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Digital Sky Technologies „Es ist, als ob man einen Teil des Internets kaufen würde“

29.08.2009 ·  Ausländische Online-Größen haben es in Russland schwer. Hier heißt der Platzhirsch Juri Milner. Seit kurzem ist er mit Digital Sky Technologies auch an Facebook beteiligt - und setzt auf weiteres Wachstum. Soziale Netzwerke sind für DST kein Neuland.

Von Gerald Hosp, Moskau
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Miller und Milner: Nur ein Buchstabe unterscheidet die beiden Namen, es liegen aber Welten dazwischen. Während der eine, Alexei Miller, dem Erdgaskonzern Gasprom vorsteht und ein bürokratisches Staatsunternehmen in einer traditionellen russischen Wirtschaftsbranche repräsentiert, verkörpert Juri Milner, einer der Gründer der Investmentgesellschaft Digital Sky Technologies (DST), das moderne Gesicht der russischen Wirtschaft. DST hat sich als einer der größten Investoren für den Internet-Markt im russischen Sprachraum etabliert. Die Gesellschaften, an denen DST beteiligt ist, vereinigen rund 70 Prozent aller Seitenaufrufe und rund 40 Prozent der Banner-Werbung im russischsprachigen Internet auf sich.

Außerhalb der russischsprachigen Welt sorgte DST für Aufsehen, als bekannt wurde, dass sich die Gesellschaft an der Social-Networking-Seite Facebook beteiligt hat. Ende Mai hat das russische Unternehmen 200 Millionen Dollar für den Erwerb von Vorzugsaktien der Gesellschaft ausgegeben und hält nun einen Anteil von knapp 2 Prozent an Facebook. DST will die Beteiligung aber noch erhöhen: Mitte Juli bot die Investmentgesellschaft den Facebook-Mitarbeitern offenbar 14,77 Dollar je Stammaktie. Insgesamt ist DST bereit, die Investition in Facebook um bis zu 100 Millionen Dollar zu erhöhen, was dann eine Beteiligung von rund 3,5 Dollar bedeuten würde. Dadurch würde das Unternehmen mit rund 6,5 Milliarden Dollar bewertet, das Ergebnis des Verfahrens wurde noch nicht veröffentlicht.

Nur über den Sekundärmarkt möglich

Facebook ist eine der meist frequentierten Webseiten der Welt, rund 225 Millionen Personen nutzen die Seite mindestens einmal im Monat. Und die Anzahl der Nutzer wächst rasant – jeden Monat um knapp 10 Prozent, überschlägt Juri Milner im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Facebook hat derzeit nur einen Haken: Es ist noch nicht klar, wie damit Geld verdient werden kann. Für dieses Jahr wird ein potentieller Umsatz von 500 Millionen Dollar kolportiert, der Break-even auf Cashflow-Basis soll im kommenden Jahr erreicht werden. Es stellt sich deshalb die Frage, ob DST nicht zu viel für den Anteil bezahlt hat. Milner verneint vehement. Microsoft habe einerseits seine 1,6-Prozent-Beteiligung zu einer höheren Bewertung erworben als DST. Andererseits sei Facebook ein spezielles Unternehmen. „Es ist, als ob man ein Teil des Internets kaufen würde“, sagt Milner Diese Besonderheit ergebe sich daraus, dass Facebook eine Plattform sei, über die sich Millionen von Nutzern das Internet erschlössen. Hunderte von Entwicklern schrieben Applikationen für Facebook, die meisten Internet-Dienste seien bereits oder würden bald über Facebook erreichbar sein. Die sozialen Netzwerke stünden zudem erst am Anfang ihres Zyklus. Sie seien die „nächste, große Idee für die kommenden zehn bis zwanzig Jahre“, schwärmt Milner.

