mitzunehmen, um die digitale Spaltung zu überwinden. „Die Kluft zwischen Gesellschaftsgruppen, die am digitalen Leben teilhaben, und denen, die hiervon nicht profitieren, gilt es zu überwinden. Und zwar in mehrfacher Sicht: zwischen Stadt und Land, jung und alt sowie zwischen Menschen geringeren und höheren Bildungsstands“, sagt Arnold Picot, Vorstandsvorsitzender des Münchner Kreises, der zu den Initiatoren der Studie gehört. Allerdings sind die befragten Fachleute skeptisch: Rund die Hälfte geht davon aus, dass die digitale Spaltung aufgrund der zunehmenden Alterung der Gesellschaft erst 2030 oder vielleicht sogar nie überwunden werden wird.

Entsprechend wird Medienkompetenz auch im Arbeitsumfeld der Menschen immer mehr an Bedeutung gewinnen. „Dabei ist die Entwicklung der Informationsgesellschaft kein Automatismus, der sich durch den rasanten technischen Fortschritt technologischer Entwicklungen und der Wissensakkumulation zwangsläufig einstellt“, warnen die Autoren der Studie. Trotz der schnellen Verbreitung des Internet und seiner Dienste, insbesondere der sozialen Medien, werde die Kompetenz zur Anwendung dieser Möglichkeiten in weiten Teilen der Bevölkerung noch nicht vorhanden sein. „Der Umgang und das Zurechtfinden der Menschen in dieser sich verändernden Lebenswelt, sei es privat oder beruflich, lässt sich als eine zentrale Herausforderung an moderne Gesellschaften und Wirtschaftssysteme formulieren“, heißt es in der Studie.

Früh an das Internet heranführen

Die gesellschaftlichen Bedingungen müssten mit den Veränderungen Schritt halten - und zwar schnell: „Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Deutschland in diesem Themenkomplex derzeit nicht zum Kreis der weltweit führenden Länder gehört.“ Die Kompetenz der Bürger im Umgang mit dem Internet und mit digitalen Daten solle von Politik und Wirtschaft gefördert werden. Auch Kinder und Jugendliche an den Schulen sollten früh an das Internet herangeführt werden, um eine verantwortungsvolle Teilnahme an der Informationsgesellschaft zu ermöglichen. Dazu gehöre auch das Schulfach Medienkunde, das überall eingeführt werden müsse.

Wichtigster Treiber der Entwicklung ist das mobile Internet. Vom Jahr 2015 an werden mehr Menschen in Deutschland das Internet regelmäßig mit Hilfe mobiler Geräte als mit stationären Computern nutzen, sagen die Autoren der Umfrage voraus. Das mobile Internet steckt in Deutschland noch in einem Stadium, den das stationäre Netz etwa im Jahr 1999 hatte: kaum Pauschaltarife, geringe Breitbandabdeckung. Doch eine neue Gerätegeneration (angeführt vom iPhone), mehr und mehr Pauschaltarife und die Einführung der vierten Mobilfunkgeneration (LTE) werden das mobile Internet schon bald zu einem Massenmarkt verwandeln. Dann werden Anwendungen möglich sein, die das stationäre Netz nicht kennt. Moderne Navigationssysteme, Ortungs- und Lokalisierungsfunktionen gehören ebenso dazu wie die Darstellung von umfeldbezogenen Informationen, die unter dem Schlagwort Augmented Reality diskutiert werden.

Eine moderne Informations- und Kommunikationstechnik wird künftig noch stärker das Innovationstempo vieler Schlüsselindustrien wie Medien, Energie, Automobil und Gesundheit bestimmen, schreiben die Autoren. Vom Jahr 2015 an werde es für drei Viertel der Mediennutzer in Deutschland normal sein, ein und denselben Medieninhalt über verschiedene Träger zu nutzen - zum Beispiel Zeitungsartikel auf mobilen Geräten, Fernsehsendungen auf dem Computer oder Internetinhalte auf dem Fernseher. Die meisten Medieninhalte werden dann auf Abruf bereitgestellt, nicht mehr als vorgefertigtes Programm.

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