01.09.2010 · Irgendwann wird es immer zu eng. Wenn Löschen, Komprimieren und Verlagern nichts hilft, muss eine neue Festplatte her. Die Installation ist denkbar einfach - und der Rechner merkt davon wenig.
Von Fritz JörnNach ein paar Jahren sieht jeder Rechner alt aus, vor allem wegen seiner geringen Festplattenkapazität. Programme, Dateien und Bilderalben sind so angeschwollen, dass es langsam eng wird. Eine Zeitlang mag man sich mit Löschen, Komprimieren oder Verlagern behelfen, das aber macht Mühe und hilft bald auch nichts mehr. Eine große Platte muss her. Wir sind mit unserer Systemplatte von 160 auf 500 Megabyte umgestiegen, das sollte einstweilen reichen. Außerdem haben wir uns bei dieser Gelegenheit zur Sicherheit für eine „gespiegelte“, also doppelt betriebene Systemplatte entschieden. Da dürfte selbst der „Crash“ einer Platte unseren Daten nichts mehr ausmachen.
Kurz zur Spiegelung. Dieses Doppelschreiben auf zwei Platten zugleich kann inzwischen fast jede Rechner-Hauptplatine (Motherboard). Wir wollten es uns noch einfacher machen und kauften zwei 2½-Zoll-Platten, wie sie in Laptops laufen, obwohl in großen Rechnern 3½-Zoll-Platten üblich sind. Die zwei äußerlich kleinen Platten steckten wir in ein spezielles Raid-Gehäuse, Modell Raidon SR2760-2S-S2. „Raid 1“ bedeutet Spiegelung, „Redundant Array of Inexpensive Disks“, also Dopplung der Daten. Inzwischen gibt es zahlreiche treiberfreie Bausätze zum „transparenten“ Anschluss von gespiegelten Platten, klein und kompakt etwa für Kassensysteme oder komfortabel mit eigenem Gehäuse; eine Spiegelcontroller-Übersicht gibt Hantz.com. Das Einbauen der Platten in die Raid-Box war so einfach wie Brettereinlegen in Billy-Regale. Übrig bleiben zwei Anschlüsse: ein Stecker für den Strom und ein rotes Kabel für die Daten. Die steckt man innen im Rechner an, Adapter gibt es notfalls im PC-Geschäft. Der Rechner merkt nichts davon, dass statt eines Laufwerks jetzt zwei laufen.
Es passiert nichts ohne sicheres Netz
Nun mussten wir noch die Daten transferieren. Zwei „Partitionen“ waren drauf, C und D genannt. Zum „Klonen“ verwendeten wir „True Image Home“ von Acronis für 50 Euro oder erst einmal kostenlos als Testversion aus dem Netz. Das Programm ist gut, tut nichts ohne Erklärung, kann später schöne Sicherungskopien machen, zeigt aber im individuellen Partitionieren seine Grenzen, wie wir später merkten. Jedenfalls ist der Kopierprozess gefahrlos, kann man doch stets auf die alte Platte zurückkommen. Es passiert nichts ohne sicheres Netz.
Zunächst müssen beide Platten angeschlossen sein. Die „alte“ steckt ohnehin im Rechner, die neue wird entweder gleich ordentlich eingebaut oder über einen USB-Adapter angeschlossen, wenn sie für einen Laptop gedacht ist. Sieht True Image zwei Platten, so lässt es einen die eine auf die andere „klonen“, wobei eventuelle Partitionen proportional vergrößert werden. Wir empfehlen, diese neue Aufteilung einfach zu akzeptieren. Eine Partitionsgrößenänderung ist mit True Image am Ende doch nicht möglich; Acronis möchte wohl, dass man sich deren „Partition Expert“ kauft. Selbst versteckte Wiederherstellungspartitionen, „Hidden Protected Areas“, wie sie inzwischen von fast allen Herstellern vorinstalliert sind, klont True Image, wobei hier die proportionale Vergrößerung reine Verschwendung ist. Der Kopierprozess geschieht bei ansonsten ruhendem Rechner, damit auch alles eins zu eins übertragen wird, und dauert je nach Datenmenge rund zwei Stunden.
Ab in den Safe?
Danach hat man - wenn es sich um die Systemplatte handelte - eine startfähige neue Platte. Die alte geht aber noch immer. Nun steckt man die alte Platte ab, baut sie vielleicht aus (ab in den Safe?), und der Rechner startet von der neuen. Bei unserem Thinkpad mussten wir nur eine Kreuzschraube lösen, die alte, kleine Platte herausschieben und die neue einstecken, fertig. Das Wunderbare an diesem Prozess ist, dass man hernach sein gewohntes System unter den Fingern hat: Nichts hat sich geändert außer der Plattengröße. Hätten wir uns deshalb gleich einen ganz neuen Rechner geleistet, hätten wir Tage gebraucht, um alle Programme und Funktionen wieder zum Laufen zu bekommen, um die Daten zu transferieren und die Mails. Vieles wäre auf dem neuen Betriebssystem gar nicht mehr gegangen, unser alter PDF-Writer oder Word 2002 zum Beispiel. Wir bleiben zufrieden mit XP. Nur Microsoft meinte, wir müssten jetzt Windows in drei Tagen neu „aktivieren“, weil die Hardware „erheblich geändert“ wurde. Das aber ließ sich guten Gewissens sogar am Sonntag online erledigen, sonst kann man gratis anrufen.
Wer mit seinem Rechner zufrieden ist, nur einfach eine größere Platte braucht, der ist mit einem Kreuzschlitz-Schraubendreher zum Öffnen seines Rechners, einem Kopierprogramm und natürlich einer neuen Platte einfach und gut bedient. Schade, dass Flashspeicher - „feste“ Festplatten - noch zehnmal teurer sind, sonst hätten wir unserem Laptop so eine Solid State Drive spendiert und Speicherplatz eingetauscht für Schnelligkeit, Robustheit, Stille und Stromsparen.