Facebook werde zu den Gewinnern im Internet gehören, weil im Gegensatz zu anderen populären Seiten wie MySpace oder Twitter meist echte Identitäten genutzt würden, versichert Milner. Und da das soziale Netzwerk ein Internet im Kleinformat sei, werde Facebook künftig von allen Einnahmenmöglichkeiten im Internet profitieren: Werbung, Erlöse aus dem E-Commerce und Community-Produkten, Zahlungen für Premiumleistungen. Einen negativen Effekt durch eine allzu starke Kommerzialisierung befürchtet Milner nicht. Die Werbung sei zielgerichtet und deshalb relevant, was die Nutzer schätzen müssten. Derzeit sei aber die Steigerung der Nutzerzahlen wichtig, die Erlöse würden den Nutzern folgen.

DST strebe keinen Sitz im Verwaltungsrat von Facebook an, versichert er. Für ihn stünden andere Forderungen im Vordergrund. Als Beispiel nennt Milner die Möglichkeit, den Anteil zu erhöhen. DST habe großes Vertrauen in das Facebook-Management. Deshalb werde der Fokus nicht auf die Beeinflussung der Geschäftsführung gelegt. Mit Mark Zuckerberg, dem Gründer und Vorstandsvorsitzenden von Facebook, verbinde ihn eine gemeinsame Vision und Leidenschaft für neue Internet-Wege. Wenn es weitere Gelegenheiten gebe, sei – beim richtigen Preis – eine Erhöhung der Beteiligung überlegenswert. Sehr wahrscheinlich werde eine solche aber nur über den Sekundärmarkt möglich sein.

Internet-Verbreitungsrate wie in Skandinavien

Soziale Netzwerke sind für DST kein Neuland. Die Investmentgesellschaft ist schon an den Seiten VKontakte.ru und an Odnoklassniki.ru, womit sich Schulfreunde wiederfinden lassen, beteiligt. Beide Webseiten zählen zu den größten sozialen Netzwerken im russischen Sprachraum. Zum Beteiligungsportfolio gehören außerdem auch das Webportal Mail.ru mit 50 Millionen registrierten Nutzern, eine der populärsten russischsprachigen Seiten überhaupt, die Arbeitsvermittlungs-Seite HeadHunter.ru, ein Online-Spiele-Anbieter sowie der Betreiber eines elektronischen Bezahlungssystems. Dass Facebook am russischen Markt den lokalen Gesellschaften allzu viel Wasser abgraben werde, glaubt Milner nicht. Es sei eben schwierig, Nutzer von erfolgreichen Netzwerken zum Wechseln zu bewegen, weil dann auch alle Freunde und Bekannten umziehen müssten.

Russland ist außerdem ohnehin ein schwieriges Pflaster für internationale Marken. Nicht Google, wie sonst oft auf der Welt, ist hier die Nummer eins, sondern das Eigengewächs Yandex. Als Ursachen für diese Eigentümlichkeit nennt Milner zunächst den großen Pool von Talenten auf naturwissenschaftlichem Gebiet. Es gebe viele junge, mathematisch versierte Leute, die in die Branche drängten. Zudem sei der russische Sprachraum mit 300 Millionen Personen sehr groß. Es komme hinzu, dass bislang nicht so viele eine Fremdsprache sprechen. Diese drei Faktoren seien wesentlich; als zusätzliche Gründe erwähnt Milner den Unternehmergeist, der vor einigen Jahren zu Start-ups im Internetbereich geführt habe, sowie Investoren wie DST, die es möglich machten, ein Unternehmen weiterzuentwickeln, ohne es verkaufen zu müssen.

