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Veröffentlicht: 13.04.2017, 11:15 Uhr

Dell-Notebook XPS 13 im Test Jenseits der Hungerkur

Moppelig wirkt das neue Notebook XPS 13 von Dell. Es ist aber eines der besten Notebooks, das wir in den vergangenen Monaten in der Hand hatten.

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© Hersteller Der XPS 13 von Dell in der neuesten Modellvariante 9360 beerbt sein gleichnamiges, ein Jahr altes Vorgängermodell.

Ein wenig moppelig, aber oha: Dies ist eines der besten Notebooks, das wir in den vergangenen Monaten in der Hand hatten. Der XPS 13 von Dell in der neuesten Modellvariante 9360 beerbt sein gleichnamiges, ein Jahr altes Vorgängermodell, man achte also bei einer Neuanschaffung auf den vierstelligen Zahlencode. Moppelig wirkt der neue XPS 13, weil er an der dicksten Stelle fast zwei Zentimeter misst, sich also der Hungerkur unter den teuren Oberklasse-Notebooks entzieht. Dazu kommt die geringe Grundfläche: Mit seinen 30,4 × 20 Zentimeter ist der Dell eigentlich auf dem Feld der Notebooks mit 12-Zoll-Anzeige unterwegs, tatsächlich bietet er 13,3 Zoll mit sehr dünnen Seitenrändern, und das Display erreicht in der höchsten Auflösung sage und schreibe 3200 × 1800 Pixel.

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Allerdings muss man auf die Details achten: Nur mit dieser QHD+-Auflösung ist das Display berührungsempfindlich, und in dieser Konfiguration ist man festgelegt auf den Core-i5-Prozessor der aktuellen, siebten Generation (Kaby Lake). Der Einstiegspreis mit acht Gigabyte Arbeitsspeicher und 256 Gigabyte SSD beträgt dann 1550 Euro. Wer die Anzeige bei der Full-HD-Auflösung (1920 × 1080 Pixel) belässt und auf Touch verzichten kann, zahlt bei gleicher Ausstattung nur 1350 Euro. Die schnellen Core-i7-Prozessoren beginnen bei 1450 Euro, das Spitzenmodell mit Full HD, 16 Gigabyte Arbeitsspeicher und 512 Gigabyte SSD liegt bei 1650 Euro. Aber, wie gesagt, nur mit Full HD und ohne Touch.

45850767 © Hersteller Vergrößern Moppelig wirkt der neue XPS 13, weil er an der dicksten Stelle fast zwei Zentimeter misst.

Das berührungsempfindliche Display hat es uns jedoch angetan. Die hohe Auflösung ist ein Gewinn, wenn man zwei oder mehr Fenster nebeneinander anordnet und gewillt sowie in der Lage ist, auch kleine Buchstaben zu lesen. Zum Glück kann man ja mit Windows 10 einfacher als je zuvor die Darstellung skalieren, so dass jeder auf seine Kosten kommt. Dass die Anzeige spiegelt, das muss man ihr nachsehen, sie ist indes mit 400 Candela pro Quadratmeter hinreichend hell. Die Displays der Full-HD-Varianten sind eher dunkler, aber matt.

Das Gehäuse ist kein Unibody, wirkt indes sehr robust, nichts knarzt, die Verarbeitungsqualität ist überragend. Unser Testgerät wog 1,3 Kilogramm. Der Akku ist fest eingebaut, jedoch ist die untere Gehäusewanne mit handelsüblichen Torx-Schrauben befestigt und lässt sich lösen. Wir hatten ein Gerät mit amerikanischer Tastatur, an der nichts auszusetzen ist. Auch das Touchpad mit eher kleiner Fläche verdient ein Lob, der Mauszeiger lässt sich präzise steuern. Im Uefi, also der Geräte-Firmware, kann man die Keyboard-Beleuchtung in zwei Stufen einstellen, ferner auch dem Bildschirm seine Berührungsempfindlichkeit nehmen. Der Lüfter ist bisweilen hörbar, aber nur in sehr ruhiger Umgebung und nicht aufdringlich.

45850765 © Hersteller Vergrößern Das Gehäuse ist kein Unibody, wirkt indes sehr robust, nichts knarzt, die Verarbeitungsqualität ist überragend.

Mit Schnittstellen ist der XPS 13 gut ausgestattet. Auf der rechten Seite finden sich neben der Öse für ein Kensington-Schloss ein USB-3-Anschluss in klassischer Bauweise und ein SD-Kartenleser. Links gibt es als überaus pfiffiges Detail eine Statusleiste mit Leuchtdioden, die auf Knopfdruck den Akkustand visualisieren. Neben der Kopfhörer- und Mikrofonbuchse liegen ein proprietärer Anschluss für das 45-Watt-Netzteil, USB 3 in herkömmlicher Bauweise und schließlich eine einzige USB-Typ-C-Buchse. Sie soll auch zum Laden des Notebook dienen, und Dell gibt an, dass Thunderbolt 3 via USB unterstützt wird sowie die Grafikausgabe mit Displayport oder HDMI, entsprechende Adapter vorausgesetzt. Die Webcam sitzt übrigens nicht oberhalb der Anzeige, sondern links unter ihr, was zu schrägen Froschperspektiven in Videokonferenzen führen kann. Mit seinem 60-Wattstunden-Akku sind Laufzeiten von rund zehn Stunden durchaus zu realisieren, ein weiterer Pluspunkt. Wer auf die QHD+-Bildschirmauflösung verzichtet, bekommt zwei Stunden zusätzliche Laufzeit.

Vermutlich auch illegal

Von Hause aus ist der Dell XPS 13 mit nur wenig störender Software bestückt. Schade aber, dass es bei diesem Preis nicht für die Pro-Version von Windows 10 gereicht hat. Störend sind zwei Details: Erstmals konnten wir erleben, wie eine unerwünschte Software hinterrücks den Browser kaperte. Nicht etwa einen vorinstallierten Browser, sondern den justament von uns geladenen, in diesem Fall Google Chrome. Was Dell hier programmiert oder Dritten erlaubt hat, ist infam, vermutlich auch illegal: Die Erweiterung schiebt sich heimlich ohne Rückfrage in das frisch aus dem Netz geholte Chrome hinein. Man bemerkt es nur an dem orangefarbenen Ausrufezeichen oben rechts. Klickt man darauf, entdeckt man, dass sich Unerwünschtes bereits eingenistet hat. Sodann darf man sich darüber ärgern, dass Dell eine Umfrage-Software und andere Nervdienste mit in den Autostart hineinpackt, hier ist manuelle Anpassung erforderlich, um von weiteren Zumutungen verschont zu bleiben, darunter Hinweise, dass die „bestellte Software“ jetzt geliefert werden könne.

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Alles in allem gefällt indes dieses besonders kompakte Notebook mit der jüngsten Prozessoren-Generation, hohem Arbeitstempo und einem Display, das deutlich mehr zeigt. Der Preis ist angemessen, wenngleich ein biometrischer Fingerabdruckscanner ebenso fehlt wie die Option für ein Mobilfunkmodem.

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