DST hat bisher rund eine Milliarde Dollar investiert; Facebook ist die erste direkte Investition außerhalb von Osteuropa und den Ländern der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS). Milner sieht in Russland noch großes Wachstumspotenzial. Derzeit nutzt etwa ein Drittel der Bevölkerung regelmäßig das Internet, in den Vereinigten Staaten und in Westeuropa sind es hingegen meist an die 70 Prozent oder mehr. Nach einer Schätzung des Marktforschungsunternehmens Screen Digest werden im Jahr 2011 mehr als 50 Prozent der russischen Bevölkerung im Internet aktiv sein. Milner verweist auch darauf, dass in Russland mehr Zeit für soziale Netzwerke aufgewendet werde als in anderen Ländern. Dies könne mit der Größe und mit dem Klima des Landes zusammenhängen. Da Russland ein „kaltes“ Land sei, blieben die Leute auch eher zu Hause. Deshalb erwartet Milner für Russland künftig eine Internet-Verbreitungsrate wie in Skandinavien.

Förderung des schwarzen Goldes

Noch ist das Werbevolumen im Internet allerdings gering. Im vergangenen Jahr wurden nur rund 3 Prozent des gesamten Werbekuchens für Online-Werbung ausgegeben, für dieses Jahr wird ein Volumen von 302 Millionen Dollar erwartet. Die Wachstumszahlen sind allerdings immer noch beeindruckend: Zwar sind keine Zuwächse von 60 Prozent mehr zu erreichen, ein erwartetes Plus von 30 Prozent in diesem Jahr ist aber immer noch vorzeigbar. Da in Russland die Postdienste hinter westlichen Standards hinterherhinken und viele Russen noch eine Abneigung gegen die Weitergabe von Informationen wie Kreditkartennummern im Internet haben, sind die Werbeeinnahmen für russische Webseiten wichtiger als für Online-Unternehmen, die auch mit E-Commerce Erlöse erzielen können.

Als DST im Jahr 2005 gegründet wurde, zählten Milner und sein Kompagnon Gregory Finger zu den wenigen Internet-Investoren in Russland. Kapital floss damals vor allem in die Energiebranche. Schmunzelnd räumt Milner ein, dass die anderen vielleicht smarter gewesen seien – aber dies sei eben sein Weg und seine Branche. Jetzt hofft er, mit seiner Investition in die Plattformen der sozialen Netzwerke am Wachstum des Internets mitzunaschen. Und da ist sie dann doch noch, die Analogie zur Energiewirtschaft, die Plattformen zur Förderung des schwarzen Goldes nutzt.

Zur Person: Juri Milner

„Ich bin ein bisschen glücklich, weil wir nur in Start-ups investiert haben. Wir haben etwas Neues begonnen und unser Vermögen nicht darauf aufgebaut, jemandem etwas zu nehmen“, antwortet Juri Milner auf die Frage, ob er im Gegensatz zu den Magnaten zu einem neuen russischen Unternehmer-Typus gehöre. Milner hat Physik studiert und an der Akademie der Wissenschaft der Sowjetunion geforscht. Von 1990 bis 1992 besuchte er die amerikanische Wharton Business School und arbeitete bis zu seiner Rückkehr nach Russland im Jahr 1996 bei der Weltbank.

Nach Engagements bei der Menatep-Bank des Erdölmagnaten Michail Chodorkowski und in der Private-Equity-Branche entdeckte er im Jahr 1999 das Internet. Für einige Jahre war er Vorstandsvorsitzender des Webportals Mail.ru, im Jahr 2005 gründete er zusammen mit Gregory Fingers Digital Sky Technologies (DST). An der Investmentgesellschaft sind laut russischen Medien Investoren wie Goldman Sachs und Renaissance Capital, aber auch Privatpersonen beteiligt. Einer davon ist der Stahl- und Kohle-Unternehmer Alischer Usmanow. Ihm werden gute Kontakte zum Kreml nachgesagt, er soll rund 30 Prozent an DST halten. Milner verweist darauf, dass DST vom Management geführt werde, Usmanow sei ein Finanzinvestor. Große Entscheidungen müssten jedoch im Aufsichtsrat behandelt werden. Usmanow habe dabei nur zwei von sieben Sitzen

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